Im Mehrgenerationenhaus fand jetzt die Jahreshauptversammlung statt, in der Vorsitzende Iris Hönig über die aktuelle Lage dieser vor zehn Jahren gegründeten gemeinnützigen Einrichtung informierte.
Zehn Jahre Kissinger Tafel ist gleichbedeuteend mit zehn Jahren Iris Hönig. Sie hob damals die "Tafel" aus der Taufe. Rechtsanwalt Kay Blankenburg verfasste damals die Vereinssatzung. Zehn Jahre hatte sie Bestand, wurde nie geändert. Bis jetzt: "In Anpassung an eine sich wandelnde Zeit", so Hönig, änderten die Mitglieder per Beschluss ein Wort: Die Amtszeit des Vorstands wurde von vier auf zwei Jahre halbiert.

Die Änderung könnte richtungsweisend sein, denn Iris Hönig kündigte an, bei den nächsten Wahlen 2016 nicht mehr als Vorsitzende zu kandidieren. "Es ist schwierig, heute jemanden zu finden, der einen Posten ehrenamtlich für viele Jahre übernimmt", so Hönig. So wollten heute viele Vereinsmitglieder ungezwungen in Projektgruppen mitarbeiten, sich aber nicht auf vier Jahre oder länger binden, sodass man in Konsequenz den Vorschlag unterbreitete, den Vorstand nur noch für zwei Jahre zu wählen. Der Tafelvorsitz, so Hönig, sei "zwar eine Arbeit, aber auch eine schöne Zusammenarbeit mit allen. Außerdem bin ich ja nicht weg, es geht ja nur um die Position der Vorsitzenden, die ich nach zwölf Jahren in andere Hände geben möchte".

Konsequenz der Entwicklung

Und weil halt auch der Bürokram immer mehr wird, haben sich die Verantwortlichen der Kissinger Tafel dazu entschlossen, eine Bürohilfskraft für zehn bis zwölf Stunden im Monat einzustellen. So sucht der Verein derzeit nicht nur nach einer neuen Vorsitzenden/Vorsitzendem sondern auch nach einer/einem geringfügig Beschäftigten.

Bereits gefunden wurden mit Helga Bub und Christina Ruppert zwei ehrenamtlich tätige "Eventmanager". Die beiden sollen im Vorfeld kleine und größere Aktivitäten planen und durchführen.

Mehr Scheine, weniger Abholer

Mit ein bisschen Statistik "fütterte" dann Iris Hönig die Mitglieder. So gab es 2014 insgesamt 268 Tafelscheine (Berechtigungsscheine). Dies sind rund ein Viertel mehr als 2013, als 195 Haushalte Unterstützung durch die Tafel erhielten. So kommen im Durchschnitt pro Woche etwas über 150 Kunden zur Tafel in der Salinenstraße, und das in 52 Wochen im Jahr. War von 2007 bis 2010 eine kontinuierliche Steigerung von knapp 6000 Abholern auf rund 10 000 Abholer pro Jahr zu verzeichnen, so stagnieren diese Zahlen seit 2011 und so wurden 2013 exakt 8282 Abholer und im Berichtsjahr 2014 nur noch 7550 Abholer gezählt.

Jetzt kommen die Asylbewerber

"In diesem Jahr geht die Zahl allerdings sprunghaft nach oben", stellt die Vorsitzende fest und macht dafür die Zunahme der Asylbewerber verantwortlich. "Gegenüber dem 1. Vorjahresquartal stieg die Zahl der Abholer um rund ein Viertel, neben den Hartz-4-Empfängern werden sie die zweitstärkste Gruppe bei den Tafelbeziehern sein" stellt sie fest und ist aber dennoch zuversichtlich, dass ausreichende Mengen an Nahrungsmitteln zur Verfügung stehen. Dass die Zahlen von 2007 bis 2011 stiegen und dann immer weniger Personen auf die Tafel angewiesen waren, führt sie auf die anziehende Wirtschaftskonjunktur zurück.

Weil aber dennoch bei vielen Armut herrscht, gibt es bei der Kissinger Tafel die "Versteckten Engel", die direkte Hilfe, meist bei Kindern leisten. So bekamen auch heuer wieder die Tafel-Kinder und nun auch die Asylbewerberkinder Büchertaschen für die Schule von der Tafel.