"Wir wissen, was Sie leisten und wir betrachten Sie als Botschafter für unser Land!" Überzeugt und überzeugend vermittelte stellvertretender Landrat Emil Müller den Dank des Landkreises an die fast 60 ehrenamtlichen Helfer aus Bad Bocklet, Münnerstadt, Nüdlingen, Stangenroth, Waldfenster und Oerlenbach, die der Einladung zu einer kleinen Feier in den Kursaal nach Bad Bocklet nachgekommen waren.


Keine Brennpunkte entstanden

Frühzeitig hat das Landratsamt eine funktionierende Organisationsstruktur geschaffen, die die hauptamtlich Beauftragten des Amtes, Bürgermeister, karitative Einrichtungen und ehrenamtliche Helferkreise zusammenbringt und vernetzt. Auch die dezentrale Unterbringung im Landkreis auch in kleinen Gemeinden, hat dazu geführt, dass keine Brennpunkte entstanden sind und die Unterbringung bislang noch ohne nennenswerte Probleme bewältigt werden kann, berichtete Emil Müller.


1300 Asylsuchende im Kreis

Für die Bürgermeister der Orte mit Flüchtlingseinrichtungen dankte Holger Tillmann aus Bad Bocklet den Helfern für die menschliche Zuneigung, die sie den Fremden entgegenbringen und hoffte auf viel Kraft und Durchhaltevermögen bei den Flüchtlingen.


Aus den Fehlern lernen

"Rund 1300 Asylsuchende müssen derzeit, in Not-, Gemeinschafts- und dezentralen Unterkünften versorgt werden", berichtet Stefan Seufert, der Integrationsbeauftragte des Landkreises. "Es gehört zu unserem Verständnis, dass die Flüchtlinge nicht nur untergebracht, sondern auch betreut werden", führte Seufert aus. "Ohne Ihre freiwillige Unterstützung ist diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung nicht zu schaffen", lobte Seufert das Engagement. "Wir wollen aus den Fehlern, die in den beiden Flüchtlingswellen der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland gemacht wurden, lernen", versprach er: "Integration ist die große Herausforderung, vor der wir stehen." Der Landkreis werde deshalb das Ehrenamt weiter vernetzen und stellt für die Ehrenamtskoordination weitere Mittel zur Verfügung.


Deutsch ja, Fahrrad nein

In der Diskussion war dann Seuferts großer Wissensspeicher rund um die Themen Asylantrag, Bleiberecht Abschiebung und Integration gefragt. Er konnte nicht all die kleinen und größeren Probleme der Helfer-kreise lösen, musste oft auf Gesetze, Verordnungen und unzureichende Personalausstattung der Asylbehörden hinweisen, hatte aber viele Anregungen und Beispiele parat, wie wertvoll sich jegliches Engagement für Zuwanderer auswirkt.

Eindringlich wies er auf die Notwendigkeit hin, nicht nachzulassen, den Flüchtlingen Deutschkenntnisse zu vermitteln. Er warnte aber auch vor manch gut gemeinter Unterstützung, die Probleme nach sich zieht. "Auf dem Wunschzettel der Jugendlichen steht das Fahrrad ganz oben", warnte Seufert. Aber sie kennen unsere Verkehrsregeln nicht, sind deshalb überdurchschnittlich oft in Unfälle verwickelt, wie die Polizei feststellt. Sie tragen keinen Helm, und so berichten Ärzte von schlimmen Verletzungen.


Erfahrungsaustausch ganz oben

Der wertvolle Erfahrungs- und Wissensaustausch war den Helfern neue Motivation für ihr soziales Engagement. So auch für Walter Kuhn aus Burkardroth. Schon vor 25 Jahren in einem internationalen Arbeitskreis tätig, war er einer der Organisatoren des Helferkreises in Waldfenster und gibt seither fast täglich auf abwechslungsreiche Art Deutschunterricht. "Es ist eine tolle Erfahrung, Menschen zu helfen", meinte er, berichtete aber auch von schmerzlichen Erfahrungen, wenn liebgewonnene Fremde wieder abgeschoben werden. Mit manchen ist er noch über Mailkontakte verbunden.