Wie geht es mit dem Kurhausbad weiter? Was tut sich am Neumann-Flügel? Und wann kommen die ersten Mitarbeiter des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)? In Bad Kissingen gibt es viele offene Fragen, die auf Antrag der Ausschuss-Gemeinschaft Grüne/BfU/ödp und FDP auch in der jüngsten Stadtratssitzung beraten wurden. Klar wurde dabei, dass das Konzept der Stadt zur Nutzung des Kurhausbades durch die Entscheidung für den LGL-Standort längst überholt ist. "Das Zentrum für Telemedizin dort ist vom Tisch, das LGL braucht fast die gesamte Fläche", berichtete Wirtschaftsförderer Michael Wieden.


Neue Zuständigkeiten

Seit 1. Juli sei das neu geschaffene "Zentrum Staatsbäder" in Bad Steben, eine Außenstelle der "Immobilien Freistaat Bayern" (Imby), für den Umbau zuständig, sagte Wieden. Bei einem Termin mit den beteiligten Ingenieurbüros und der Imby sei entschieden worden, dass der Freistaat zumindest im Sockelgeschoss mit den vielen denkmalgeschützten Räumen auf Wünsche der Stadt eingeht. Wieden hatte für das ehemalige Dampfbad eine Erlebnis-Bar vorgeschlagen. "Es gibt Bars, in die geht man zum Trinken, und es gibt Bars, in die geht man zum Genießen", deutete Wieden die Idee dahinter auf Nachfrage des Stadtrates aber nur an. Ein "vielversprechendes Grundkonzept" eines möglichen Bar-Betreibers liege vor.
Im Bereich der ehemaligen Mooraufbereitungsanlage soll es zudem eine Heilwasser-Showabfüllung oder -Lounge geben, nach Möglichkeit mit Sichtverbindung zum gestronomischen Bereich. "Aktuell wird an der Raumplanung gearbeitet", berichtete Wieden, und: "Mit einer Inbetriebnahme der jeweiligen Einrichtungen ist nicht vor 2019, eher 2020, zu rechnen." Allerdings hofft der Wirtschaftsförderer, dass es heuer zumindest noch Vorverträge gibt.
Eigentümer des Kurhausbades, des benachbarten Neumann-Flügels und des ein Hekatr großen Grundstücks im Herzen Bad Kissingens ist nach wie vor der Freistaat. Das zuständige Heimat- und Finanzministerium bittet jedoch bei jeglichen Nachfragen zum Stand der Planung um Geduld: "Die Detailplanungen und Abstimmungen mit den Fachbehörden (Wasserwirtschaftsamt, Landesamt für Denkmalpflege, etc.) sind noch nicht abgeschlossen", heißt es aus München. Keine Auskunft gibt es auch dazu, was gerade vor Ort läuft: Für jeden sichtbar gab es Untersuchungen am Fundament, am Neumann-Flügel steht ein Gerüst und im Innern wird entrümpelt.
Das Ministerium bestätigt weder Wiedens Aussage, dass kein Platz für die Telemedizin vorgesehen ist, noch nennt es Daten zu den Gebäuden oder zu möglichen Erweiterungen. Aus gut informierten Kreisen ist zu erfahren, dass das LGL wohl ohne Anbau auskommt. Eine durchaus wichtige Information, weil die Geschossflächen von Kurhausbad und Neumannflügel wichtig sind für ein anderes Prestige-Objekt des Freistaates: Für drei Quadratmeter, die der Freistaat im östlichen Teil des Grundstücks ausbaut, darf ein potentieller Hotel-Investor im westlichen Teil Eigentumswohnungen bauen (siehe auch Kommentar unten).


Erste Stellen ausgeschrieben

Das LGL dagegen hat mit solchen Zahlen kein Problem: 570 Quadratmeter seien im ehemaligen Telekom-Gebäude in der Münchner Straße angemietet. Ab Herbst sollen 16 Mitarbeiter des Instituts für Kurortmedizin und des Instituts für gesunde Lebensmittel unter einem Dach mit der Staatsbad GmbH arbeiten. "Die erforderlichen Umbau-/Ausbauarbeiten stehen kurz vor dem Abschluss", berichtet das LGL. Der Personalaufbau werde schrittweise erfolgen - langfristig auf 100 Arbeitsplätze in Kurhausbad und Neumann-Flügel. Erste Stellenausschreibungen sind raus: Das LGL sucht für Bad Kissingen einen Juristen, einen Teamassistenten und einen Sachbearbeiter für den Vollzug staatlicher Förderprogramme.

Drei Geschosse für das Zentrum für Telemedizin, Kneipp-Becken, Heilwasser-Abfüllung, zwei Bars, Praxisräume und ein Info-Point für die Weltkulturerbe-Bewerbung Bad Kissingens: Jede Menge Ideen standen auf dem Wunschzettel der Stadt Bad Kissingen an den Freistaat zum Kurhausbad. Außer Heilwasser-Abfüllung und einer Bar ist von dem 2014 vom Stadtrat beschlossenen Konzept nichts übrig geblieben, seit bekannt ist, dass das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) dort einzieht.
"Die Planung dürfte abhängig sein von der Ausschreibung des Hotels", zweifelte der FW-Stadtrat und ehemalige Kurdirektor Sigismund von Dobschütz in der Stadtratssitzung daran, dass diese Planung unumstößlich ist. Darauf kam von Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) aber ein eindeutiger Widerspruch: "Das ist entschieden", verwies er auf das Machtwort Söders zur Behördenverlagerung. In der vergangenen Woche hätten sich bereits LGL-Mitarbeiter vor Ort informiert. Der Behördenstandort für die geplanten 100 Mitarbeiter werde auf jeden Fall kommen. Die Abkopplung von der Ausschreibung, die vorerst bis Februar 2017 läuft, sei auch durchaus sinnvoll, um eine Hängepartie zu vermeiden.


Ziel Auf dem Areal des früheren "Steigenberger"-Hotels und des Kurgastzentrums soll ein Hotel der Kategorie "Vier-Sterne/Vier-Sterne-plus" oder höherwertig entstehen.

Grundstück Der Freistaat plant den Verkauf einer 5200 Quadratmeter großen Teilfläche seines insgesamt etwa doppelt so großen Grundstücks zwischen Prinzregenten- und Kurhausstraße. Das Hotel-Gebäude und das frühere Kurgastzentrum wurden im Winterhalbjahr 2014/15 abgerissen. Die Tiefgarage will der Freistaat selbst in Absprache mit dem Investor sanieren.

Bedingungen Ein Viertel der bestehenden und der künftigen Geschossfläche darf für Wohnungen genutzt werden. Jedoch muss das künftige Hotel mindestens 60 Prozent des Neubaus einnehmen. Ein Mindestpreis ist in der neuen Ausschreibung nicht mehr vorgesehen. In der alten Ausschreibung hatte der Freistaat noch ein Mindestgebot von 1,78 Millionen Euro ohne und 2,97 Millionen Euro mit dem Neumann-Flügel gefordert.

Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert dazu:

Das große Schweigen aus München geht weiter

Als Redakteur der Saale-Zeitung bei einem Münchner Ministerium anzurufen, birgt gewisse Überraschungen: Überall hin wird man da verortet, nur nicht nach Unterfranken. Die große Schwester der Fränkischen Saale, die Sächsische Saale, ist eben ungleich bekannter. Ein Ausweg: Auf unsere Internet-Plattform infranken.de verweisen, schließlich ist Franken selbst in München ein Begriff, zumal Fi nanzminister und Seehofer-Thronfolger in spe Markus Sö der da herkommt.
Gerade im Hause Söder beißt man als kleiner fränkischer Journalist trotzdem auf Granit: Details aus dem Planungsprozess? Geschossflächen? So was wollten die Hauptstadt-Korrespondenten der großen Zeitungen aber nie wissen! Darüber wird ja auch kaum im Landtag beraten. Im merhin hat es das ehemalige Steigenberger schon mehrfach ins Bayerische Kabinett geschafft. Aus Seehofers Machtwort damals nährt sich ja bis heute die Bad Kissinger Hoffnung, dass der Freistaat alles für einen Hotel-Neubau auf seinem Grundstück tut. Söder hat das Ende 2015 erneut bekräftigt. Klingt gut und scheint auch auf einem guten Weg.
Nur bei den Details ist es mühsam: Warum? Vor allem weil seit den Fehlern in der ersten Ausschreibung die gesamte Pressearbeit übers Ministerium läuft. Auch die Planungshoheit hat leider nicht das Staatliche Bauamt, sondern ein privates Büro, das vertraglich ebenfalls dazu verpflichtet ist, keine Presse-Anfragen zu beantworten.
Dass es auch anders geht, zeigt das Luitpoldbad: Von Schadstoffen im Bewegungsbad bis zum Hochwasserschutz hat hier das Staatliche Bauamt von Anfang an auf eine transparente Öffentlichkeitsarbeit gesetzt. Der Prozess der Meinungsbildung war stets nachvollziehbar: Was wird wie gebaut und wo fließen die 37 Millionen Euro hin? Das sind keine Geheimnisse, hier werden schließlich Steuergelder verwendet!
Im Hause Söder dagegen scheint der große Wurf vorbereitet zu werden: Selbst auf banalste Fragen folgt die Bitte um Geduld. Irgendwann wird vermutlich alles auf einmal aus dem Hut gezaubert. Das mag einen großen Wow-Effekt geben, aber es hat seine Tücken! Beispiel: Bei der ersten Ausschreibung hatte der Freistaat erst kurz vor Ende der ersten Frist den Grundstückswert nachgereicht. Auf dieses Mindestgebot wird bei der Neuauflage augenscheinlich ganz verzichtet, weil es ein neues Schmankerl gibt: Bis zu 40 Prozent Wohnnutzung sind in dem neuen Hotel erlaubt. Wie sich die zusammensetzen, hängt aber ganz maßgeblich davon ab, welche Flächen der Freistaat selbst nutzt. Das sollte er aber den Investoren bald sagen, nicht erst wieder kurz vor Ende der Ausschreibungsfrist im Februar!