Es hatte sich wohl letztes Jahr herumgesprochen, dass bei dem ersten Gastspiel der Internationalen Musikakademie im Fürstentum Liechtenstein von den jungen Teilnehmern gute Musik geboten würde. So war heuer sogar die Sonntagsmatinee im Rossini-Saal sehr gut besucht. Zumal auch das Programm gut bestückt, aber auch gut gestrafft war.
Marie-Ange Sopiqoti-Nguci - der Name verrät albanische Wurzeln - kam als erste aus der Garderobe. Die 17-Jährige studiert zurzeit in Paris bei Nicholas Angelich und Denis Pascal und wird ihre Ausbildung nach dem Sommer in den USA fortsetzen. Sie hatte keineswegs zu hoch gegriffen, als sie sich Robert Schumanns "Kreisleriana" auswählte. Denn es gelang ihr in erstaunlichem Maße, den romantischen Geist dieses fordernden Werkes nicht nur zu erfassen, sondern auch zu gestalten. Sie spielte mit starken klanglichen Differenzierungen und mit einem tollen Gespür für Spannung, die Skurrilität und Tragik, das Phantastische und Groteske, die in der Psyche der literarischen Kunstfigur von E.T.A. Hoffmanns Kapellmeister stecken. Sie konnte ihr Publikum wirklich fesseln.
Auch der erst 14-jährige Robert Neumann aus Stuttgart hatte sich nicht verwählt mit seinem "Brocken", Franz Liszts "Après une lecture de Dante". Er spielte mit großem Ernst und furchtlosem Zugriff und verriet viel dramaturgisches Verständnis. Aber es geht nicht um die Gestaltung des Infernos und des Schicksals der Francesca da Rimini, sondern darum, die Erfahrungen des Lesers nach der Lektüre in ein persönliches musikalisches Statement zu fassen. Da fehlt ihm ganz einfach noch die Erfahrung. Aber die wird kommen. Er ist ein Riesentalent.
Und dann Antonin Dvoráks berühmtes Klavierquintett A-dur op. 81 mit Marin Maras und Sara Domjanic (Violine), Timothy Ridout (Viola), Astrig Siranossian (Violoncello) und Andreas Domjanic (Klavier). Es war schon eindrucksvoll, mit welchem technisch souveränen und vorwärtstreibenden Zugriff die jungen Leute zu Werke gingen, nachdem das Cello die leise Einleitung gesungen hatte. Da wurde die enorme Kraft deutlich, die in dieser Musik steckt.
Vor allem die Dumka mit ihrem ruhigen einleitenden Bratschenthema und begleitenden Pizzicato-Figurationen geriet ausgezeichnet. Aber insgesamt blieben zwei Einwände: Manche Striche müssten auf ihre gleichmäßige Artikulationsauswirkung, manche Töne auf ihre gemeinsame Länge überprüft werden. Vor allem aber müsste noch einmal eine Klangregie drübergehen. Vieles war einfach zu laut, Crescendi wurden zu früh und zu schnell hochgezogen, die Durchhörbarkeit litt. Vor allem Maras und Ridout neigten dazu, ihre Kollegen in Grund und Boden zu spielen. Aber sonst gab's nichts zu meckern.