"Bläsermusik im Gottesdienst" ist eine Nische für Kirchenmusiker, bestenfalls für eingefleischte Liebhaber dieser Stilrichtung - sollte man meinen. Doch das ist nur eine Seite. Denn auch die Literatur in der geistlichen Musik ist nicht auf dem Stand der Gregorianischen Choräle stehen geblieben.

Liturgische Musikbegleitung vom Barock bis in die Moderne war das Thema eines Abendkonzerts in der Klosterkirche Altstadt. Am Sonntagnachmittag in einem Halbtagesseminar an der Bayerischen Musikakademie eingearbeitet, präsentierten 29 Musiker das Erworbene in einer direkt folgenden Präsentation - und lockten damit rund 70 Zuhörer.

Insider wissen, dass zur passenden liturgischen Begleitung in Gottesdiensten und bei besonderen, kirchlichen Anlässen - wie beispielsweise der Erstkommunion - alle vier Jahre ein Zwei-Tage-Seminar auf dem Volkersberg besucht werden kann. "Aber vier Jahre sind eine lange Zeit, in der viel neue, einschlägige Literatur erscheint", räumt der Künstlerische Leiter der Musikakademie, Kuno Holzheimer ein, der gemeinsam mit Karl-Heinz Sauer, dem Bläserreferenten des Bistums Würzburg, das Seminar leitete.

Weit gereiste Musiker


Deshalb gelte es zu ergänzen und "Brücken zwischen den Zeitabschnitten zu bauen", eben die Halbtagesseminare am Schlossberg, die allerdings nur an Sonntagen möglich sind. Dazu reisten diesmal Musiker von Lohr bis nach Haßfurt und von Ramsthal bis nach Goldbach an.

Bläserreferent Sauer selektierte bereits im Vorfeld, was liturgisch verwendet werden kann, was zu welchem Zweck passt. So ist zum Beispiel das festlich-wuchtige "Te Deum" ein passendes Intro für viele Anlässe - so auch für das Geistliche Abendkonzert in der Barockkirche Altstadt. War es doch schon das bevorzugte Werk für Kaiser- und Königskrönungen.

Etwas erstaunt dürften die Zuhörer gewesen sein, als ihnen danach "Der Mond ist aufgegangen" in der Version von Jan de Haan alias Alfred Bösendorfer an das Ohr drang. Die von Matthias Claudius stammende, eigentliche geistliche Komposition, die sich bald in das Volksliedgut eingliederte, liegt dem Vernehmen nach auch bei Chören im Trend. Es eignete sich zudem hervorragend für zahlreiche Variationen und Improvisationen an der Orgel, die Stadkantor Dieter Blum präsentierte. "Das Stück wird sogar in das neue Gotteslob aufgenommen", informierte Dirigent Holzheimer.

Poppig wird geistlich


Beethovens "Allegretto" und Max Regers "Nachtlied" haben längst Einzug in die geistliche Musik gehalten und Caccinis Lied "Ave Maria" sowieso. "The young Amadeus" mutete vom Titel etwas Poppig an, entpuppte sich aber als das Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart in der Bearbeitung von Jan de Haan. Ein weiteres, gemeinsames Lied, "Maria hilf‘ uns allen" ist noch relativ unbekannt. Das Besondere daran ist der Verfasser und Texter, Erich Weber, der ehemalige Dirigent der Gauaschacher Musikanten.

"In der kurzen Einarbeitungszeit von nur gut drei Stunden ist es wichtig, dass ein Stück möglichst schnell umsetzbar ist. Zu beachten ist bei solchen Seminaren auch der Schwierigkeitsgrad denn die Musik sollte für die Akteure leicht spielbar sein", unterstreich Kuno Holzheimer. Die Besetzung des Orchesters war ausgewogen und allen Teilnehmern war die Freude ins Gesicht geschrieben", fügte der Dirigent hinzu, der auch ein positives Feedback bei den Zuhörern feststellte. Sein Kommentar zum Konzert: "Es hat sehr gut geklappt".