Das weltweite Netz weiß alles. Es enthüllt die wichtigen und unwichtigen Dinge des Lebens und noch ein bisschen mehr. Das Internet weiß auch, welcher Arzt vermeintlich gut, und welcher vermeintlich nicht so gut ist. Dazu gibt es Bewertungsportale im Internet.

"Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt", sagt Dr. Hans-Peter Oepen. Er leitet eine private Praxis für Allgemeinmedizin in Bad Kissingens Innenstadt. Auf dem Bewertungsportal "www.jameda.de" erhält er die bestmögliche Durschnittsnote 1,0. Das ist ihm aber gar nicht wichtig: "Ich möchte vermitteln, was ich für mich gerne hätte." Ihm sei es egal, was die Konsequenz daraus ist. Generell hält er nichts von solchen Bewertungsportalen.

Bewertung und Kompetenz

Schlechte Bewertungen stünden nicht zwingend im Verhältnis zur fachlichen Kompetenz. Es könne zum Beispiel vorkommen, dass ein Arzt schlecht beurteilt würde, weil er ein Medikament mit Nebenwirkungen verschreibt. Genauso gut könne ein Arzt, der für die kurzfristige Genesung eine Spritze gibt, statt das eigentliche Problem zu lösen, als gut bewertet werden.

"Jeder hat doch seine ganz eigene Wertung", sagt Dr. Oepen und fragt "Wo führt uns das hin?" Ein Patient sehe doch gar nicht alle Faktoren, die im Praxisalltag eine Rolle spielen. Man müsse beachten, dass gerade die Kassenärzte einem gewissen Druck unterliegen.

"Die Menschen sind sich im Unklaren über den Wert der Dienstleistung, die sie erhalten", sagt Dr. Oepen, daher würde er ein leistungsorientiertes Bezahlsystem befürworten. Dazu hat er eine interessante Erfahrung in Indien gemacht: "In der Praxis, in der ich dort war, gab es am Ausgang einen Kasten, in den jeder Patient das eingeworfen hat, was ihm persönlich die Behandlung wert war." Er hält es jedoch für schwierig, in Deutschland ein anderes als das jetzige Modell einzuführen. Indien geht nicht überall.

Ein anderes Bezahlsystem?

Aber: Auch Allgemeinmediziner Dr. Peter Gleißner (mit der Note 1,2 bewertet) wäre einem alternativen System nicht abgeneigt. "Der Fleißige wird genauso bezahlt wie der Faule", sagt er, "das ist das Problem." Im Moment gibt es eine Kopfpauschale. Zusätzliche Arbeit wird nicht honoriert. "Das wäre natürlich gerecht", sagt Gleißner. Am besten sei es, wenn jeder einzelne Patient genau aufgelistet würde. Doch die Krankenkassen wehren sich dagegen und wollen nichts von den einzelnen Kosten wissen. "Es gibt einen Festbetrag für jedes Quartal, damit ist die Sache erledigt", sagt er. Damit werde man leben müssen.

"Es ist nachvollziehbar, dass Kollegen, die schlechte Bewertungen erhalten haben, diese gelöscht haben wollen", sagt der Bad Kissinger Zahnarzt Dr. Christian Ebel (mit der Note 1,4 bewertet). In der Regel sei es jedoch nicht erkennbar, ob diese Bewertungen objektivierbar sind, oder nur aus der Unzufriedenheit eines Patienten herrühren. "Vielfach ist zu beobachten, dass ein Patient, der mit irgendetwas unzufrieden war, häufig pauschal bei allen Bewertungskritierien eine negative Beurteilung abgibt", sagt Christian Ebel. Das stelle eine solche Bewertung schon sehr in Frage. Die Aussagekraft gehe in diesem Fall gegen Null.

Leistung nur teilweise messbar

"Was der Patient jedoch gut beurteilen kann, sind all die Dinge, die er um die eigentliche Behandlung herum wahrnimmt", stellt Ebel weiter fest. Damit meint er in erster Linie den Service, das Terminmanagement, den Umgang mit den Patienten, die Verständlichkeit von Beratungsgesprächen und die Zufriedenheit mit dem Behandlungsergebnis. Dennoch darf die Aussagekraft nicht überbewertet werden. Er freue sich trotzdem über eine gute Bewertung. Sie bestätige die Mitarbeiter in ihren Bestrebungen, den Patienten einen angenehmen Besuch in deren Praxis zu ermöglichen. Generell halten die befragten Ärzte nicht viel von den Bewertungsportalen im Internet. "Ich beschäftige mich nicht damit", sagt Peter Gleißner. Wenn mal einer erbost oder unzufrieden ist, müsse er heutzutagegleich eine Kritik ins Internet setzen. Das sei eben der Zeitgeist. "Ich muss so etwas nicht wissen, sonst verhalte ich mich vielleicht anders", sagt Hans-Peter Oepen. Es sei ihm wichtiger, dass er für sich das Gefühl habe, gute Arbeit zu leisten. "Die Qualität der eigentlichen ärztlichen Leistung wird von den Patienten nur unvollständig erfasst", sagt Ebel. Das Problem sei, dass viele Ärztebewertungsportale aber genau dies suggieren würden.

Benachrichtigung bei Beurteilung

Nur eine der Befragten äußerte sich positiv. "Ich finde das gut. Man holt sich verschiedene Meinungen", sagt Internistin Dr. Dotzeva Evdokia (ebenfalls sehr gut bewertet). Sie bekäme automatisch eine Benachrichtigung, wenn jemand ihre Praxis im Internet beurteilt hat.