Wenn Bernd Regenauer grantelt, dann grantelt er richtig. Die Zielscheiben seiner Wut haben dann nichts mehr zu lachen. "Wir sind ein Oberflächenstaat geworden, auf dem die Elite der Oberflächlichen ihre zusammengekauften Oberflächen bebaut, bevorzugt mit Dreifachgaragen", schießt der Nürnberger Kabarettist bei seinem Gastspiel am Donnerstagabend im Kurtheater gegen Promis und Schickimickis.

Nur gut, dass es fürs Gewissen Benefiz-Galas gebe. Da bleibe nach Abzug der Honorare noch ein schönes Sümmchen übrig, das man dem Dalai-Lama spenden könne. Immerhin die einzige Religion, die man akzeptieren könne - neben dem allmächtigen Dow Jones, der den Erlöser namens Index auf die Welt schickte, "um mehr zu erlösen und den Erlös zu mehren", holt Regenauer zum verbalen Rundumschlag aus.

In seinem neuen Programm "Alles eine Frage der Antwort" versucht das Kabarett-Urgestein Fragen des modernen Lebens zu ergründen. Regenauer erweist sich dabei als aufmerksamer Zuschauer, der seine Beobachtungen schön zuzuspitzen versteht. "Erst mit Hörsturz und Burnout bist du im Club der Digitalgesellschaft angekommen", konstatiert er mit Blick auf die schnelllebige, technikorientierte Welt. Immer auf Achse, ständig in Bewegung, immer in der Angst, irgendetwas zu verpassen, wenn man mal eine Sekunde lang nicht online oder per Handy zu erreichen ist. "Wir haben online so viele Freunde, dass wir für die echten ein neues Wort brauchen", stellt er fest und bescheinigt der Jugend: "Die Nestwärme für junge Menschen ist doch mittlerweile die Wärme des Ladegeräts."

Schickimickis und Sarrazins


Bissig und temporeich lässt der 54-Jährige die etwa 150 anwesenden Bad Kissinger an seinen Gedankengängen teilhaben. Heilige Kühe gibt es bei ihm auf der Bühne nicht. Von Schickimickis und Sarrazins, Lobbyisten und Politikern bis zur Bahn, dem Euro und der katholischen Kirche. Stichwort Gesundheitssystem: "Warum heißt Gleichbehandlung eigentlich nicht, dass man gleich behandelt wird?" Regenauer teilt ordentlich aus.

Dabei ist es egal, ob er dies laut oder leise, wütend oder nachdenklich tut. Bei allem Spott und Hohn darf aber auch die kritische Selbstbetrachtung nicht fehlen. "Gott sei Dank sind wir hier im Saal nicht so wie die, oder? Wir nicht! Wir sind die anderen und wir wissen alles besser", hält er dem Publikum genüsslich den Spiegel vor. Ebenso genüsslich macht er sich daran, liebgewonnene Klischees zu demontieren: "Wo steckt eigentlich der Sinn im Leben?"

Mehr Fragen als Antworten


Den gesamten Abend über wirft Regenauer mehr Fragen auf, als er Antworten geben kann. "Sind wir etwa nicht mehr in der Lage, unsere Fragen selbst zu beantworten? Haben wir nichts mehr im Griff?", sinniert er. Auch diese Frage bleibt ungelöst, stattdessen hält Regenauer es mit Bob Dylan. "The answer my friend", singt er abschließend, "is blowing in the wind." Man muss nur zuhören.