Mit einem Messer kratzt Polizist Peter Kähne schwarze Farbe von Sandsteinen in ein kleines Tütchen. "Ich sichere an allen Stellen Farbspuren", erzählt er, vielleicht seien darüber später Rückschlüsse auf die Täter möglich. "Fahr vorsichtig" steht in großen Lettern an einer Mauer neben der Straße zwischen Aschach und Hohn. An der Botschaft wäre nichts auszusetzen, wenn sie nicht in schwarz und pink als Graffiti illegal gesprüht worden wäre. Die Bad Kissinger Polizei ermittelt wegen "Sachbeschädigung im öffentlichen Raum".

Wenn die Täter unbekannt sind, landen die Fälle im Raum Bad Kissingen auf dem Tisch von Peter Kähne. "Es gibt mittlerweile mehrere Gruppen, die Graffiti sprühen", berichtet er. Angefangen hat es mit den "BK Kidz", die an mindestens zehn Stellen im Stadtgebiet ihre Spuren hinterlassen haben. Unter "#Stadtfüralle" werben sie sogar im Internet dafür, öffentliche Flächen als Kunstraum und Diskussionsfläche zu nutzen.


Video vom Sprühen im Internet

In ihrem Blog haben sie sogar ein Video online gestellt. "Gar nicht schlecht gemacht", sagt Kähne, leider lasse es keinerlei Rückschlüsse auf die Täter zu: Zu sehen sind vermummte Gestalten mit Handschuhen.



Auch die Spur zum Blog lasse sich nicht zurückverfolgen - das Dark-Net macht's möglich. An mindestens sechs Stellen gebe es bereits eine Gegenbewegung zu den BK Kidz. Zudem gebe es weitere Sprayer, der ein markantes Logo als Erkennungszeichen nutze: Einen Anker mit den Buchstaben R und S (siehe Foto). Bei anderen Graffiti tauche das Kürzel ELH auf. "Ich habe manchmal den Eindruck, jeder Jugendliche hat eine Spraydose", sagt Kähne. Neben den Farbproben und anderen Spuren hofft er vor allem auf Hinweise von Zeugen. Wer etwas beobachte, solle lieber einmal zu viel bei der PI Bad Kissingen, Tel. 0971/71490, anrufen, im Notfall natürlich die 110. "Wir gehen allen Hinweisen nach", betont PI-Chef Stefan Haschke.


Hohe Aufklärungsquote

Die Graffiti haben mit dazu beigetragen, dass die Sachbeschädigungen von 285 auf 355 stiegen (plus 70 Fälle oder 24,6 Prozent). Noch stärker gestiegen sind die Körperverletzungen: Um 90 Fälle oder 39,8 Prozent von 226 auf 316, die schweren oder gefährlichen Körperverletzungen schnellten sogar von 26 auf 66. Bei den einfachen Diebstählen gab es ein Plus von 114 Fällen, von 390 auf 504 Fälle, also 29,2 Prozent mehr, bei den Betrugsdelikten betrug das Plus 69 Fälle oder 30,1 Prozent, von 229 auf 298 Delikte. Dabei sei immer wieder erschreckend, wie naiv manche Menschen vor allem im Internet handeln: "Also ich überweise nicht mehrere tausend Euro auf ein Konto in der Türkei", sagt Kähne.

Positiv sieht PI-Chef Haschke trotz eines leichten Rückgangs die hohe Aufklärungsquote seiner Dienststelle: 1559 der 2238 Fälle wurden aufgeklärt, macht 69,7 Prozent. Damit liege die PI weit über dem Landesdurchschnitt von 63,7 Prozent.

Verteilung Die 2238 Straftaten der PI Bad Kissingen verteilen sich auf neun Gemeinden: In Bad Kissingen nahm die Fallzahl von 2015 auf 2016 von 1172 auf 1456 zu, in Münnerstadt von 190 auf 276, in Burkardroth von 92 auf 101, in Nüdlingen von 54 auf 88, in Maßbach von 53 auf 64, in Thundorf von 10 auf 20 und in Rannungen von 10 auf 14. In Oerlenbach gab es einen Rückgang von 128 auf 117, in Bad Bocklet von 130 auf 109.

Wohnungseinbrüche Zu den Taten, die das Sicherheitsgefühl der Menschen besonders beeinträchtigen, gehören Wohnungseinbrüche: Sie lagen 2015 bei nur sieben im Dienstbereich der Bad Kissinger Polizei, 2016 stiegen sie wieder auf den Wert von 2014, nämlich zwölf. Das sei im Vergleich ein niedriger Wert.

Häusliche Gewalt Eigens erfasst wird der Bereich häusliche Gewalt. Die Zahl der familären Konflikte, bei denen die Polizei eingriff, stieg um 13 Prozent von 54 auf 61. Insgesamt gab es 105 Straftaten, 65 Körperverletzungen. 22 Täter standen unter Alkoholeinfluss, zwölf stuft die Polizei als Wiederholungstäter ein.

Spektakuläre Fälle Am 24. März überfiel ein bewaffneter Täter einen Supermarkt in Garitz, bedrohte die Angestellten und erbeutete mehrere tausend Euro. Im Mai wurde in Österreich ein 55-jähriger Niedersachse festgenommen, dem auch der Raub von Garitz angelastet wird. Am 15. Mai wurde nach einer Auseinandersetzung in einer Asyl-Unterkunft ein 17-Jähriger festgenommen, ihm wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Am 4. Dezember nahm eine Streife in Stangenroth zwei Einbrecher aus dem Raum Quedlinburg fest, die in Bäckereien eingebrochen waren.