"Ganz im Sinne von Jesus", betonte Hella Greif-Markl. Sie war eine von etwa 60 Teilnehmern, die auf dem Marktplatz um brennende Kerzen einen großen Kreis vor dem Rathaus bildeten. "Nein, wir sind keine Aufrührer, sondern folgen dem urchristlichen Gedanken", sagte Greif-Markl. Dass der ehemalige Pfarrer Michael Sell Vater wurde und sein Amt aufgeben musste, sei lediglich der Anlass für diese längst fällige Kirchenbewegung gewesen. Die Zeit habe sich nämlich schon lange geändert. "Jesus würde heute keine Leute wegjagen", meinte Greif-Markl.

Warten auf ein Zeichen


So hätten zum Beispiel auch Geschiedene ein Anrecht auf die vollwertige Kirchengemeinschaft. "Jesus saß auch mit den Zöllnern an einem Tisch", hob Greif-Markl den christlichen Gedanken der Vergebung und Versöhnung hervor. Seine Betroffenheit über die starre Hierarchie der katholischen Amtskirche äußerte Reinhard Beichel über eine Lautsprecheranlage: "Seit drei Jahren warten wir immer noch auf ein Zeichen von unserem Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann."

"Das Donnerstagsgebet wurde aus jenem abgebrochenen Gottesdienst heraus geboren, in dem Sell abberufen wurde und uns ein höherer Vertreter der Amtskirche vor die Nase gesetzt wurde", erinnerte Beichel an die ergebnislose Diskussion von damals. Sicher werde Sell in Gedanken auch an diesem Donnerstagsgebet dabei sein. "Wir sind zeitgemäße Christen und erwarten von der Kirche auch zeitgemäße Inhalte - nicht die bloße Tradition oder das Brauchtum", serklärte Beichel.

Wünsche an die Kirche


"Unser Bischof sollte als guter Hirte seine christliche Vorbildfunktion an den Tag legen", wünschte sich Harald Drescher. Die Kirche solle ein Ort der Menschlichkeit sein und sich nicht den längst fälligen Veränderungen verweigern, forderten die Teilnehmer in ihren Fürbitten. Sie zündeten viele Kerzen in der hereinbrechenden Dunkelheit an.

KiB wünscht sich eine Kirche, die positive Toleranz und zukunftsfähige Eigenschaften ausstrahlt. Nur so könne sie Anziehungskraft auf die Menschen ausüben. Dazu gehöre auch die Offenheit, sich selbst infrage stellen zu lassen. Die Gerechtigkeit der Kirche vor Gott und den Menschen wurde von den Teilnehmern des Donnerstagsgebetes erbeten. Die Kirche solle sich vor übertriebenem Sicherheitsdenken lösen. Mit Flexibilität und Mut zur Veränderung brauche sie die Zukunft nicht zu fürchten.