"Der jährliche Besuchstag ist uns sehr wichtig", betonte Elvira Frieß, die früher hier gelebt hat. Egal wie dann das Wetter sei, diese Besuchsgelegenheit werde konsequent genutzt. Wie seit 35 Jahren öffnete sich das historische Dorf Bonnland auch heuer wieder für die Besucher. Bonnland wurde zweimal abgesiedelt: 1938 im Dritten Reich und in den frühen 60er Jahren unter der Regie der amerikanischen Soldaten.Die Besucher passten nicht alle in die alte Dorfkirche St. Michael, wo der ehemalige Militärseelsorger Thomas Linder zusammen mit der Schweinfurter Sängerin Sabine Schramm den Erntedank-Gottesdienst musikalisch gestaltete. Ein Amtsnachfolger sei noch nicht in Sicht, bestätigte Linder. Linder ist mittlerweile als Religionslehrer an einer Berufsschule in Bamberg tätig.
Auch bei kaltem Nieselregen und Nebel hatten hunderte Besucher den Weg zum abgesiedelten Übungsdorf Bonnland nicht gescheut. Immer seltener werden dort die Begegnungen der Originale aus dem Kreis der ehemaligen Bewohner. "Wir hatten die Gastwirtschaft Gasthaus zum Greif", erzählt Elvira Frieß, die Tochter des ehemaligen Wirtes Willi Ortmann. "Wir sind 1964 weggezogen", erinnert sie sich. Damals war diese Wirtschaft der kulturelle Mittelpunkt und die Nachrichtenzentrale für die Bonnländer.
"Damals hatten wir schon ein Fernsehgerät in der Gaststube", erzählt Frieß. Das sei jeden Tag maximal eine Stunde lang eingeschaltet worden. Das zweite Fernsehgerät des Dorfes befand sich in der Privatwohnung des ansässigen Försters. "Dort haben wir bei einem Glas Milch die TV-Serien Bonanza, Rintintin und Lassie in schwarz-weiß geguckt", erinnern sich die damaligen Schüler, die heute kurz vor ihrem Rentenalter stehen. In der Gaststube traf sich die verschworene Dorfgemeinschaft regelmäßig. Der Zusammenhalt ist heute noch spürbar.

Keine Musterschüler

Frieß ging in den frühen 60er Jahren in die Bonnländer Schule, wo alle acht Klassen als Zwergschule zusammen unterrichtet wurden. Unter ihren Mitschülern waren auch Berthold Glöckner und dessen Schwester Monika, heutige Fehn. "Wir waren damals keine Musterschüler sondern recht frech und heckten viele Streiche aus", erzählte Glöckner. Der letzte ihrer damaligen Lehrer namens Appel sei mittlerweile verstorben. Aus dem Dorf sei man aufgrund fehlender Infrastruktur selten heraus gekommen. Kein Internet, kein Handy, kein Computer und nur wenige Häuser hatten ein Telefon. Alte Erinnerungen und Heimatgefühle kamen auf. "Wenn es möglich wäre, würde ich heute trotzdem wieder nach Bonnland umziehen", verriet Monika Fehn, heute in Karsbach wohnhaft. Ihr Bruder Glöckner wohnt in Reith.
Und die ehemaligen etwa 30 Bonnlandschüler freuen sich jedes Jahr, wenn sie sich noch in Gesundheit im alten Heimatdorf wiedersehen. Auch nach einem halben Jahrhundert erkenne man die Gesichter wieder. Doch bei den Namen müsse man gelegentlich Nachfrage halten.

Inschriften kaum zu entziffern

Nicht nur die Dorfbegehung sondern auch der Besuch des Bonnländer Friedhofs steht für viele Besucher auf dem Programm. Gerade bei dem schwachen Sonnenlicht wie jetzt am Sonntag fiel es ihnen auf, dass die Inschriften vieler Grabsteine kaum noch zu entziffern sind. Allgemein aber lobte man den guten Erhaltungszustand der Friedhofsanlage. Die fand sogar Interesse bei auswärtigen Gästen, die keine Verwandten dort haben. Zur kulinarischen Stärkung hatte die Bundeswehrküche nicht nur ihre Gulaschkanone aufgefahren.