Mit seinen 79 Jahren ist Erich Rölling gerade einmal elf Jahre jünger als der 1923 gegründete Oehrberger Arbeiter- und Heimatverein. Schon 1934, in Röllings Geburtsjahr, wurde der Traditionsverein, der sich zuerst "Germania Vorwärts" nannte und dann Katholischer Arbeiterverein, von den damaligen Machthabern zwangsaufgelöst.
Gegründet worden war der Verein in den frühen zwanziger Jahren, als es für viele Oehrberger schwer war, in der Heimat das tägliche Brot zu verdienen. So waren viele von ihnen gezwungen, in der Fremde zu arbeiten. Die meisten gingen ins Nachbarland Hessen, in die Ziegeleien rund um die aufstrebende Mainmetropole Frankfurt oder auf große Bauernhöfe in der Wetterau, wo sie als Saisonkräfte Geld verdienten.

Festhalten am Glauben

So ließen das Verwurzeltsein mit der heimatlichen "Scholle", der man treu bleiben wollte, und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Fremde, unter anderen Menschen und anderen Arbeitsbedingungen, den Katholischen Arbeiterverein Oehrberg entstehen. Menschliches Miteinander im Beruf bei der täglichen Arbeit und ein Festhalten am überlieferten Glauben und den Sitten der Väter war der Grundgedanke, und da dieser Verein damals Gewerkschaften und Betriebsräte ersetzte, war er manchen ein Dorn im Auge, so dass er 1934 aufgelöst wurde.
Am 3. Januar 1950 haben die damals noch 18 lebenden Mitglieder des früheren Katholischen Arbeitervereins sich zusammengefunden und den Verein wiedergegründet. Mit dabei auch der Vater von Erich Rölling, der damals, 1934, mit dabei war, als man die verbotene Vereinsfahne versteckte. So war es für seinen Sohn Erich klar, dass auch er in den Arbeiterverein eintreten würde, das war 1956.

Zukunft mit neuen Zielen

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung in den 1960er Jahren, boten sich auch in und um Oehrberg ausreichend Verdienstmöglichkeiten, so dass sich Zuspruch und Vereinsaktivitäten rückläufig entwickelten. Um dem entgegenzutreten, wurde der Verein 1993 in Arbeiter- und Heimatverein umbenannt und hat heute wieder knapp 80 Mitglieder, die sich vor allem der Dorfverschönerung widmen. Diverse schmucke Brunnenbauten, Bildstöcke, Begrüßungstafeln, vor allem aber das Schmücken der Brunnen zu Ostern und an Weihnachten, sind neben dem Aufstellen von Sitzbänken heute die Hauptaufgaben des Vereins, erläuterte Vorsitzender Egon Keßler, bevor er zusammen mit Schirmherr Emil Müller die Ehrung langjähriger Mitglieder vornahm.

Ausgezeichnet Geehrt wurden für 25 Jahre beim Arbeiter- und Heimatverein Oehrberg: Rosita Rüttinger, Margot Metz, Egon Metz, Otto Knüttel, Manfred Markard, Roland Markart und Hans-Erwin Markart. Für 40 Jahre Rudi Bethke, Hubert Markart, Rainer Metz, Eckard Rölling, Hilmar Sell und Otmar Straub, für 50 Jahre Manfred Geiberger, der zudem zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, sowie Reinhard Geiberger und Siegmund Schlereth.