Dabei hat das Bad Kissinger Kurtheater eine lange Vorgeschichte. Zur Förderung des Kurbetriebs hat Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim, der sein Fürstbistum jedes Jahr etwa einen Monat von der Oberen Saline in Hausen aus regierte, 1778 in der "Burg" ein Kurtheater gegründet. Mit "Burg" war nicht etwa die Burg Botenlaube gemeint, sondern das Viertel zwischen heutigem Amtsgericht und Landratsamt. Heute ist dort ein Parkplatz.
Dieses Theater bestand jedoch nur ein Jahr. Nach dem Tod von Seinsheim anno 1779 schloss sein sittenstrenger Nachfolger Franz Ludwig von Erthal das Haus sofort. In den napoleonischen Kriegen und danach hatte man andere Sorgen.
Im Jahr 1830 unternahm die Stadt Kissingen den Versuch, ein eigenes Theater zu bauen. Die Planung übernahm der Leiter der für Kissingen zuständigen Bauinspektion Münnerstadt, Friedrich Donlé. Seine Planung wurde vom Kunstausschuss der Obersten Baubehörde in München in der Luft zerrissen, obwohl die Planung nach Ansicht des aus Bad Brückenau stammenden Denkmalpflegers Ewald Wegner (†) fortschrittlich geplant war. Das Theater hätte an der Ecke Ludwigstraße/Brunnengasse (heute "Haus Beyersdörfer") gestanden, wobei der Planer den alten Stadtgraben für den Orchestergraben nutzen wollte. Die Stadt gab nach der Ohrfeige aus München ihr Vorhaben auf und hatte sich damit für Jahrhunderte eine Defizitquelle erspart.


Nicht verwirklicht

Auch König Ludwig I. war an einem Kurtheater interessiert. Sein Stararchitekt Friedrich von Gärtner plante in seinem Auftrag 1834 ein Theater, dessen Grundstein am Geburtstag von Königin Therese 1835 gelegt werden sollte. Als Standort war das Gelände der 1. Kurgärtnerei nördlich des Kurhaus-Hotels vorgesehen, noch bis zum Abbruch in diesem Jahr mit der Staatlichen Kurverwaltung bebaut. Der Neubau des Krugmagazins, einer Gewinn abwerfenden Einrichtung, hatte jedoch Vorrang.


Privatbühnen

Danach versuchte man sich 30 Jahre lang mit Privatbühnen, die alle auf keinen "grünen Zweig" kamen. Ein Theater machte Bankrott, die anderen mussten nach Ende der Spielzeit um einen "Nachschlag" betteln. Gespielt wurde in "Hirschheims Garten", dessen Inhaber Franz Hirschheim ein kleines Theater bei seinem Gasthaus errichtet hatte, später "Schweizerhaus" genannt.


Der Staat greift ein

1854 beschloss der Staat, ein eigenes Theater zu errichten, und zwar an der Ausfallstraße nach Münnerstadt an dem Platz mit dem Ölberg als Beginn des Stationswegs. Planer war der Würzburger Stadtbaumeister Joseph Scherpf. Das Theater im "Schweizerhaus-Stil" wurde aus Holz gebaut und am 25. Mai 1856 ohne Teilnahme aus dem Königshaus eröffnet. Werner Eberth kann belegen, dass Herzog Max in Bayern, der Vater der österreichischen Kaiserin Elisabeth, inkognito als "Graf Banz" teilgenommen und vielleicht sogar als Einlage Zither gespielt hat.
Schon in der Zeit der Privatbühnen und auch als Chef des neuen Staatstheaters hatte sich der in Kissingen geborene Theaterdirektor Anton Bömly einen Namen gemacht.


Kooperation mit Würzburg

1871 unternahm der Staat einen erfolgreichen Schachzug. Er übertrug die Bespielung des Kurtheaters dem Stadttheater Würzburg, das damals nur im Winter spielte. Mit den Sommerspielen in Kissingen konnte der Würzburger Theaterdirektor Eduard Reimann seinen Spielbetrieb optimieren. Als er 1898 plötzlich verstarb, übernahm sein Sohn Otto den Betrieb, der bis zu seinem Ausscheiden 1941 das Kurtheater Bad Kissingen auf höchstes Niveau brachte. Jeder Theatererfolg - vor allem in Wien - war nach einem halben Jahr auf der Bühne des Kurtheaters zu sehen, manche Stücke wurden dutzendmal wiederholt. Dies auch schon in dem Theatertempel aus Holz.
Otto Reimann sprach 1904 den Schlussprolog im alten Theater, das dann abgebrochen wurde. Damit schließt auch der 1. Band der Theatergeschichte von Bad Kissingen.
VerfasserWerner Eberth kann erstmals die Theaterbaupläne von 1830 und 1834 aus Würzburger und Münchner Archiven vorstellen, ebenso eine Fotoserie vom Abbruch 1904/05.
Das Buch umfasst 180 Seiten und hat 98 Abbildungen, davon zwölf in Farbe. Es ist für 20 Euro in der Infostelle im Alten Rathaus und bei Fernseh-Müller in Hausen erhältlich.