Matthias Dorn denkt in großen Dimensionen: Als Betriebsleiter der Kreis-Mülldeponie Wirmsthal ist er für ein Volumen von 4,1 Millionen Kubikmeter zuständig. Um den nächsten Bauabschnitt dort abzudichten, wurden 4000 Kubikmeter Beton verarbeitet und 6000 Quadratmeter Filigranplatten verbaut. Und um den nächsten Bauabschnitt vorzubereiten werden erst einmal je 9000 Kubikmeter loses Gestein weggeräumt und Fels gesprengt.
"Wir investieren heuer sechs Millionen Euro", berichtet Manfred Gerlach, Vorstand des landkreiseigenen Kommunalunternehmens (KU). Grundlage für diese Investition ist die neue Planungssicherheit: "Wir haben die unterfränkische Verbundlösung bis zum Jahr 2029 verlängert." Im Jahr 2002 hatte sich der Landkreis Bad Kissingen mit den beiden Müll-Verbrennungsanlagen in Schweinfurt und Würzburg geeinigt. Der wesentliche Inhalt: Die Anlagen nehmen je zur Hälfte die rund 18 000 Tonnen Hausmüll, die pro Jahr im Kreis anfallen, der Kreis lagert im Gegenzug die gesamte Schlacke aus Schweinfurt (rund 48 000 Tonne im Jahr) sowie 26 000 Tonnen im Jahr aus Würzburg ein.


Ursprünglich nur bis 2018

"Ursprünglich war der Vertrag bis 2018 angelegt", berichtet Gerlach, und: "Durch die neue Rechtsgrundlage hat sich auch unsere Verfüllstrategie geändert." 1,8 Millionen Tonnen sind aktuell in der Kreis-Mülldeponie eingelagert: Ab 1991 wurde zunächst Hausmüll abgeladen, seit 2005 muss alles Brennbare "thermisch verwertet" werden. Seitdem wird deshalb fast ausschließlich Schlacke eingelagert. Lediglich spezielle Stoffe wie Asbestplatten oder Mineralwolle - jeweils sorgfältig verpackt - werden unter die Schlacke gemischt.
"Ohne diesen Vertrag hätten wir die Deponie nicht wirtschaftlich betreiben können", sagt Gerlach in der Rückschau über die Zusammenarbeit mit den Verbrennungsanlagen in Schweinfurt und Würzburg. Jetzt stehe fest, dass mindestens bis zum Jahr 2029 im jetzigen Tempo eingelagert werden kann. Für rund 2,3 Millionen Kubikmeter ist nach aktueller Rechtslage noch Platz in der Deponie. Allerdings soll am Ende für die Landkreis-Bürger auf alle Fälle ein Restvolumen von mindestens 200 000 Kubikmetern frei gehalten werden.


100 Millionen Euro investiert

"Wir knacken heuer die Grenze von 100 Millionen Euro bei den Investitionen - ohne Betriebskosten", berichtet Gerlach. Bis zum Endausbau müssten noch 30 Millionen Euro investiert werden, schätzt der Vorstand. Aber: "Der Landkreis-Bürger zahlt schon lange nichts mehr an der Deponie", stellt Gerlach klar. Zudem müsse das KU an die Zukunft decken: "Für die Nachsorge müssen wir Rückstellungen in Höhe von mindestens 50 Millionen Euro bilden." Gerlach schätzt, dass etwa die Sickerwasseraufbereitung noch 100 Jahre lang notwendig sein wird. Aktuell wird dafür eine neue Anlage gebaut, die alleine 2,5 Millionen Euro kostet. Die zehn Millionen D-Mark teure Pilotanlage steht neben dem Betriebsgebäude auf dem Scheinberg, dorthin müssen alle Sickerwässer aufwändig gepumpt werden, bis zu vier Mal am Tag fahren Lkw das vorgereinigte Wasser zur Bad Kissinger Kläranlage. Die neue Anlage steht in Richtung Arnshausen, ab dem Sommer könne alles im freien Gefälle fließen.
Wegen der Rückstellungen hat das Kommunalunternehmen jede Menge Geld auf der "hohen Kante". Deshalb ist heuer unter anderem vorgesehen, dass das KU dem Landkreis einen Kredit von 2,2 Millionen Euro gewährt, den der Kreis wiederum an die kreiseigene Carl-von-Heß'sche-Sozialstiftung weitergibt. Zudem hat das KU im Auftrag des Landkreises auch das Gebäude des Vermessungsamts in unmittelbarer Nachbarschaft des Landratsamtes gekauft. Die Behörde soll Mitte 2017 ins Luitpoldbad einziehen. Voraussichtlich ab Ende 2017 sollen die 24 Mitarbeiter des KU umziehen, weitere Büros werden ans Landratsamt vermietet.

Die Kreis-Mülldeponie oberhalb von Wirmsthal ist der Hauptumschlagsplatz für den Müll des Landkreises: Alles außer dem Inhalt der Gelben Säcke wird dort ent- und verladen. "Über unsere Waagen gehen mehr als 200 000 Tonnen im Jahr", erzählt Andreas Sandwall den staunenden Schülern der Grundschule Oberleichtersbach. Der Verwaltungsleiter des Kommunalunternehmens (KU) ist staatlich geprüfter Umweltschutztechniker. "Die Führungen sind auch für mich mal eine Abwechslung", sagt er über die erlebnisreiche "Tour de Müll". Und: "Man kann den Kindern hier vor Ort viel vermitteln."


Fester Termin für die 4. Klassen

"Ich mache das immer, wenn ich eine 4. Klasse habe", sagt Lehrerin Irmgard Heinemann. Also im Normalfall alle zwei Jahre. Im Unterricht werde zunächst rund vier Wochen über Mülltrennung und den Umgang mit Abfällen gesprochen. "Wir trennen natürlich auch in der Schule", sagt Heinemann. Der Ausflug nach Wirmsthal sei dann der Höhepunkt für die Schüler.
Die Führung beginnt an der Aussichtsplattform mit Hinweistafel. Darauf zeigt Sandwall den Kindern die alte Deponie Arnshausen, in der von 1977 bis 1991 rund 900 000 Kubikmeter Müll eingelagert wurden. Dass dort bis heute verschmutztes Sickerwasser aufgefangen wird und mit dem Gas aus dem Müll ein Blockheizkraftwerk betrieben wird, sorgt für die ersten Aha-Erlebnisse. Mit vielen Zahlen geht es weiter: 300 Meter breit, 600 Meter lang und ursprünglich 70 Meter tief sei der ehemalige Steinbruch gewesen, berichtet Sandwall. Wie eine Badewanne werde das Loch nach und nach abgedichtet. Tief unten ist der Aufbau gut zu erkennen: Erst wird der Fels in Beton gepackt, dann folgt die eigentliche Abdichtung mit einer Mischung aus Bentonit, Kalkschotter und Gesteinsmehl, davor stehen mit Basalt gefüllte Drahtkörbe, die das Wasser ableiten. Zwei neue Abschnitte im Süden der Deponie (siehe Grafik) werden aktuell ausgebaut. "Das wird bis Ende des Jahres nach und nach mit der Müllverfüllung hochgezogen", berichtet Betriebsleiter Matthias Dorn.
Angehoben werden muss schrittweise auch der Zugang zum "Abflussrohr" der Deponie: Ein Schacht mit sechs Metern Durchmesser führt in den Kontrollgang. 156 Stufen zählen die Schüler aus Oberleichtersbach und sind fasziniert von dem Tunnel, der wie die Kulisse eines Abenteuerfilms wirkt. "Der Gang ist 240 Meter lang, danach kommt der 320 Meter lange so genannte Hildegard-Stollen", berichtet Sandwall.


Edelmetalle aus Elektroschrott

Jede Menge zu sehen gibt es aber auch über der Erde: Im Wertstoffhof staunen die Kinder über die Monitore, Computer, Handys und Fernseher in den Containern. Die Kinder lernen, dass aus dem Elektroschrott viele wichtige Stoffe recycelt werden - bis hin zu Gold. Aber auch in die vielen anderen Behälter werfen die Mädchen und Jungen neugierige Blicke: Metall, Reifen, Glas, Farben und vieles mehr nehmen Thomas Lippert und seine Kollegen dort an. Zudem wird im Abfallzentrum Wirmsthal all das sortiert, was in den 23 kommunalen Wertstoffhöfen im Landkreis Bad Kissingen gesammelt wird.