So harmonisch hat selten eine Bürgerinitiative Unterschriften übergeben. "Wir wollten nicht mit Fahnen und Transparenten auflaufen", stellte Ortsreferent Gerhard Fischer (Freie Wählergemeinschaft) klar. Nur er und der Sprecher der Bürgerinitiative Eltingshausen, Andreas Kukuk, kamen ins Landratsamt. "Wir nutzen das demokratische Recht aus, aber wir überspannen es nicht", sagte auch Kukuk, als er Landrat Thomas Bold (CSU) die Mappe mit den 548 Unterschriften in die Hand drückte.

Nicht militant, sondern sachlich

"Die Bürgerinitiative ist nicht etwa militant, sondern engagiert sich sehr sachlich", lobt auch der Oerlenbacher Bürgermeister Siegfried Erhard (ebenfalls CSU) die Sprecher. Beide, Bold und Erhard, stellten sich auch inhaltlich hinter das Anliegen der Bürger: "Sie haben da in mir einen Mitstreiter", forderte auch Bold eine Umgehungsstraße. Der Landrat war deshalb auch nicht Empfänger, sondern nur Bote: "Wir bitten Sie, unsere Forderung mit Ihrer Kraft als Landrat zu untermauern."
Eigentlicher Adressat ist Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU). "Ich habe schon um einen Gesprächstermin gebeten, da soll dann auch die Bundesfernstraßen-Verwaltung mit am Tisch sein", berichtete Bold. Einen Tag vorher, am Mittwochabend, habe er auch bereits Kontakte geküpft: Bei der Verkehrsfreigabe der Autobahnbrücke übers Sinntal habe er unter anderem Reinhard Pirner, den Präsidenten der Autobahndirektion Nordbayern, angesprochen. "Die Situation rund um Eltingshausen ist durchaus bekannt", betonte Bold.
Im August 2012 wurden in einer Woche 35 000 Fahrzeuge gezählt, darunter alleine rund 4000 Lkw. "Wer soll noch in den Ortskern ziehen, wenn unmittelbar vor dem Fenster die Laster vorbeirauschen", macht sich Kukuk Sorgen um die Dorfgemeinschaft. Das sieht offenbar auch die Mehrheit der rund 900 Einwohner so: "Wir haben uns den Rückhalt der Bevölkerung geholt", kommentiert der Sprecher der Bürgerinitiative die stolze Zahl von 548 Unterschriften, die zwar nicht alle, aber zu einem großen Teil aus dem Ort kommen. "Das ist ein eindeutiges Meinungsbild", sagt der Oerlenbacher Bürgermeister.

Kreis springt in die Presche

Das Problem ist nicht neu: "Seit ich 1978 im Gemeinderat bin, ist klar, dass da was passieren muss", berichtet etwa Siegfried Erhard. "Die Situation ist für Eltingshausen und Oerlenbach absolut untragbar", sagt auch Bold. "Das Problem ist, dass die Straße nicht ins Verkehrsprojekt Deutsche Einheit aufgenommen wurde." Sonst wäre es bereits erledigt. Zudem habe es auch eine fertige Planung gegeben, die aber durch den Einwand des Bundesrechnungshofes wieder hinfällig wurde. Bold: "Das ist wirklich dumm gelaufen."
Deshalb will der Landkreis nun in die Presche springen: Die Idee ist, dass der Kreis eine neue Kreisstraße baut und diese später als Bundesstraße übernommen wird. "Die Planung ist fertig", berichtete Bold. Knackpunkt ist wie immer das Geld: An die sechs Millionen Euro würde das Kosten. "Da kommen wir mit der normalen Förderung nicht hin", schränkte Bold ein, dass mit 45 Prozent Zuschuss nicht gebaut werde. Mindestens 80 Prozent erhoffe er sich, denn: "Die Problematik ist vom Bund ausgelöst worden und müsste deshalb auch vom Bund gelöst werden." Andererseits sei klar, dass die Umgehung dann, wenn der Bund selbst baue, erst in zehn Jahre komme.