Ein gelungenes Beispiel zeigte die junge Familie Christian und Claudia Reusch auf deren Potatis-Hof in Elfershausen. "Gebaut haben wir 2006", bestätigt Christian Reusch. Zuerst kam der rund 215.000 Euro teure Wohnhausbau, der an das bestehende Haus der Eltern angebaut wurde. Platz für den aktuellen Hofladen "Potatis - Kartoffeln und mehr" gab es durch den Umbau eines ehemaligen Viehstalls durch Eigenleistung. Den 2009 eingerichteten Getränkeshop gibt es nicht mehr. "Dazu fehlt uns eine Arbeitskraft, die wir nicht mehr zur Verfügung haben, hatte die Familie Reusch einsehen müssen und diesen Shop aufgegeben.

Knollenkreativität

Kartoffeln gibt es reichlich, wenn auch die Ernte heuer um rund ein Drittel geringer ausfällt als sonst üblich. Anuschka, Belana, Jelly, Bamberger Hörnchen sowie blaue und rote Kartoffeln warten auf die hungrige Kundschaft. Was die Stammgäste aus der gesamten Rhöner Region aber besonders interessiert, das sind die Kreativprodukte aus dieser Knolle. Die Kartoffeln finden sich zum Beispiel in Nudeln, Seifen, Cremes, Likören, Säften, Marmeladen, Senfen, Brotaufstrichen Kuchen oder auf Vorbestellung hin im Kartoffelbrot. "Wir lassen uns von Zeit zu Zeit etwas Neues einfallen", freut sich Claudia Reusch schon jetzt auf eine neue kreative Winterzeit. Auf dem Elferhausener Markt präsentierte sie heuer ihre Potatis-Hofprodukte mit eigenem Stand. Vor einer Woche gab es das Potatis-Hoffest.

"Ich fühle mich wohl in der Familientradition und habe konsequent an der Erweiterung unseres Hofes gearbeitet", bereut Christian Reusch die baulichen Maßnahmen aus dem vergangenen Jahrzehnt überhaupt nicht. Auch eine Photovoltaikanlage auf dem Scheunendach und eine Warmwasser-Solaranlage auf dem Wohnhausdach gehören mittlerweile zu den Erweiterungsmaßnahmen. Er sei recht erstaunt, wie erfolgreich sich der Potatis-Hof entwickelt habe. "Freilich gehe ich auch noch weiterhin meinem Hauptberuf als Forstwirt nach", bestätigt der Chef. "Wir würden uns noch mehr über unsere Heimatgemeinde Elfershausen freuen, wenn diese unsere Aktionen in ihren Mitteilungsblättern rechtzeitig ankündigt", lautet der Wunsch des Ehepaares Reusch. Geöffnet ist der Potatis-Hofladen donnerstags (15,30 bis 18,30 Uhr) und samstags (9 bis 12 Uhr).

Konzepte gegen Leerstand

"Dieser Potatis-Hof ist ein tolles Projekt", ist Verena Mörsner davon angetan. Sie gehört dem Innenentwicklungs-Management der Stabsstelle Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung beim Landratsamt Bad Kissingen an und begleitet das Konzept auch redaktionell. Die Familie Reusch sei sehr engagiert und kreativ, habe sie mittlerweile festgestellt. "Ich werbe für das Bauen und Leben in der Ortsmitte", betont Mörsner.
Es gelte, die vorhandenen Infrastrukturen zu nutzen und mit guten Perspektiven Leerständen entgegenzuwirken, so Mörsner weiter. Oft genüge es schon, vorhandene Nebengebäude umzubauen und mit Fantasie zu neuem Leben zu erwecken. "Dazu sollen diese Aktionstage anregen", betont Mörsner. Bei Fragen zur finanziellen Förderung sei das Innenentwicklungs-Management die richtige Anlaufstelle. Es stünden neben der KfW auch kommunale Förderprogramme in Aussicht.

Nachbarschaft half mit

Etwa ein Jahrzehnt hatte es gedauert, bis Ulrich Stockmann und Beate Weimar-Stockmann sich ihr fränkisches Wohnparadies in Fuchsstadt geschaffen hatten. "Wir haben den Sanierungsumbau unseres Hofes nicht bereut. Erhaltenswertes wie zum Beispiel das Nebengebäude wurde gerettet. Allerdings musste das marode Wohnhaus an der Ecke des Grundstücks erst abgerissen und dann neu gebaut werden", erklärt die Ehefrau. Eine Augenweide ist das historische Hoftor. Stolz ist die Familie auch auf den Gewölbekeller, über dessen Eingang die Jahreszahl 1708 steht. "Ohne die tätige Mithilfe unserer Nachbarn wäre es nicht so schnell voran gegangen", betont Beate Weimar-Stockmann voller Dank.

Vor rund einem Jahrhundert hatte Adam Stockmann das Anwesen erworben, lässt sich in der Fuschter Chronik nachlesen. Dann ging es aufgrund von Erbverläufen an die Familie Pfülb. Ulrich Stockmann kaufte das etwa 500 Quadratmeter große Anwesen zu Beginn des neuen Jahrhunderts (2001) wieder zurück. "In unserem Projekt steckt viel Eigenleistung und Geld", bestätigt Beate Weimar-Stockmann. Ein Neubau wäre nicht teurer gekommen. Jetzt hängt das Herz der gesamten Familie Stockmann an diesem Anwesen. Zur Familie zählen auch die Töchter Britta und Ulrike. "Wir schätzen die zentrale Lage hier in Fuchsstadt und die gute Nachbarschaft", war sich die Familie stets einig. So könnte das Motto "Mitten im Ort - mitten im Leben" um ein "Mitten im Herzen" erweitert werden.