Langsam, aber stetig erholt sich der Eishockey-Club "Bad Kissinger Wölfe". Trotz sportlicher und wirtschaftler Erfolge fiel in der jüngsten Jahreshauptversammlung aber das Wort Altlasten immer wieder: Eine fünfstellige Summe schuldet der Club alleine der Stadt Bad Kissingen, zudem habe der Verein vor Gericht eine Verhandlung gegen einen ehemaligen Ausrüster verloren. Der Vorstand habe deshalb auch schon über einen "Reset" nachgedacht, berichtete der bisherige Vorsitzende Vassili Ledin, vorerst wollen die Wölfe jedoch versuchen, ohne eine Insolvenz auszukommen - auch um in der Landesliga zu bleiben.


200 000 Euro Defizit pro Jahr

Thema war auch der geplante Verkauf der Eishalle: Die Stadt legt jedes Jahr beim Betrieb rund 200 000 Euro drauf. 2014 etwa standen 82 932 Euro Einnahmen 302 757 Euro an Ausgaben gegenüber. "Es gibt noch keine Änderung in dieser Saison", fasste Vassili Ledin den Stand der Kauf-Verhandlungen zusammen. Die Verträge seien zwar vorbereitet, aber vor März 2017 werde nichts unterschrieben: "Wir haben es noch nicht geschafft, alle Problematiken abzuarbeiten."
Die Stadt hält sich bei dem Thema bedeckt: "Es gibt entsprechende Überlegungen", bestätigt ein Sprecher lediglich die Absicht, die Eishalle zu verkaufen. Zu Investoren oder dem Umfang des Geschäftes macht das Rathaus aber keine Angaben. Beim FC 06 läuten deshalb schon die Alarmglocken: Die Fußballer befürchten langfristig Nachteile. Offiziell verweist ein FC-Vorstandsmitglied jedoch nur auf noch ausstehende Gespräche mit der Stadt.


Noch viele Details zu klären

"Wir brauchen natürlich das Restaurant dazu, sonst kann man die Eishalle nicht wirtschaftlich betreiben", betont Ledin, aber: "Es muss niemand Angst haben, wir respektieren alle Nachbarn." Ziel der Investoren sei es, alle Sportarten am Sportpark weiterzuentwickeln. Auch langfristige Pachtverträge seien durchaus möglich. Genau deshalb würden sich die Verhandlungen hinziehen: Mit Nachbarn, aber auch mit den Stadtwerken sollen vorab alle Details geklärt werden.
"Für die nächsten zwei Jahre ist der Betrieb noch gesichert", berichtete Ledin von den Verhandlungen mit der Stadt. Ledin und seine Partner wollen investieren und die Eishalle vor allem energetisch auf Vordermann bringen: Es gebe viele Stromfresser, die einen längeren Betrieb als von Oktober bis März verhindern. Unter einem privaten Betreiber müsse die Halle aber mindestens acht Monate geöffnet sein.
Verhandelt hat Ledin nicht nur als Investor, sondern auch als Vorsitzender der Wölfe mit der Stadt. "Da ist einiges unklar", kommentierte er die Alt-Schulden. Unter anderem gebe es eine fünfstellige Rechnung, weil irgendwann einmal im August Eis aufgezogen worden sei. "Das war alles vor meiner Zeit", wusste Ledin aber nichts zu den Hintergründen. Während die Entlastung des aktuellen Vorstands reibungslos klappte, wurde Ex-Wölfe-Manager Andreas Goerke erneut nicht entlastet. Die Versammlung wollte zunächst den Kassensturz mit der Stadt abwarten.
Aus beruflichen Gründen trat Ledin nach nur einer Amtszeit nicht mehr an. "Aber ich bleibe auf alle Fälle dabei", sicherte er seinem Nachfolger Michael Rosin (46) Unterstützung zu. Der neue Vorsitzende ist ein echtes Eigengewächs: Mit sechs Jahren habe er selbst zum ersten Mal auf dem Eis gestanden, bis vor drei Jahren noch selbst gespielt, seitdem betreue er den Nachwuchs mit. Deshalb sind ihm junge Spieler auch besonders wichtig: "Ziel muss es sein, dass wieder mehr Eigen-Gewächse auf dem Eis stehen."


Wieder mehr Nachwuchs-Spieler

Die Schließung der Eishalle vor zehn Jahren hänge dem Verein bis heute nach: "Wir haben damals auswärts trainiert und gespielt und haben sogar den Aufstieg geschafft", erinnert sich Rosin. Allerdings sei eben die Nachwuchsarbeit komplett abgerissen. Das bestätigte auch Günther Matzke, der seit 20 Jahren Mitglied des EC ist und viele Jahre lang die Jugend trainierte: "Es ist dem Verein nie wieder gelungen, die Sperrung der Halle wieder aufzufangen", bedauert er. Umso mehr freue ihn, dass es jetzt wieder mehr Kinder gebe, die regelmäßig trainieren. "Ich habe vor drei Jahren mit sieben Kindern angefangen, jetzt sind es 35 bis 40", berichtete Jugendleiter Valeri Dancov.
"Je höher das Niveau der 1. Mannschaft ist, je mehr kann der Nachwuchs lernen", sagte Spielertrainer Mikhail Nemirovsky in seinem Bericht, und: "Die anderen Teams in der Landesliga haben wieder Respekt vor uns." Ihm sei der Spaß am Sport am wichtigsten, aber trotzdem müssten die Spieler einen Teamgeist entwickeln und auch charakterlich in die Mannschaft passen. Auch ihm wäre es lieber, mehr eigenen Nachwuchs einzusetzen, als Spieler von außerhalb zu holen.
Auch wirtschaftlich wären eigene Spieler sinnvoller, denn der Verein wendet fast zwei Drittel seines Budgets für die Verpflichtung und Unterbringung seiner Spieler auf. Allerdings stehen die Wölfe wirtschaftlich einigermaßen solide da: In den vergangenen Jahren konnte sogar einiges an alten Schulden zurückgezahlt werden. Die stabilen Sponsoren-Gelder sowie höhere Beiträge der aktuell 176 Mitglieder gehören zu den positiven Aspekten. Zudem haben die Wölfe innerhalb von zwei Jahren die Eintrittsgelder verdoppelt. "Es kracht wieder in der Halle", lobte Ledin den aktiven Fan-Club. In der vergangenen Saison seien mehr Fans mit zu den Auswärtsspielen gefahren als vor drei Jahren noch zu den Heimspielen kamen. "Die Tendenz ist gut."

Eishalle Die Stadt Bad Kissinger hat 1976 den Hans-Weiß-Sportpark um eine Eishalle erweitert. Die Halle hat mit Anbauten eine Grundfläche von mehr als 4000 Quadratmetern. Die Eisfläche ist bis zu 60 Meter lang und bis zu 30 Meter breit. Sie ist von Oktober bis März geöffnet. 2005/2006 war die Halle wegen Schäden an Dachträgern gesperrt und stand auf der Kippe. Nach langer Diskussion investierte die Stadt noch einmal in die Erhaltung. Neben den öffentlichen Laufzeiten wird die Halle von Schulen, vom Eishockeyclub Kissinger Wölfe und vom Ski-Club Bad Kissingen genutzt.

Wahlen Neuer Vorsitzender der Kissinger Wölfe ist Michael Rosin, Stellvertreter bleibt Spielertrainer Mikhail Nemirovsky, Jugendleiter Valeri Dancov kümmert sich um die Kasse. Neu zum Schriftführer wurde Sven Wedler gewählt. Dem Beirat gehören Christian Keul, Vassili Ledin, Thomas Weber, Eugen Danzov, Nicolai Achilles, Nicole Henning und Ulrike Höhn. Kassenprüfer bleiben Elisabeth Schuhbauer und Günther Matzke.