Der Franke als solcher ist ein gemütlicher Mensch. Er ist gesellig, dabei aber nicht unbedingt ein begnadeter Redner. So jedenfalls der geläufige Stereotyp. Dass er es aber in Liebesdingen - also auch beim "erroddischen" - mit einem Latinlover mit Leichtigkeit aufnehmen und dabei ein wahrer Herzensbrecher sein kann, das zeigte der Auftritt der fast gleichnamigen Band, der "Herzensblecher", die in Bad Bocklet ihr Debüt hatten.
Die acht Protagonisten auf der Bühne verstanden es, mit den allgemein gängigen Klischees zu spielen, sie umzudeuten und neu zu interpretieren. Dabei erweckten sie verschiedene Figuren zum Leben, wie dem "Sir Duke", dem "fränkischen Eros" und einem weiter nicht benamten Gigolo, bei dem die Herzen der Frauen im Publikum dahinschmolzen. "Wie fühlt man sich eigentlich im Saal als schönste Dame von allen" und "Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick? Wenn nicht, komme ich morgen wieder vorbei" - das alles in fränkischer Mundart gesprochen zeigte, dass auch der Eros im Franken schlummert, wenn manchmal auch gut versteckt.
Überhaupt waren die Musikstücke und auch die Zwischenspiele wie aus einem Guss, was dem Publikum sichtlich gut gefiel. Für Schmunzeln und immer wieder neue Überraschungen sorgten die musikalische Wechselspiele aus altbekannter Volks-, Blas- und Unterhaltungsmusik mit klassischen Weisen, die große Namen wie Verdi, Beethoven und Mozart erahnen ließen.


Mee und Schöpple

Mit viel Swing wurde das Hohelied auf den "Fränkischen Eros" gespielt, als Quintessenz aus dem Ganzen konnte man "unser fränkischer Eros haut uns alle um" mitnehmen. Und wer braucht schon Rotwein, Meeresrauschen und südländisches Lebensgefühl, wenn man in Franken den "Mee", das "Schöpple", a "Seidle" und zur Krönung des Ganzen "a fränkisches Mädle" hat.


Hinreißend charmant

Natürlich wurde auch auf das Freibier ein Loblied angestimmt, den Musikern gelang es dabei, bekannte und beliebte Melodien umzudichten und dem dem typisch fränkischen Charme zu garnieren. Und auch Dinge wie das Wallfahren wurden humoristisch und liebevoll aufs Korn genommen, wenn die ganze Kombo zum getragenen "Maria wir Dich grüßen" über die Bühne marschierte und dann das swingende Stück "Mit Begeisterung geht der Franke wallfahrn" zum Besten gab.
Beim "Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen", gehaucht durch ein Megaphon, zeigte sich, dass der Franke als solcher auch hinreißend charmant sein kann, auch wenn das höchste Lob bei Komplimenten oft lautet: "Passt scho". Charmant waren auch die kleinen Anekdoten und Witze, die zwischen den einzelnen Stücken immer wieder vorgetragen wurden und einen Rahmen vom einen zum nächsten Stück bildeten. Der große Applaus am Ende des Auftritts zeigte, dass dem Publikum der Abend sehr gut gefallen hatte. Es war überaus humorvoll und die eine oder andere Untugend und Besonderheit wurde mit einem Augenzwinkern aufs Korn genommen.
Die musikalische Qualität der "Herzensblecher" war auf hohem Niveau angesiedelt und die Musiker zeigten dabei ihre Professionalität. Mit viel Freude am Spiel interpretierten sie die Stücke.