Horst Schneider ist genervt. "Ich verstehe nicht, warum das immer so lange dauert", schimpft der 70-Jährige. Schneider ist Vorsitzender des St. Johannisvereins Garitz und seit mehr als 40 Jahren Vorstandsmitglied. Er ärgert sich über die verspätete Endabrechnung für die beiden Garitzer Kindergärten "St. Elisabeth" und "Am See", die von dem Verein getragen werden.

Das Kindergartenjahr ist seit August vorbei, dennoch hat das Bayerische Sozialministerium erst vergangenen Donnerstag die Endabrechnung freigeschaltet. "Wir können erst jetzt unsere Anträge stellen", wettert er weiter. Die Kindergärten erhalten während des Jahres Abschlagszahlungen vom Freistaat und den Kommunen. Damit wird der Großteil der Kosten gedeckt. Es bleibt aber eine Finanzierungslücke bestehen, die erst mit der Endabrechnung geschlossen wird.

Bis Horst Schneider also das fehlende Geld von der Endabrechnung erhält, vergehen weitere Tage. Klamme Tage. "Im Januar hatte der Trägerverein für den Kindergarten "Am See" kurzfristig 20 000 Euro Minus", berichtet er. Dadurch wird der Verein zusätzlich mit Überziehungszinsen belastet. "Die Zinsen zahlt uns niemand", sagt Horst Schneider. Er kritisiert, dass die Betriebs- und Personalkosten weiter laufen, während sich der Freistaat Zeit mit der Endabrechnung lässt. Die Lücke die mit der Endabrechnung gedeckt werden soll, entspricht ziemlich genau dem Minus auf dem Konto des Trägervereins.

Thomas Duda von der Kindergartenaufsicht am Landratsamt erklärt, dass die Verzögerung mit einer Verwaltungsumstellung zusammenhängt, die das Ministerium umgesetzt hat. Bislang wurde als Zeitraum das Kindergartenjahr abgerechnet, also der Zeitraum von September des Vorjahres bis August. Der Abrechnungszeitraum wird ab sofort an ein reguläres Haushaltsjahr von Januar bis Dezember angepasst. Das heißt, "dass das Betreuungsjahr diesmal um vier Monate gestreckt ist", sagt Duda. Folge: Die Endabrechnung verspätet sich und die Kindergärten warten. Duda versteht den Ärger der Träger. Aus deren Sicht mache "das Ministerium es sich etwas einfach". Hort Schneider kritisiert, dass die Endabrechnung sechs Wochen zu spät begonnen hat.

Warten auf Halbe Million Euro

Die Träger sind nicht die einzigen, die lange auf Fördergelder warten. Alle 26 Kommunen im Landkreis bekamen erst vor wenigen Tagen Bundesmittel für Krippenplätze aus dem Kindergartenjahr 2012/2013 vom Freistaat zugewiesen. Die Zuschüsse in Höhe von annähernd einer halben Million Euro kamen laut Duda ein Jahr später als ursprünglich angedacht. Der Bad Kissinger Kämmerer Gerhard Schneider nimmt die einjährige Verspätung mit leichter Resignation zur Kenntnis. "Das sind normale Abrechnungszyklen, das kennen wir nicht anders", sagt er. Der Stadt haben dadurch im vergangenen Jahr 83 700 Euro liquide Mittel im Haushalt gefehlt. "Für Kommunen ist das schwieriger, weil wir darauf angewiesen sind, dass unsere Erträge laufend reinkommen. Die Aufwendungen laufen ja auch", sagt der Kämmerer.

Patrick Könen, Kämmerer von Bad Bocklet, stimmt zu: "Die Vorfinanzierung ist für die Gemeinden eine Belastung", auch wenn es Bad Bocklet nicht in Bedrängnis bringe. Im Gegensatz zu Bad Kissingen hat der Markt ein ausreichendes Finanzpolster, um im laufenden Haushalt nicht auf Kassenkredite angewiesen zu sein. Aber: "Wer tritt schon gerne in Vorleistung", sagt Könen.

Ein Sprecher des Bayerischen Sozialministeriums begründet die Verzögerung auf Nachfrage damit, dass die Bundesmittel erst nach dem Kindergartenjahr verteilt werden. Außerdem müsse ein Ausbaufaktor ermittelt werden, für den "anonymisierte Datensätze der mehr als 100 000 unter dreijährigen Kinder" ausgewertet werden. Gleichzeitig gelobt das Ministerium Besserung. Die Bundesmittel für 2013/2014 sollen im August zugeteilt werden.


Bundesmittel für Krippenplätze in Kindergärten

Förderung Der Bund fördert seit dem Kindergartenjahr 2009/2010 den Betrieb von Krippenplätzen in Kindertagesstätten. Der Bund gibt die Gelder an den Freistaat Bayern weiter. Dieser legt einen sogenannten Ausbaufaktor fest und verteilt dann die Zuschüsse an die Kommunen. Die Kommunen wiederum nutzen die Mittel zur Gegenfinanzierung eigener Zahlungen an die Kindergärten.

Ausbaufaktor
Das Bayerische Sozialministerium legt den Ausbaufaktor nach einem Kindergartenjahr fest. Die Höhe des Förderbetrages richtet sich vor allem danach, wie viele Kinder unter drei Jahren betreut wurden und wie lange sie betreut wurden. Für alle Kommunen im Landkreis wurden für das Jahr 2012/2013 erst vor wenigen Tagen Gelder in Höhe von 463 431,83 Euro freigegeben.