Überhöhte Geschwindigkeit war auch 2011 wieder eine der Hauptunfallursachen. Vor vielen Jahren hatte es der damalige Polizeidirektor Oswald Holmer (†) auf den Punkt gebracht: "Nirgends wird so gerast wie im Kreis Bad Kissingen". Daran scheint sich nicht viel geändert zu haben. Allerdings tut die Polizei ihr Möglichstes, wie Verkehrsexperte Alfons Geisel sagt. Er verweist auf die B 287 zwischen Bad Kissingen und Nüdlingen. Am "Waldschlösschen" hat es 21 Mal gekracht, 13 Mal war alleine zwischen Oktober und Dezember im zu hohe Geschwindigkeit die Ursache. Dann wurde ein Tempolimit - 40 km/h - verhängt, das auch konsequent überwacht werde, so Geisel. Seither hat sich dort "nur" noch ein einziger Unfall ereignet.

Schaden in Millionenhöhe


Der Bereich der Polizeiinspektion ist in etwa deckungsgleich mit dem Altlandkreis Bad Kissingen. Dort haben sich im Vorjahr 1522 Unfälle ereignet (2010: 1632; 110 weniger), mehr als die Hälfte davon im Stadtgebiet (52,8 Prozent). Dabei verloren vier Menschen (keiner) das Leben, 66 (72) wurden schwer, 185 (184) wurden leichter verletzt. Um 20 auf jetzt 196 gestiegen ist die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind. Dazu kamen noch 928 (1033) kleinere Kollisionen. Die Geamthöhe der Sachschäden ist von rund 2,07 auf gut 1,96 Millionen Euro gesunken.

Radar und Laser gegen Raser


Drei Menschen kamen zu Tode bei Kollisionen in Folge nicht angepasster Geschwindigkeit. Darauf waren 93 (124) Unfälle zurückzuführen. Diese Zahl ist gesunken, weil die Polizei häufig "blitzt". 273 Messungen wurden durchgeführt, 333 Stunden war der Laser im Einsatz. 478 (711) Fahrer wurden angezeigt, 41 (50) von ihnenerhielten sogar ein mehrwöchiges Fahrverbot. Noch mehr Kollisionen - 214 nach 219 - ereigneten sich durch Fehler beim Abbiegen, Wenden, Ein-, An- und Rückwärtsfahren. Dabei waren 37 (26) Verletzte zu beklagen. 52 (48) Personen erlitten Blessuren als Folge von Vorfahrtverletzungen.
Alkohol und andere Drogen spielten wieder eine unrühmliche Rolle. Hier hat sich die Zahl der Unglücke auf 20 verdoppelt - bei nahezu unverändert rund 140 Fahrten. Ein Mensch starb acht (vier) wurden verletzt.

Zahlreiche Kontrollen


In Sachen Drogenbekämpfung tut die Polizei, was sie kann. Sie hat 23 (14) Fahrten unter Drogeneinfluss verhindert und 89 (90) Blutentnahmen veranlasst. 3106 (2973) von 14 337 kontrollierten Verkehrsteilnehmern mussten einen Alkotest machen. Das ist, mit Ausnahme von 2009, der höchste Wert seit Jahren.
Besonders gefährdet sind Zweiradfahrer. 34 (32) waren in Zusammenstöße verwickelt, einer verlor das Leben, 27 (24) wurden verletzt. Auch junge Verkehrsteilnehmer leben gefährlich, gelten als Risikogruppe. Die Bilanz 2011: 193 (198) Vorfälle mit einem Toten und 63 (53) Verletzten. Auch Senioren ab 65 waren in 136 (122) Kollisionen involviert. Ein älterer Mensch wurde getötet, 33 (25) mussten sich behandeln lassen.

Neuralgische Punkte


24 (20) Fußgänger verunglückten; dabei wurden 18 (19) in Mitleidenschaft gezogen. Zugenommen - von 241 auf 271 - hat die Zahl der Unfallfluchten. 95 (79) Täter ermittelt die Polizei.
Auch 2011 haben sich einige Strecken und Punkte als Unfallschwerpunkte herauskristallisiert. Neben dem Abschnitt am "Waldschlösschen" waren das die Bundesstraße 286 zwischen Oerlenbach und der B 19 (zwölf Unfälle, davon fünf mit Lkw an der Unterführung) sowie die Kreisstraße KG 8 zwischen Reiterswiesen und "Schwarze Pfütze" (15 mit zehn Verletzten). Neuralgische Punkte in Bad Kissingen sind die Garitzer Kreuzung (neun mit zehn Personenschäden), der Bereich Max-/ Hemmerichstraße (acht) und die Theresienstraße. Dort, an den Engstellen, hat es 23 Mal gekracht mit geringen Schäden.
2010 hatte es im Landkreis mit den drei Polizeiinspektionen Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau die niedrigste Zahl an getöteten und verletzten Verkehrsopfern gegeben. Das, so Alfons Geisel von der Polizei Bad Kissingen, habe sich im vergangenen Jahr nicht wiederholt.

Kontinuierlich gesunken


Nach Angaben des Verkehrsexperten waren die Unfallzahlen nach einem Tiefstand in 1980 (2527 Kollisionen) bis 2005 auf 3249 angestiegen. Seitdem waren sie deutlich gesunken. Jetzt wurde mit 2970 Crashs die 3000-er Grenze erstmals wieder unterschritten. Im Vorjahr verloren bei Verkehrsunfällen fünf Menschen das Leben (2010: zwei/ 2005: 20), 529 (352/ 595) wurden verletzt. 149 davon schwer. Bei 742 (767) Vorkommnissen war der Sachschaden erheblich. Dazu kamen 1844 (2042) kleinere Unglücke mit Blechschaden.
Bei 33 (28) Kollisionen war Alkohol im Spiel. Zwei andere Fahrer standen unter dem Einfluss anderer Drogen. Bei diesen Unglücken kam wie im Vorjahr ein Mensch ums Leben, 17 (13) wurden verletzt. Zum Vergleich: 1980 wurden bei Trunkenheitsfahrten 113 Personen in Mitleidenschaft gezogen. ed