Die "Heiligenhofer Ostersingwoche" ist seit mehr als 50 Jahren fester Programmpunkt des Lernorts Heilgenhof. Die "Kleine Singwoche" für Kinder ist bereits Tradition, aber erstmalig wird in diesem Jahr die creative Freizeitgestaltung für Kinder durch ein pädagogisch betreutes Theaterprojekt ergänzt.

Christian Carl, aufgeweckter elfjähriger Blondschopf, erklärt voller Begeisterung den Hintergrund: "Das Stück heißt 'In einer fernen Galaxie' , spielt im Jahr 2734, aber durch eine Unachtsamkeit ist die Zeitmaschine defekt und hat eine Gruppe von Kindern ins Jahr 2014 zurückversetzt. Sie irren umher und gelangen an einen weltabgeschiedenen Ort, Heiligenhof genannt."


Spielerische Entwicklung

Mehr gibt es nicht als Vorgabe, erzählt Till Toth, Theaterpädagoge und Musikclown, der die Kinder begleitet. Natürlich wird bei der Kindersingwoche im Heiligenhof auch viel gesungen, die Kinder an den Chorgesang herangeführt, aber es wird eben auch gemalt, gespielt, getanzt und Theater gespielt. Der Till, der Musikclown, trägt seine rote Nase nicht ständig, ist aber an der schrägen Mütze und den verschiedenfarbigen Socken gut zu erkennen, wenn er die Kinder spielerisch anleitet, in freier Form gemeinsam Theater zu entwickeln.


Alles entwickelt sich peu à peu

Die Kulissen werden im Übrigen selbst gebaut und die Kostüme aus vorhandener Kleidung gezaubert. Er gibt keinen Lernzwang, es werden keine Texte gepaukt, denn nicht das Ergebnis ist wichtig, die sich entwickelnde Gestaltung, das Einbeziehen der gesamten Gruppe, das Gemeinschaftserlebnis steht an erster Stelle. Eine nette Aufführung wird das Projekt am Ende schon hervorbringen, ein Selbstzweck sei das jedoch nicht, meint er. Das bestätigen auch die Betreuerinnen, die über das Kindesalter hinausgewachsen, sich nun ehrenamtlich für die Kindersingwoche engagieren.


Ganze Familienclans kommen

War die erste Ostersingwoche vor mehr als 50 Jahren - mitten im kalten Krieg - in erster Linie eine sudetendeutsche Veranstaltung, ist sie heute ein drei Generationenprojekt. Die Teilnehmer von damals sind inzwischen Großeltern, haben die Begeisterung für das Singen in der Gemeinschaft ihren Kindern mitgegeben und die bringen heute selbst ihre Kinder mit. Ganze Familienclans treffen sich hier, die landsmannschaftliche Ausrichtung ist längst in den Hintergrund getreten. Während die Erwachsenen sich ein konkretes Programm in der Ostersingwoche erarbeitet haben, ist bei den Kindern in erster Linie Spaß und Erlebnis angesagt.


Besser als Nintendo und Handy

Stefanie von Wietersheim kam als Kind vor vielen Jahren erstmals mit ihrer Mutter zur Ostersingwoche. Nun hat sie ihre eigene Tochter mitgebracht. Antonia (13) ist auch schon zum siebten Mal dabei und voller Eifer bei der Gestaltung des Theaters dabei. Sie meint überzeugt: "Das ist viel besser als Nintendo und Handyspiele" und rennt der Gruppe hinterher, die sich im Gelände zum "Mörderspiel" verstreut. Till, der Clown, zuckt die Schultern: "Ich weiß noch nicht, was jetzt wieder passiert".