Ursula Hartmann hilft Menschen, sich in einer fremden Umgebung zurecht zu finden. Menschen, die aus einer anderen Kultur stammen und die eine andere Sprache als deutsch sprechen. "Unsere Arbeit ist der direkte Umgang mit den Flüchtlingen", sagt sie. Hartmann ist Flüchtlingsberaterin bei der Caritas. In der Gemeinschaftsunterkunft der unterfränkischen Regierung in Münnerstadt betreut sie mehr als 100 Flüchtlinge aus acht Nationen. "Wir helfen ihnen beim Ankommen in Deutschland, beim Ankommen in den Gemeinden", erklärt sie.

Flüchtlingsberater erklären, wie die deutsche Bürokratie funktioniert, helfen bei Behördengängen, verschaffen Asylbewerberkindern Schul- und Kindergartenplätze und beraten beim Asylverfahren. Hartmann: "Wir erklären wer wo für was zuständig ist."

Caritas baut Angebot aus

Die Caritas ist im Landkreis Bad Kissingen seit 1988 für die soziale Betreuung der Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung von Unterfranken zuständig. Vier Mitarbeiter kümmern sich an vier Standorten um rund 330 Flüchtlinge. Doch das reicht angesichts der aktuellen Entwicklung nicht mehr aus. Die Caritas wird ab Dezember peu à peu auch die dezentralen Unterkünfte mitbetreuen. "Wir steigen definitiv zum 1. Dezember ein. Wir übernehmen das gerne", sagt Daniel Schäfner, stellvertretender Geschäftsführer des Caritas Kreisverbandes Bad Kissingen.

Nach Angaben von Stefan Seufert, Asylkoordinator am Landratsamt Bad Kissingen, kommen jede Woche 20 neue Asylbewerber im Landkreis an. Die vier Gemeinschaftsunterkünfte der unterfränkischen Regierung sind seit Monaten voll. Deshalb werden die Menschen in dezentralen Unterkünften untergebracht, beispielsweise in leerstehenden Gasthäusern und Pensionen. Acht dezentrale Unterkünfte sind aktuell belegt, weitere folgen. "Derzeit leben insgesamt etwa 450 Flüchtlinge im Landkreis", sagt Seufert.

Fachkräftesorgen

Bislang wird die Sozialberatung in den dezentralen Unterkünften durch Mitarbeiter des Landratsamtes zusätzlich zum normalen Tagesgeschäft gewährleistet. Nur in Wernarz und Schondra ist mit Daniela Schad schon seit längerem eine Flüchtlingsberaterin der Caritas vor Ort. "Das Landratsamt ist auf die Beratung nicht ausgelegt, die Mitarbeiter haben da auch nicht die Erfahrung", sagt Daniel Schäfner. Es sei insofern sinnvoll, dass das Landratsamt die Caritas mit der Flüchtlingsberatung beauftragt hat.

Die Caritas hat infolgedessen neue Stellen als Flüchtlingsberater ausgeschrieben. Allerdings hat die Einrichtung Probleme die Stellen zu besetzen. "Momentan scheitert es am Personal", sagt Schäfner. Es sei schwierig gut qualifizierte Sozialpädagogen zu finden. Die aber braucht die Caritas, denn der Freistaat übernimmt die Personalkosten zu rund 70 Prozent nur, wenn die Beratung von Fachkräften geleistet wird. Die übrigen Personalkosten trägt der Diözesanverband der Caritas.

Die Caritas steigt schrittweise in die Beratung der dezentralen Unterkünfte ein und stockt nach und nach auf. Für Dezember hat Schäfner eine Teilzeitstelle angekündigt, im Januar und Februar folgen zwei Vollzeitkräfte. Wo sie eingesetzt werden, wird mit dem Landratsamt abgestimmt. Laut Verteilungsschlüssel ist ein in Vollzeit tätiger Flüchtlingsberater für 150 dezentral untergebrachte Asylbewerber in verantwortlich. Das heißt, dass Schäfner rein rechnerisch bei den gegenwärtigen Flüchtlingszahlen alle sechs Wochen einen neuen Betreuer einstellen muss. Das wäre eine Herausforderung, der sich die Caritas aber gewachsen sieht. "Wir können alles stemmen, wenn wir geeignetes Personal finden", versichert Schäfner.

Hoher Druck auf Berater

Einfach wird es jedenfalls nicht, findet Ursula Hartmann. Der Betreuungsschlüssel setzt die Flüchtlingsberater unter Druck. "Es ist schwierig, weil es zum Teil recht lange Fahrtwege zwischen den Unterkünften gibt", erklärt sie. Durch lange Autofahrten geht den Beratern Zeit verloren, die sie eigentlich für die Menschen benötigten. Hartmann erklärt: "Es ist am Anfang zuerst einmal viel Beziehungsarbeit, die wir leisten." Die Berater müssten feinfühlig auf die Flüchtlinge eingehen. Viele seien durch ihre Erfahrungen traumatisiert und bräuchten eine enge psychotherapeutische Betreuung. Sie sind auf jede Minute angewiesen, die die Berater für sie haben.


Flüchtlingsunterkünfte im Landkreis Bad Kissingen

GU Die Gemeinschaftsunterkünfte werden von der Regierung von Unterfranken betrieben. Im Landkreis gibt es vier GU`s, die in Hammelburg, Volkers, Ebenhausen und Münnerstadt unterberacht sind. Kapazität: Rund 330 Flüchtlinge.

DU Dezentrale Unterkünfte werden vom Landratsamt angemietet. Es handelt sich um leerstehende Immobilien, die jetzt als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden. Bisher gibt es dezentrale Unterkünfte in folgenden Gemeinden und Ortsteilen: Wernarz, Schondra, Bad Bocklet, Euerdorf, Hammelburg und Haard. Kapazität: Rund 120 Flüchtlinge. Ab Dezember wird die nächste Unterkunft in Garitz belegt.