Die Maisernte ist zu Ende, die Diskussionen nicht. Einige Menschen sind davon überzeugt, dass die Zahl der Maisfelder in der Region zu groß ist. "Es wird zu viel Mais angebaut", meint Imker Hans Kröner. Der Mais bringe keinen Nektar für die Bienen. Mit den Pollen würde zwar der Nachwuchs gefüttert werden, aber für die Honiggewinnung seien die Pflanzen unbrauchbar.

"Bei uns gibt es mit Sicherheit nicht mehr Mais", sagt Landwirt Albert Back. Gemeint sind die Felder rund um Bad Bocklet. Die Maisfelder fielen heuer vielleicht mehr auf, weil sie zentrierter sind. Früher habe in jedem kleinen Dorf ein Teil gestanden und jetzt seien die Flächen direkt vor Ort.

Werner Link, Geschäftsführer der MR Energie Bad Bocklet GmbH & Co. KG, sieht ebenso keinen Zuwachs. "Wir bauen nicht mehr an, weil wir in der Anlage nicht mehr verarbeiten können", sagt er. Die Biogasanlage habe eine Bestimmungsgröße, die vom ersten bis zum letzten Tag gleich bliebe. Auch wenn es demnach in Bad Bocklet nicht mehr Maisfelder gibt, so ist eine Zunahme im Landkreis laut Statistik nicht von der Hand zu weisen.

Zuwachs ist da

Im Zeitraum von 2003 bis 2013 stieg die benötigte Fläche für Mais, der als Futtermittel oder zur Herstellung von Biogas angebaut wird, im Landkreis Bad Kissingen von 1090 Hektar auf 1515 Hektar. Das bedeutet immerhin einen Zuwachs von knapp 40 Prozent. "Das ist aber nicht so dramatisch", meint Georg Scheuring, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes. Ohnehin hatten sich die Flächen zuvor verringert.

"Nach 2003 hat sich der Mais anbau nicht zuletzt durch das Erneuerbare Energien Gesetz lediglich auf das in etwa frühere Maß erholt", erklärt Scheuring. Die Rede ist vom Maisanbau, der in den 70er und 80er Jahren betrieben worden ist. Bezogen auf die landwirtschaftliche Nutzung nimmt der Maisanbau im Landkreis 3,87 Prozent der vorhandenen Fläche ein.

Maßnahme für die Bienen

Die Landwirte versichern, auf die Bedürfnisse der Bienen einzugehen. "Wir säen Blumen um die Maisfelder herum", sagt Landwirt Albert Back aus Burglauer. Seit ein, zwei Jahren gebe es immer mehr dieser Blumenstreifen. Die dienen nicht nur der Verschönerung, sondern auch den Bienen und anderen Insekten.
Wie die Imker sind auch die Schäfer nicht zufrieden mit der Entwicklung der Anbaufläche. "Der Mais hat seinen Anteil daran, dass wir weniger Weideflächen haben", sagt Peter Reuter, Vorsitzender der Vereinigung deutscher Landesschafzuchtverbände. Die Pachtpreise seien enorm gestiegen und die Schäfer immer mehr auf die Landwirte und deren Felder angewiesen.

Albert Back weiß nichts von Problemen mit Schäfern. "Wir haben nichts dagegen, wenn ab und zu eine Schafherde bei uns Halt macht", sagt der Landwirt. Er sehe keinen Zusammenhang zwischen dem Maisanbau und den Weideflächen für die Schafe. "Wenn ein Schäfer zu wenig Fläche hat, hat er vielleicht zu viele Schafe", sagt Albert Back.
Neben den beiden Streitpunkten zur Bienen- und Schafzucht gibt es allerdings eine Nachricht, die alle freuen wird. Im Landkreis Bad Kissingen gibt es keinen Genmais. "Das kann man ausschließen", sagt Georg Scheuring. Wenn man Möglichkeiten habe, Schädlinge Maiszünsler mit pflanzlichen Mitteln im Griff zu halten, brauche man keinen Genmais. Der Bauernverband rät grundsätzlich von Gentechnik ab.
Monokulturen gibt es beim Maisanbau hingegen schon. "Das Wort ist immer negativ belegt, aber das ist nur ein Schlagwort in den Medien", sagt Georg Scheuring. Alle Reinkulturen seien Monokulturen. Mischkulturen seien nicht machbar. "Es gibt sicher hunderte unterschiedliche Sorten", sagt Scheuring. Im praktischen Anbau seien 20 bis 30 von Relevanz.

Biogas in der Region

Sechs Biogasanlagen zählt der Landkreis Bad Kissingen. Sie alle werden überwiegend mit gehäckseltem Mais betrieben und versorgen Kraftwerke mit Methangas und somit jährlich tausende Haushalte mit Strom und Wärme. Der Anteil erneuerbarer Energien im Landkreis beträgt 20 Prozent. Ein Fünftel davon kommt von Biogasanlagen.