Bettina B. (alle Namen von der Redaktion geändert) schaut nach vorne, hat einen neuen Job und mit der Vergangenheit abgeschlossen - eigentlich, denn: "Ich bin bis heute menschlich so enttäuscht", sagt sie und wird dann doch wieder eingeholt von "dieser Geschichte": Vor dreieinhalb Jahren kündigte sie ihren Job und wagte einen Neu-Beginn. Bei Geschäftsfrau Angelika A. Zuvor hatten schon andere bei Angelika A. gearbeitet, alle nur kurz. Bettina B. ignorierte das, hängte sich rein - bis sie nach eigenen Angaben merkte, dass sie nur ausgenutzt wird.

Weiteres Verfahren läuft

Angelika A. scheint seit Jahren Mitarbeiter, Kunden und Vermieter zu prellen. Bei der für sie zuständigen Polizeiinspektion ist sie seit langem bekannt, immer wieder wurden Strafanzeigen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. In dieser Woche war nun der erste Strafprozess wegen Betrugs angesetzt, ein weiteres Verfahren ist laut Staatsanwaltschaft Schweinfurt anhängig. Andere Anklagen sind zum Teil im Sande verlaufen, so hat die Staatsanwaltschaft Würzburg bereits vor zwei Jahren ein anderes Verfahren mit Hinweis auf die Betrugsvorwürfe eingestellt, weil der Betrug schwerer wiegen würde - "vorläufig", wie der Leiter der dortigen Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilte.

Umso gespannter waren gleich mehrere Gläubiger auf den nun angesetzten Prozess gegen die Geschäftsfrau. Doch sie wurden einmal mehr enttäuscht: Eineinhalb Stunden vor Beginn wurde die Verhandlung abgesagt - wegen Erkrankung der Angeklagten. Diese verwies einen Tag später während eines Anrufs der Redaktion in ihrem Büro auf eine "aktuell bestehende Verfahrensunfähigkeit". Und weiter: "Diese wurde auf meine Initiative hin durch ein Amtsärztliches Attest zweifelsfrei festgestellt und dem Gericht nachgewiesen." Zu den Vorwürfen will Angelika A. dagegen mit Hinweis auf das laufende Verfahren keine Angaben machen.

Immer wieder neue Ausreden

"Das war doch klar" lautete eine Reaktion von Betroffenen nach der Absage des Prozesses. "Sie will nur Zeit schinden" eine andere. Für Bettina B.ist es eine Enttäuschung mehr. "Ich war seit Wochen aufgeregt und habe schlecht geschlafen", berichtet sie - und sofort sind wieder alle belastenden Erinnerungen da. Über ein Jahr lang arbeitete sie für Angelika A., investierte Zeit und Geld. Ganz am Anfang habe es eine Lohn-Zahlung gegeben, dann nur noch Ausreden: "Sie tischte mir eine Lüge nach der anderen auf", erzählt B. Zunächst seien es falsch gebuchte Überweisungen, später finanzielle Engpässe und Jammern über Existenznöte gewesen.

Bereits 2012 ging Bettina B. vor Gericht: Das Arbeitsgericht Würzburg gab ihr Recht, im Anerkenntnisurteil vom 17. Dezember 2012 werden Bettina B. 19 070,88 Euro zuerkannt. Und wieder begannen nach Aussage von B. die Lügen: Ratenzahlungen wurden vereinbart, weil Angelika A. sonst angeblich hätte Insolvenz anmelden müssen. Doch Geld kam keines, weder zu den vereinbarten Ratenzahlungsterminen, noch später.

Vor und nach Bettina B. haben andere Mitarbeiter, Kunden und Vermieter nach eigenen Angaben ähnliche Erfahrungen gemacht. Gleich mehrere wandten sich an die Saale-Zeitung, legten schriftliche Belege vor. Mittlerweile liegen Berichte von elf Gläubigern vor, einige von ihnen haben sich zusammengeschlossen. Besonders ärgern sie sich darüber, dass Angelika A. bereits im November 2012 eine Eidesstattliche Versicherung (früher "Offenbarungseid") abgegeben habe: "Dass wir unser Geld nicht mehr kriegen, ist ja klar, aber wir möchten wenigstens, dass nicht noch mehr Leute reingezogen werden", bringt es eine Gläubigerin auf den Punkt.

Wie schwierig der Fall ist, weiß auch Dr. Matthias Göbhardt, Direktor des Bad Kissinger Amtsgerichts: "Dem stehen natürlich Persönlichkeitsrechte entgegen", verweist er darauf, dass Auskünfte über säumige Schuldner schwierig sind. Seit 1. Januar 2013 sei als neuestes Instrument die so genannte Vermögensauskunft eingeführt worden, die zentral am Vollstreckungsgericht Hof verwaltet wird. Wer in das neue zentrale Schuldnerverzeichnis Einsicht nehmen will, muss allerdings auch ein "berechtigtes Interesse" nachweisen.

Tatbestand des Betruges schwer nachweisbar

An ihre Grenzen stößt auch die Polizei: "Das ist für uns schon manchmal unbefriedigend", sagt ein Beamter. Hauptproblem: Der Tatbestand des Betruges sei schwer nachweisbar: "Die Ermittlungen sind langatmig." Wichtigster Punkt: Es muss der Vorsatz nachgewiesen werden.

Neuer Termin wird angesetzt

Auch Richter Göbhardt verweist darauf, dass es sich in der Regel nicht um Betrug handelt, wenn jemand in einem bestehenden Vertragsverhältnis plötzlich zahlungsunfähig wird. Sprich: Sobald die erste Miete, das erste Gehalt gezahlt werden, macht das die Sache kompliziert - zumindest im Einzelfall. Und wie geht es im Fall Angelika A. weiter? "Wenn tatsächlich ein amtsärztliches Attest vorliegt, müssen wir das erst einmal so glauben", sagt Göbhardt. "Baldmöglichst" werde ein neuer Termin angesetzt, das werde aber erfahrungsgemäß mindestens sechs Wochen dauern.