Wie sieht eine "sprudelnde Steuerquelle" aus? So: 198,6 Milliarden Euro hat die Umsatzsteuer 2013 in die Kassen von Bund, Ländern und Kommunen gebracht. 2014 waren es 203 Milliarden. Geflossen ist das Geld über die umsatzsteuerpflichtigen Betriebe und Freiberufler. Im Kreis Bad Kissingen waren davon 3958 beheimatet. Die Firmen machten einen sogenannten "steuerbaren Umsatz" von 2,99 Milliarden Euro. Um Missverständnisse zu vermeiden: Wirklich bezahlt haben die Firmen diese Umsatzsteuer nur zum kleinen Teil: Sie haben sie nur weitergereicht. Bezahlt haben die Verbraucher, die Waren oder Dienstleistungen kauften, denn sie ist eine Verbrauchssteuer.


Erfindung der Sachsen

Den oder die letzten beißt in dem Fall immer der Finanzminister. Denn die Mehrwert- oder Umsatzsteuer wird stets von dem bezahlt, der die Ware als letzter erwirbt und verbraucht. Alle anderen bekommen sie wieder, Firmen können sie als "Vorsteuer" abziehen. Wer sein Auto verkauft, rechnet den Zeitwert vom Kaufpreis, in dem sie ja drin war, muss aber als Privatverkäufer dem Finanzminister nichts mehr abgeben.
Als erste eingeführt haben die Mehrwertsteuer die Sachsen. Weil die Staatskasse leer war, kam Heinrich Graf von Brühl 1754 auf die Idee eine Verbrauchssteuer einzuführen. Denn der kann der Verbraucher ja schlecht ausweichen. Und Kaiser Wilhelm II. brauchte 1916 Geld für Krieg und kam mit 0,1 Prozent blendend zurecht.
Heutzutage sind es sieben oder 19 Prozent, und die Beute wird geteilt: Der Bund bekommt 42,1 Prozent des Aufkommens, die Länder 39,5 Prozent, Städte und Gemeinden 13,6 und die EU 4,8 Prozent. Wer einkauft, kauft also für alle ein.


Berechnung schwierig

Weil das System mit der Vorsteuerverrechnung und den zwei Steuersätzen nicht ganz einfach ist, lässt sich von den mehrwertsteuerpflichtigen Umsätzen im Kreis Bad Kissingen auch nicht einfach auf die tatsächlich vereinnahmte Umsatzsteuer runterrechnen.
Als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung eignen sich die Zahl der Unternehmen und deren "steuerbarer" Umsätze aber trotzdem ganz gut. Insgesamt 603 672 steuerpflichtige Unternehmen zählten die Statistiker zuletzt in Bayern, darunter 3958 im Kreis Bad Kissingen. Zusammen erwirtschafteten die hiesigen Unternehmen ein Umsatzvolumen von rund 2,99 Milliarden Euro (Stand: 2013; aktuellere Daten befinden sich derzeit noch in der Prüfung). Ein Jahr zuvor gab es hier noch 3974 Steuerpflichtige und einen erwirtschafteten Umsatz von rund 2,89 Milliarden Euro. Bundesweit gilt die Regel, dass immer weniger Unternehmer und Unternehmen immer mehr Umsatz erwirtschaften. Mit einem Minus von 16 Umsatzsteuerpflichtigen liegt Kreis Bad Kissingen in diesem Trend.
Was die Bedeutung der Branchen als Umsatz- und Steuerbringer angeht, ist das Gewicht sehr unterschiedlich: Im Kreis Bad Kissingen fallen mit 806,442 Millionen Euro rund 26,97 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe an. Der Handel insgesamt einschließlich der Reparatur von Kraftfahrzeugen kommt mit 808,146 Millionen Euro auf 27,02 Prozent. Macht zusammen 53,99 Prozent.
Der Rest teilt sich auf die anderen sogenannten Wirtschaftsabteilungen auf. Das Baugewerbe beispielsweise kommt mit 600,130 Millionen Euro auf 20,07 Prozent. Alles rund um die Energieversorgung kommt mit 95,961 Millionen Euro auf 3,21 Prozent. Und freiberufliche wissenschaftliche und technische Dienstleister sind mit 124,502 Millionen Euro und 4,16 Prozent dabei, um nur die wichtigsten zu nennen.
Auch wer Wirt wird, ist dem Finanzminister höchst willkommen. Immerhin fallen in dieser Branche 108,353 Millionen Euro Umsatz an, das sind 3,62 Prozent. Allerdings trauen weder Finanzamt noch der Finanzminister den gastronomischen Umsatzzahlen so recht. Nicht mal, nachdem elektronische Kassen Pflicht geworden sind. Deswegen müssen Betriebsprüfer jetzt lernen, mit welcher Kasse sich wie schummeln lässt.