Es waren 9573 Schritte, sagt der Zähler auf dem Handy. Vielleicht waren es auch ein paar mehr. Jeder der 46 Musikanten der Bläservereinigung Burkardroth hat sie am Sonntag in München zurückgelegt. Aber nicht einfach so, sondern musizierend, im Gleichschritt, in Reih und Glied, auch um die Kurven.

Die Schritte führten vom Haus in der Widenmayerstraße 11, Balkon links, bis zum Festzelt der Fischer Vroni auf der Theresienwiese. Sieben lange Kilometer lagen dazwischen. Doch die Bläser haben sie mit Bravour bewältigt, trotz Blasen und Krämpfen, trotz andauerndem Nieselregen, der mal stärker und mal schwächer fiel. Denn sie waren mit der Nummer 26 Teil des diesjährigen Trachten- und Schützenzuges, der sich am Sonntagvormittag durch die Bayerische Landeshauptstadt schlängelte.

Mit vielen "Ahs und Ohs" wurde der kraftvolle Klang des Orchesters, der durch die Münchner Häuserschluchten tönte, von den Zuschauern bedacht. Allerdings fehlte der große Jubel am Straßenrand, was wohl dem regnerischen Wetter geschuldet war. Die Bläser ließen sich davon nicht beirren. Sie gaben erst recht ihr Bestes, spielten allein den Frankenlied-Marsch sechs Mal hintereinander ohne Pause. "Die Zuschauer haben gemerkt: Huh, da kommt was", beschreibt Annika Kirchner, wie sie den Auftritt empfunden hat.


Mehr als eine Buchung

Die 20-Jährige Schülerin, die auch Mitglied im Bläser-Vorstand ist, spielt Klarinette und hat sich um die Anmeldeformalitäten der Reise nach München gekümmert. Dabei handelt es sich keineswegs um eine einfache Buchung. Im Gegenteil. Zunächst muss man sich um eine Teilnahme am Festumzug bewerben, und nach der Zusage der Wiesn-Organisatoren wartet harte Arbeit.

Zahlreiche Marschproben haben die rund 50 aktiven Musiker der Bläservereinigung unter Leitung ihrer neuen Dirigentin Manuela Möller in den vergangenen Wochen absolviert. Die letzte fand im Wohngebiet Am Kirchberg in Burkardroth statt. Hinzu kamen etliche gemeinsame Musikproben und auch Trainingseinheiten zu Hause. Schließlich wollten sich die Bläser in München von der besten Seite zeigen. Das hat letztlich super geklappt - nicht nur beim Zug, sondern später auch im Festzelt.

Dort wurde sich zunächst - traditionell bei Bier und Hendl - gestärkt, und auch so manche Blase am Fuß versorgt. Anschließend dauerte es nicht lange, und die ersten Bekanntschaften entstanden, nicht nur mit anderen Trachten- und Musikgruppen, sondern auch mit Sepp Folger und seinen Wiesn-Musikanten. Der Münchner und sein Team sorgen schon seit über 25 Jahren für den musikalischen Rahmen im Festzelt der Fischer Vroni. Am Sonntag bekamen sie nun Unterstützung aus Burkardroth - und auch ein wenig Konkurrenz.

So stimmten die Musiker der Bläservereinigung spontan mit ein, als der "Böhmische Traum" oder die "Vogelwiese" erklangen. Für drei Maß Bier, die Trompeter Konrad Straub spendierte, durfte Dirigentin Manuela Möller selbst den Taktstock schwingen und Folgers Musikanten im Duett mit den Burkardrothern dirigieren.


Die Herzen erobert

Als Höhepunkt des Tages gestaltete sich eine Pause der Festzelt-Musiker. In dieser griffen die Bläser zu ihren Instrumenten und rockten - im wahrsten Sinne des Wortes - das Festzelt. Mit dem Frankenliedmarsch und dem "Gruß aus Würzburg" eroberten sie nicht nur die Herzen der anwesenden Franken, sondern aller. Es wurde geklatscht und gejubelt, was das Zeug hielt. Daraufhin hatte das Sicherheitspersonal gut zu tun, die Leute wieder von den Bänken zu holen. Denn auf ihnen darf man eigentlich erst ab 17 Uhr stehen.

Als es am Schönsten war, zogen die Burkardrother davon, um ihre Heimreise anzutreten. Zunächst begleiteten die Sicherheitsleute die formierten Musikanten durchs Festzelt hinaus. Dort übernahm Schildträger Jan Katzenberger das Kommando und sorgte mit Rufen: "Machen Sie Platz für die Bläservereinigung aus Burkardroth" für freie Bahn. Die Wiesn-Besucher ließen sich das nicht zweimal sagen und gingen selbstverständlich zur Seite. Viele zückten die Handys, andere applaudierten, als die Bläser mit ihrem Frankenlied-Marsch vom Festgelände an der Theresienwiese zogen.


Gutes Gemeinschaftsgefühl

"Es war gut, bis auf den Regen", schildert Hannah Hartmann ihre Eindrücke vom Wiesn-Ausflug. Die Zwölfjährige war die jüngste Musikerin der Burkardrother Bläser und hat den Tag ebenso wie ihre Mitstreiter genossen. "Ich habe aber eine Maß Apfelsaftschorle getrunken", erzählt das Mädchen aus Frauenroth. Organisatorin Annika Kirchner hat am besten das Gemeinschaftsgefühl der Truppe gefallen. "Wir haben zusammen musiziert und zusammen gefeiert. Das war das Beste", sagte sie.

Auch Dirigentin Manuela Möller war voll des Lobes: "Es hat alles funktioniert. Unsere Kurven waren die Besten", fasste sie ihre Eindrücke zusammen und fügte hinzu: "Das Frankenlied kennt jetzt jeder."