Baudirektor Erwin Full ist zufrieden: "Wir liegen bei den Kosten gut und sind exakt im Zeitplan", fasst der Vertreter des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt den Stand beim Umbau des Luitpoldbades in ein Behördenzentrum zusammen. "Die groben Arbeiten sind jetzt erledigt", ergänzt Architekt Ralf Alsheimer vom Büro "Grellmann, Kriebel, Teichmann". Der Rohbau sei so gut wie fertig, also Abbruch, Entkernen, Betonieren der neuen Zwischendecken und der Archivgebäude sowie die Erneuerungen sämtlicher Dachstühle. Ausgegeben wurden bislang laut Alsheimer rund 40 Prozent der veranschlagten 37 Millionen Euro, also rund 15 Millionen Euro.


Zusätzliches Geld für Events

Seit dem Besuch von Finanz- und Heimatminister Markus Söder haben sich die Baukosten offiziell auf 39 Millionen Euro erhöht. Allerdings nicht, weil die geplanten Arbeiten teurer werden, sondern weil der Innenhof zu einem modernen Event-Bereich ausgebaut wird: Für 1,8 Millionen Euro sollen Bühnentechnik angeschafft und eine Überdachung des Innenhofes vorgesehen werden: Unter 16 großen Schirmen, bei denen Regenwasser über das Halterohr in der Mitte abfließt, sollen 1000 Sitz- oder 1800 Stehplätze entstehen.

Zwischen den Archivgebäuden könnten Veranstalter die Bühne aufbauen, der südliche Innenhof könnte als großzügiger Backstage-Bereich genutzt werden, in der Mitte wäre der Zuschauerraum und im nördlichen Innenhof wäre Platz für Toiletten-Container und Catering.


Viel Arbeit für Restauratoren

Auch im Innern des alten Luitpoldbades gibt es jede Menge Platz für Veranstaltungen: Rund 500 der insgesamt 4000 Quadratmeter Nutzfläche sind dafür vorgesehen. Besonders repräsentativ sind dabei die beiden Treppenhäuser in den Langbauten und der südöstliche Eck-Pavillon. In beiden sind die Arbeiten schon weit fortgeschritten: Der Pavillon ist bereits mit den großen restaurierten Fenstern winterdicht gemacht worden.

Im Treppenhaus wurden die alten gußeisernen Zierelemente frei gelegt: Sie waren jahrzehntelang verkleidet, an einigen Stellen ist sogar noch die Original-Wandfarbe erhalten: "Hier war fast alles grün", verweist Architekt Alsheimer auf die Befunde der Restauratoren. Grün mit goldenen Einlagen könnten denn auch die Metallspangen nach dem Sandstrahlen wieder gefasst werden. Eine kleine Musterfläche gibt es bereits, aber: "Das passiert alles in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege", betont Erwin Full. Auch in anderen Bereichen wie den Fenster-Beschlägen, der Isolier-Verglasung mit historischen Scheiben, den Sitznischen oder der Erhaltung alter Fenster scheut der Freistaat keine Kosten: Das Behördenzentrum wird ein Paradebeispiel der Denkmalpflege.

Nur wenige Rohbauten dürften so interessant sein wie der des Luitpold-bades: Viele interessante Details sind bereits jetzt, eineinviertel Jahre vor der geplanten Fertigstellung zu erahnen. Etwa die alten Eichenholzfenster, die mehr als 100 Jahre alt sind, aber frisch restauriert wurden: "Die alten Beschläge konnten erhalten werden, wir haben Dichtungen ergänzt und von einer Spezialfirma extra dünnes Isolierglas herstellen lassen", berichtet Architekt Ralf Alsheimer. In einigen Räumen wurden sogar alte Scheiden für diese Isolierverglasung verwendet.


Fassade gibt Aufteilung vor

An anderer Stelle wird gerade eine halbhohe Innenwand unter einem Bogen gemauert: "Hier befanden sich historische Sitznischen, die Wände mussten aber für andere Arbeiten abgebrochen werden", erzählt Baudirektor Erwin Full vom Staatlichen Bauamt. Das Mobiliar wurde ausgebaut, zum Restaurator geschickt und nun wird die Grundlage für den Wieder-Einbau geschaffen.

Während in den Eck-Pavillons die achteinhalb Meter hohen Kuppeln erhalten blieben, waren die Langhäuser komplett entkernt: Lediglich die Außenmauer blieben stehen. Mittlerweile sind neue Decken eingezogen: "Die Aufteilung ist genau wie früher", betont Full. Selbst die früheren Segment-Bögen zur Gliederung der Gänge wurden wieder eingebaut, allerdings nicht, wie früher, aus Backsteinen gemauert, sondern als Beton-Fertigteile.


Zwischengeschoss entfällt

In den Gängen werden die Decken auf die frühere Raumhöhe abgehängt. Die künftigen Büroräume dagegen werden wesentlich höher, denn: Das Luitpoldbad hatte früher eine Zwischendecke: Durch dieses unbeheizte Geschoss wurde die feuchte Luft abgeleitet. "Die salzhaltige Luft hatte die Eisenträger regelrecht aufgelöst", berichtet Alsheimer über die Schäden. Die Büros sind nun an die vier Meter hoch, die früheren Lüftungslöcher werden mit Fenster abgedichtet und bringen so zusätzlich Licht in die Räume.

An den Fensterachsen wurden auch nach altemVorbild die Türachsen orientiert. Insgesamt entsteht etwa an der Stelle einer Badekabine ein Arbeitsplatz, allerdings wurden Innenwände weggelassen und mehrere Badekabinen zu üros mit mehreren Arbeitsplätzen zusammengefasst.


Innenausbau beginnt im März

Sämtliche Fenster im Rohbau sind bereits abgedichtet, auch das Dach ist zu: Zum Teil bereits mit dem grauen Edelstahl-Blech fertig gedeckt oder mit einer Notabdichtung. Das Gas-Blockheizkraft läuft bereits, die Räume können temperiert werden für die Rohinstallation: "Die soll bis März fertig sein, dann geht es mit dem eigentlichen Innenausbau weiter, das wird auch der Schwerpunkt 2016", berichtet Architekt Alsheimer.

Auch außen tut sich jede Menge: Die rund 7000 Quadratmeter Fassade sind eingerüstet. Rund 2000 Quadratmeter davon sind Naturstein, meist weicher Schilf-Sandstein, der an vielen Stellen Schäden aufweist. "Uns geht es natürlich darum, möglichst viel Substanz zu erhalten", betont Full. Trotzdem arbeiten etliche Steinmetze an der Rekonstruktion filigraner Teile. "Da stecken etwa zwei Arbeitstage drin", sagt Steinmetz Frank Kessel und zeigt auf ein rund 60 Zentimeter langes Ornament aus Sandstein.

Geschichte Zum 1. Januar 1865 gründeten vermögende Kissinger Bürger, darunter Badearzt Dr. von Balling sowie Apotheker Boxberger, eine Aktiengesellschaft zur Errichtung eines neuen Badehauses. Sie sammelten 150 000 Gulden und ließen von 1867 bis 1872 ein Badehaus mit mehr als 100 Einzelkabinen bauen. Die zunächst offene Nordseite wurde 1878 bis 1880 mit dem Casino geschlossen. Die Bürger verkauften die Immobilie 1887 an die Krone. Unter Prinzregent Luitpold von Bayern (1821- 1912) wurde das Gebäude zur damals größten Badeanstalt Europas ausgebaut: Die beiden 100 Meter langen Seitenflügel erhielten 236 Badekabinen. Seinen Namen zu Ehren des Prinzregenten erhielt das Badehaus erst 1905. Das Luitpoldbad liegt an der Saale und am Rand des 120 000 Quadratmeter großen Luitpoldpark.

Niedergang Seit Ende der 1970er Jahre steht das Gebäude mit Ausnahme der Spielbank und des Restaurants leer. Das Bewegungsbad im Innenhof wurde 2004 geschlossen.

Ausbau Die rund 39 Millionen Euro teure Generalsanierung beinhaltet ein Entkernen der beiden Langhäuser, einen umfangreichen Hochwasserschutz mit Anheben der Innenhöfe und energetische Verbesserungsmaßnahmen. Zur Energieversorgung des Gebäudes ist eine Kombination aus Blockheizkraftwerk, gasbetriebener Wärmepumpe und Gasbrennwertkessel geplant. Ein Eisspeicher soll zudem künftig der Temperierung der Gebäude im Sommer und der Kühlung der Serverräume dienen.

Nutzung Eingangsbereich des neuen Behördenzentrums wird von Süden her sein. Im Ostflügel stehen der Staatsbad GmbH rund 1140 Quadratmeter zur Verfügung, ins Erdgeschoss des Westflügels zieht das Vermessungsamt auf rund 1250 Quadratmetern ein. Eine ähnliche Fläche erhält die Finanzkasse im Obergeschoss, die personell in Bad Kissingen von sieben auf 38 Mitarbeiter aufgestockt werden soll. Zudem zieht die Immobilien Freistaat Bayern ins Luitpoldbad um.