In der Generalversammlung im Pfarrsaal informierten sich 90 Mitglieder über die Aktivitäten der Nüdlinger Energie-Genossenschaft im Jahr 2014 und über den Jahresabschlussbericht. In seiner Ansprache betonte Aufsichtsratsvorsitzender Heinz Wilm die besondere Rechtsform der Genossenschaft, in der jedes Mitglied gleiches Stimmrecht und damit ein gewichtiges Wort mitzureden hat.
Seit Jahrhunderten bringt der Wind die Menschen voran: Er hilft, Ozeane zu überqueren, Korn zu mahlen und große Flächen zu entwässern. Heute spielt er eine Schlüsselrolle beim Umstieg auf eine umwelt- und klimaschonende Stromerzeugung.
"Alles dreht sich um Nüdlingen, aber nicht alles für Nüdlingen", so seine Anspielung auf die insgesamt sieben neuen Windräder entlang der ehemaligen B 19, von denen aber fünf Anlagen einer Münnerstädter Gesellschaft gehören.

Plötzlich ging es schnell

Vorstandsvorsitzender Burkard Schramm berichtete, dass zum Jahresende 2013 alle Anzeichen auf einen langen Stillstand hindeuteten, weil es weder eine Baugenehmigung noch die Chance auf einen Kauf von Windrädern gab. Danach aber überstürzten sich die Ereignisse: Schon am Tag nach Dreikönig wurde die Baugenehmigung vom Landratsamt erteilt, und die politische Entscheidung zur Neuregelung der Stromvergütung ab 2015 führte dazu, dass viele Projektgesellschaften ihre für 2014 bereits vorbestellten Windanlagen abmelden mussten. Plötzlich waren bei mehreren Herstellern neue Windräder für Nüdlingen verfügbar.
Verhandlungen mit verschiedenen Banken wurden sofort begonnen, und nach der Informationsveranstaltung zur Finanzierung der Windräder im Februar 2014 haben mehr als 200 Mitglieder Nachrangdarlehen gezeichnet, um die notwendige Eigenfinanzierung der Genossenschaft zu bilden. Und auch bei der Fremdfinanzierung habe der regionale Gedanke verwirklicht werden können, die Sparkasse Bad Kissingen habe die notwendigen Bankdarlehen zur Verfügung gestellt.

Neue Mitglieder

Dem Bau des Fundaments und der beiden Betontürme im Juni 2014 folgte im Oktober der weitere Aufbau mit den Gondeln und den Rotorblättern. Der wohl wichtigste Termin mit vielen am Bau beteiligten Firmen war dann am 20. November, als beide Anlagen an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wurden. Bereits einen Tag später wurden die ersten Kilowattstunden in das Netz eingespeist und die Anlagen offiziell in Betrieb genommen.
Vorstandsmitglied Thorsten Köck berichtete von einem Zuwachs von 62 neuen Mitgliedern, insgesamt waren es zum Jahresende 393 Mitglieder.

Rückbau der Wege

Vorstandsmitglied Dieter Stichler erläuterte die Zahlen der Bilanz und der Ergebnisrechnung. Das betriebliche Rechenwerk habe sich binnen eines Jahres vom Niveau eines Vereins im Jahr 2013 auf die Ebene eines mittelständigen Unternehmens im Jahr 2014 fortentwickelt, die Bilanzsumme habe zum Jahresende 2014 mehr als acht Millionen Euro betragen. Erste Einnahmen aus dem Stromverkauf in den letzten 40 Tagen des Jahres 2014 hätten aber die hohen Einmalkosten im Jahr des Aufbaus der Anlagen noch nicht decken können.
Im Ausblick auf das Jahr 2015 zeichne sich bei den Arbeiten eine große Entspannung ab, so Dieter Stichler. Es stünden noch der Rückbau der verbreiterten Wege für die Schwertransporter und die Instandsetzung der Wege nach Verlegung der Stromkabel an. Außerdem müsse die Genossenschaft als Ausgleichsmaßnahme für die Abholzung der Stellflächen eine Waldfläche mit Fichten-Monokultur ökologisch umbauen lassen, indem Laubgehölze eingepflanzt werden.
In einem kurzen Vortrag berichtete Dr. Thomas Banning, Vorstandsvorsitzender der Naturstrom AG, über die sehr gute Zusammenarbeit seiner Gesellschaft mit der Genossenschaft. Naturstrom hatte die Bauleitung für die fünf Windräder in Münnerstadt und die zwei Windräder in Nüdlingen übernommen und die Genossenschaft in vielen Fragen während der Bauphase beraten.
Steuerberater Marco Waider vom Büro Müller & Partner erläuterte die Besonderheiten bei der steuerlichen Behandlung der Zinserträge für die Nachrangdarlehen der Mitglieder.

Film zeigt Bauphase

Nach dem Ende der Versammlung zeigte Aufsichtsratsmitglied Manfred Schäfer einen selbst erstellten Film, der 45 Minuten dauerte. Die Aufnahmen begannen mit der Rodung der Stellflächen und zeigten den Aushub der Baugruben, den Aufbau der Türme und die Montage der Gondeln sowie der Windradflügel. So konnte man Schritt für Schritt die Bauphase nachvollziehen. Interessenten können den Film jederzeit über die Nüdlinger Energie-Genossenschaft erwerben.