Wer das Sinfonieorchester Con Brio unter der musikalischen Leitung von Gert Feser zum ersten Mal hört, ist begeistert. Begeistert von der Spielfreude, dem Können der Musiker, der Klangfülle und der professionellen Interpretierung. Begeistert war auch das Bad Kissinger Publikum, als das Ensemble am Freitagabend im Max-Littmann-Saal des Regentenbaues auftrat.
Das Sinfonieorchester "Con Brio" trat im Februar 1989 mit einer fulminanten Aufführung von Milhauds "Le boeuf sur le toit" und Beethovens Eroica in der Würzburger Musikhochschule ins Leben. Seitdem ist die Idee des Orchesters dieselbe geblieben: Gut ausgebildete Laienmusiker, Musikstudenten und ehemalige Profis finden im "Con brio" eine Plattform zum gemeinsamen Musizieren und die Konzerte des Orchesters bereichern das Angebot an sinfonischen Darbietungen in Würzburg und der Region um spannende Facetten. Gert Feser steht an der Spitze des Orchesters seit seiner Gründung im Jahr 1988.


Große Mimik und Gestik

Mit rund 80 Musikern stand das Orchester jetzt auf der Bühne des Bad Kissinger Regentenbaues. Mit Wolfgang Amadeus Mozarts "Sinfonie Nr. 36" C-Dur KV 425 (Linzer Sinfonie) begeisterten die Musiker in kleinerer Besetzung auf Anhieb. Man merkte, dass Dirigent Gert Feser sehr viel Arbeit und Herzblut in dieses Werk investiert und eine Interpretierung herausgearbeitet hatte, die präzise, punktgenau von seinen Musikern umgesetzt wurde. Dabei arbeitete Feser viel mit Mimik und Gestik: Wies mit ernster Mine auf schwierige Passagen hin, um die Musiker anzuspornen, so zeigte er nach gelungener Umsetzung mit einem Lächeln seine Freude darüber. Die Linzer Sinfonie ist ein festliches Musikstück geworden. Schon die langsame, höfische, glänzende und feierliche Einleitung beweist es. Mozart verwendet Trompeten und Pauken sogar im langsamen Satz, verzichtet aber auf Flöten und Klarinetten. Im Finale glaubte man, einen glücklichen Mozart vor sich zu sehen.


Gustav Mahler und der "Titan"

Wer annahm, mit dieser Sinfonie sei der Höhepunkt des Konzertes schon erreicht, wurde nach der Pause eines Besseren belehrt. Es stand noch einiges bevor. Rund 80 Musiker drängten auf die Bühne, um sich der "Sinfonie Nr. 1 in D-Dur" (Titan) von Gustav Mahler zu widmen. Der große Sänger der Sehnsucht, die auf dieser Erde keine Erfüllung finden kann, der Kämpfer um künstlerische Vollkommenheit, die nur in Sternstunden zu erreichen ist, der Tiefgläubige, der die Dogmen verwarf und die Göttlichkeit im Unendlichen, im All und in der menschlichen Seele zu finden suchte - das ist Gustav Mahler.
Die Sinfonie beginnt zukunftsweisend. Mahler bezieht den Raum in die Komposition ein, schafft der Musik durch besondere Klangfarben und die Aufstellung der Musiker räumliche Tiefe. Der zweite Satz mit seinen Landlern und Walzern bildet eine idyllische Zwischenstation, stimmungsmäßig in großer Nähe zu Bruckners Landler-Scherzos.


Ein turbulenter Kehraus

Der dritte Satz ist das erste typische Beispiel Mahlers Collagetechnik. Im vierten Satz springt wie ein Blitz aus der dunklen Wolke der Schlusssatz den Hörer an, greift aber die thematischen Fäden des ersten wieder auf und entwickelt sie weiter und münzt den liedhaften Ton des ersten Satzes um in gewaltigen Steigerungen und Ausbrüchen. Den Schluss bildet ein turbulenter Kehraus. Das Orchester - in allen Registern optimal besetzt und herausragende Solisten in den Solopassagen - zeigte hier nochmals Professionalität durch brillante Umsetzung der sehr kniffligen Konzertliteratur. Ein Glanzpunkt folgte dem anderen und riss das Publikum von den Sitzen.
Mit überaus verdienten, stehenden Ovationen und frenetischem Applaus bedankten sich die Zuhörer für ein außergewöhnliches Konzert, das von Anfang an begeisterte. Einziger Wermutstropfen: Die Musiker hätten die doppelte Menge an Zuhörern verdient. Doch die störte das wenig. Mit einer glanzvollen Zugabe setzten sie dem Konzert ein zusätzliches Sahnehäubchen auf.