Das Holunder-Gelee ist der Renner bei ihren Gästen. Dazwischen stehen kleine Gläschen mit Mirabellen-Marmelade, Sauerkirsch-Konfitüre und Zwetschgen-Kompott. Wo das herkommt, gibt es noch viel mehr: 250 bis 300 Gläser Selbstgemachtes hat Daniela Büttner eingekocht. Die Übernachtungsgäste der Pension, die sie mit ihrem Mann Holger Amthor in Bad Kissingen führt, freut's: Die regionalen Spezialitäten kommen an, erzählt das Ehepaar. Seit sich die beiden beim sogenannten "fairen Frühstück" mit der Steuerungsgruppe der Kampagne "Fairtrade Town" getroffen hatten, bieten sie noch mehr fair Gehandeltes in ihrem Frühstücksbuffet an.
Susanne Wahler-Göbel leitet die Steuerungsgruppe, die sich darum bemüht, das "Fairtrade-Stadt-Siegel" nach Bad Kissingen zu holen. Im Juni hatte sich die Stadt um die Auszeichnung beworben. Eine knappe Mehrheit im Wirtschaftsausschuss der Stadt beschloss im März, sich an der Fair-Trade-Kampagne zu beteiligen. Innerhalb eines Jahres wollen die Verantwortlichen alle Kriterien erfüllen, um die begehrte Plakette aus Köln zu bekommen (siehe Info-Kasten). Wie ist der Stand zur Halbzeit?

"Am besten läuft die Zusammenarbeit mit den Geschäften", sagt Susanne Wahler-Göbel. Bald zwei Dutzend Kissinger Läden und Firmen beteiligen sich an der Initiative, fair produzierte Ware anzubieten. "Man trifft auf viel Offenheit", sagt Susanne Wahler-Göbel. "Die konkrete Umsetzung dauert dann aber oft." Dass die Bevölkerung inzwischen ein Bewusstsein für ihren Konsum entwickelt, daran zweifelt sie nicht: Woher kommen Dinge und unter welchen Bedingungen werden sie produziert - das hinterfragen einige, meint sie. Dementsprechend zu handeln sei der nächste Schritt, der oft etwas unbequemer ist und länger dauert.


Überzeugungsarbeit leisten

"Ich habe es mir einfacher vorgestellt und gedacht, dass mehr Rückmeldungen kommen", sagt die Leiterin der Steuerungsgruppe. Die Resonanz beim "fairen Frühstück", einer Veranstaltung bei der Produkte mit einem "sauberen Hintergrund" vorgestellt wurden, war gut, erzählt sie. Dennoch: "Man muss Überzeugungsarbeit leisten und aufklären." Ohne Zeigefinger: "Ich will keinem vorschreiben, welchen Kaffee er zu trinken hat."
Faire Süßigkeiten soll es bald beim Sportverein Garitz geben. Der will in seinem Kiosk-Verkauf die Mango-Fruchtgummis anbieten, die auch während der Stadtratssitzungen genascht werden, sagt Christina Scheit (SPD).

Auch auf kirchlicher Ebene will die Gruppe aktiv werden: Im Frühjahr will Susanne Wahler-Göbel Firmlingen und Konfirmanden Kinder- und Jugendprojekte vorstellen, die hinter fairen Produkten stehen. Diakon Robert Klatt findet´s gut: "Gerade Jugendliche haben Offenheit gegenüber Vielem. Fairer Handel und gesunde Ernährung sind aktuelle Themen." Im nächsten Schritt sollen Schulen und Kindergärten angesprochen werden.
Die Pension Amthor hat inzwischen getrocknete Mangos und Cashew-Kerne mit fairem Produktionshintergrund ins Buffet integriert. "Ich finde es einfach Wahnsinn, welche Projekte hinter den Produkten stehen", sagt Daniela Büttner.