Anlässlich seiner Herbstsitzung 2016 tagte der IHK-Gremialausschuss Bad Kissingen in der Villa der Heiligenfeld Kliniken. Als Wirtschaftsraum mit Stärken und Schwächen sah Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) die Stadt: "Ohne Zweifel sind wir in einem strukturschwachen Raum, der mehr verarbeitendes Gewerbe vertragen könnte. Zudem haben wir einige Investitionsdefizite beispielsweise in der Infrastruktur.", so Blankenburg unter Verweis auf einen qualitativ nicht zufriedenstellenden Teil des 132 Kilometer umfassenden Gemeindestraßennetzes.

Dennoch biete der Standort klare Vorteile: Positive Zahlen bei den Übernachtungen, ein exzellenter Ruf in Sachen Gesundheitswirtschaft sowie eine alles in allem gute Situation mit Blick auf die Leerstandsthematik zum Beispiel in der Fußgängerzone - das sind seiner Ansicht nach einige der Vorzüge. "Und die Behördenverlagerung wie das Haus für Gesundheitsmanagement wertet den Standort weiter auf, neue Themen wie die Chronobiologie setzen neue Impulse."


Gewerbesteuer kein Thema

Mit Blick auf den Haushalt der Stadt und die Einnahmensituation verspricht Blankenburg den anwesenden Unternehmern: "Aus heutiger Sicht sind eine Fremdenverkehrsabgabe oder Erhöhungen der Gewerbe- oder Grundsteuer definitiv keine Option. Vielmehr sind wir zum Beispiel bemüht, durch die Privatisierungen bislang kommunaler Einrichtungen wie der Eissporthalle oder des städtischen Hallenbad die Kassen zu entlasten."

Weitere Gesprächsthemen waren die Potenziale des Brunnen am Rosengarten, der Sachstand um ein 5-Sterne-Hotel am Standort sowie die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und die Attraktivität der Stadt für Ansiedlung von Unternehmen.


Konflikte des Einzelhandels

Die Entwicklung des innerstädtischen Einzelhandels war Gegenstand eines Fachvortrags von Professor Dr. Jürgen Rauh. Er stellte Ergebnisse der Studie "Konfliktfelder des innerstädtischen Einzelhandels - eine Untersuchung in den mainfränkischen Mittelzentren" vor, die das Zentrum für Regionalforschung (ZfR) der Universität Würzburg im Auftrag der IHK Würzburg-Schweinfurt und in Unterstützung mit dem Handelsverband Bayern (HBE) e. V. erarbeitete. Im Wesentlichen wurden die Folgen der Konkurrenz durch großflächigen Einzelhandel auf kleinteiligen Einzelhandel in der Innenstadt, die Entwicklung innerstädtischer Immobilien im Zusammenspiel mit den Anforderungen des Handels, die Konkurrenz durch Online-Wettbewerber oder die Folgen des demografischen Wandels in den Standorten Bad Brückenau, Hammelburg sowie Bad Kissingen untersucht.

Im Ergebnis zeigt sich für die Stadt Bad Kissingen laut Rauh ein differenziertes Bild: "In Sachen innerstädtische Verkaufsfläche und Branchenmix im Umfeld ist die Stadt relativ gut aufgestellt. Auch die Anteil derjenigen Unternehmen, die den Onlinehandel zur Verbreiterung des eigenen Dienstleistungssortimentes nutzen, ist in Ordnung", so der Experte. Deutliche Konflikte für die Stadt sieht Rauh hingegen mit Blick auf die oftmals inhabergeführten Strukturen vor Ort: "Viele der zahlreichen inhabergeführten Läden planen in den nächsten Jahren eine Aufgabe des Unternehmens im Zuge des Ruhestandes. Bei den betrachteten Einzelbetrieben trifft das drei von zehn Unternehmen beziehungsweise knapp 27 Prozent, bei den Filialbetrieben lediglich rund 15 Prozent. Insofern wird sich im Zuge des demografischen Wandels das Bild der Stadt verändern."


Projekt "AusbildungsScouts"

Heinz-Peter Sorge, Regionalkoordinator der IHK Würzburg-Schweinfurt, stellte das Projekt "AusbildungsScouts" vor. Hierbei bieten werden Schülern in Bayern Ausbildungsberufe durch Auszubildende der Unternehmen vorgestellt.

Weitere Themen des Tages wie die aktuelle Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms (LEP) Bayern oder aktuelle Informationen zum Rahmenkonzept Biosphärenreservat Rhön erläuterte Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik sowie Existenzgründung und Unternehmensförderung. Nach der Sitzung des Gremialausschusses stellte Fritz Lang, Gründer und Gesellschafter der Heiligenfeld Kliniken, Bad Kissingen, und Mitglied des IHK-Gremialausschusses, den Interessierten die Erfolgsgeschichte des Unternehmens vor red