Nach außen hat sich im Fall Laudenbach in den vergangenen Monaten eigentlich nicht viel getan. Der frühere Oberbürgermeister von Bad Kissingen sitzt seit August in Untersuchungshaft. Die bisherigen Versuche seines Anwalts, ihn auf freien Fuß zu bekommen, waren nicht erfolgreich. Die nach sechs Monaten gesetzlich vorgeschriebene erneute Überprüfung der U-Haft läuft. Sie ist aber noch nicht abgeschlossen.
Dennoch hält der Vorgang Bad Kissingen in Atem. Vor einigen Wochen erhob die Staatsanwaltschaft Würzburg förmlich Anklage zur Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Würzburg gegen Laudenbach. Aktuell kursieren in der Kurstadt sogar Gerüchte, es seien weitere Anklagen erhoben worden. Betroffen seien zwei Personen aus Laudenbachs früherem Umkreis in Bad Kissingen. Doch diese Gerüchte halten der Überprüfung nicht stand. Wie Frank Gosselke am Freitag für die Staatsanwaltschaft erklärte, gibt es in dem Verfahren außer der gegen Karl Heinz Laudenbach bislang keine weiteren Anklagen.
Wie berichtet, erstreckten sich die Ermittlungen in dem Vorgang um den Verkauf von Fürstenhof und Schweizerhaus im Jahre 2008 zunächst auch auf sieben weitere Personen. Als die Staatsanwaltschaft Anfang Februar offiziell mitteilte, dass sie Anklage gegen Laudenbach erhebt, hieß es, in zwei der weiteren sieben Fälle seien die Ermittlungen inzwischen eingestellt worden. Bei den fünf anderen war noch keine Anklage in Sicht.
Zur Last gelegt wird dem ehemaligen Polizeidirektor Vorteilsnahme. Laudenbach soll laut Staatsanwaltschaft Würzburg "für die in seiner Funktion als Oberbürgermeister getätigte Vermittlung des im Jahr 2008 erfolgten Verkaufs der Immobilien Fürstenhof und Schweizerhaus in Bad Kissingen" an eine Schweizer Gesellschaft Zahlungen von insgesamt 434 000 Euro entgegengenommen haben. In diesem Zusammenhang wird ihm auch Steuerhinterziehung vorgehalten.

"Keine Provisionen"

Überraschend hat sich in der Angelegenheit jetzt auch der Anwalt Rainer Rothmund zu Wort gemeldet, der mit Kollegen in Schweinfurt die Kanzlei RSCW betreibt. In seinem Schreiben an die Presse heißt es, die von seiner Kanzlei vertretene Fürstenhof SA sei in dem Vorgang anfangs am Rande "zu Unrecht in Verdacht" geraten.
Das in der Schweiz ansässige Unternehmen russischer Investoren, das, wie mehrfach berichtet, Fürstenhof und Schweizerhaus gekauft hat, um dort ein Luxus-Hotel zu schaffen, bedauere, "mit den gegen andere Personen geführten Ermittlungsverfahren in Verbindung gebracht worden zu sein". Es lasse durch ihn klarstellen, dass es "für den Erwerb der Grundstücke keine Provision zahlte".
Für die Staatsanwaltschaft Würzburg bestätigte Frank Gosselke das zum Teil.
Die Fürstenhof SA sei nicht die Stelle gewesen, erklärte er auf Anfrage, "von der das Geld unmittelbar an Laudenbach" geflossen sei. Dabei habe es sich um ein anderes Unternehmen gehandelt, das seinen Sitz in dem zentralamerikanischen Staat Belize habe, dem früheren Britisch-Honduras. Das Bankkonto, von dem aus laut Staatsanwaltschaft Geld an Laudenbach geflossen sein soll, war auf Zypern angesiedelt.
Bemerkenswert ist übrigens, dass mit Michael Schulze ein Anwalt aus derselben Kanzlei wie Rainer Rothmund Rechtsbeistand von Karl Heinz Laudenbach ist. Rothmund erklärte auf Nachfrage dazu, ein Fall von Interessenkollision liege deshalb aber nicht vor. Die Fürstenhof SA vertrete er schon, seit es sie in Bad Kissingen gibt. Als die strafrechtliche Vertretung Laudenbachs in der Kanzlei hinzukam, habe man die Dinge von Anfang an penibel auseinandergehalten.
Die Bundesrechtsanwaltsordnung und die Berufsordnung der Rechtsanwälte verbieten Anwälten grundsätzlich in einem Sachverhalt für Parteien mit gegenläufigen Interessen tätig zu werden. Diese gelte auch innerhalb von Sozietäten und Bürogemeinschaften. Es liege aber dann "keine Vertretung widerstreitender Interessen vor", heißt es etwa bei der Rechtsanwaltskammer München, wenn sich die betroffenen Mandanten "mit der Vertretung ausdrücklich einverstanden erklärt haben".
Zum ursprünglichen Verdacht gegen die Fürstenhof SA erklärte Rothmund, diese Dinge gegen mögliche Beteiligte der Fürstenhof SA seien eingestellt worden.