Mehrfach hat sich der Stadtrat bereits mit der sinkenden Bevölkerungszahl in Bad Brückenau beschäftigt, nun wagten zwölf Schüler des Franz-Miltenberger-Gymnasiums im Hauptausschuss eine Prognose bis ins Jahr 2035. Bei dem außergewöhnlichen Projekt im Rahmen eines P-Seminars arbeiten die Jugendlichen mit dem Experten für demographischen Wandel, Dr. Rainer Gottwald, zusammen.

Die Idee zu diesem Projekt hatte sein Namensvetter Peter Gottwald, Lehrer am Franz-Miltenberger-Gymnasium. Er arbeitete über ein Jahr mit den Schülern im Rahmen des Seminars zusammen. Den Gedanken, diese Prognose auf die Brückenauer Rhönallianz auszudehnen, hatte er während des Unterrichts. "Da nur drei Schüler aus dem Gebiet Bad Brückenau kommen und die restlichen neun aus dem Altlandkreis sind, sind diese Schätzwerte besonders interessant." Die Schüler waren schnell für das Seminar zu begeistern und voller Eifer bei der Sache. "Es betrifft ja uns" und "einfach war das Projekt nicht", sagt Schüler Martin Hergenröder. Auf ihre Ergebnisse sind sie stolz, immerhin haben die Schüler viel Zeit und Mühen investiert. Jeweils zwei Stunden pro Woche arbeiten sie an ihrem Projekt.

Komplizierte Aufarbeitung

Als Erstes haben sich die Schüler statistische Werte der Einwohnermeldeämter besorgt. "Die anschließende Aufbereitung ist kompliziert, die Daten werden analysiert, und Extremwerte müssen festgestellt werden", sagt Dr. Gottwald. Mit Hilfe dieser Analyse und weiterer wichtiger Faktoren wie Zuzüge, Wegzüge, Sterbefälle und der Ge-burtenquote wurde eine sogenannte Musterpräsentation erstellt.

Es folgten Vergleiche der Prognosen für die Jahre 2011 und 2012 sowie der statistischen Werte. Nach einer erneuten Analyse und Ausarbeitung der Fehlerquote wagten die Schüler eine Prognose für 2035. Ein Ergebnis: In gut 20 Jahren werden die 75- bis 85-Jährigen die stärksten Jahrgänge stellen, während die Zahl der zu erwartenden Schüler um ein Drittel sinken wird. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 ist die Altersklasse zwischen 55 und 65 Jahren überproportional vertreten.

Die Prognose weckte auch das Interesse der Stadtverwaltung. In der Hauptausschusssitzung präsentierten die Schüler ihre Ergebnisse und sorgten für Diskussionsstoff. "Wir müssen unsere Infrastruktur verändern", lautete eine Folgerung aus dem Gremium. "Manche Entscheidung wird uns nicht gefallen", war den Stadträten klar. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) schloss sich der Meinung an, verwies aber auch darauf, dass Bad Brückenau mit "dieser Tendenz deutschlandweit im Trend" liege.

Die Fortführung des praktischen Seminars in Kooperation mit der Stadt soll bestehen bleiben. Wie oder in welcher Form, ist noch nicht bekannt. Des Weiteren liegen Prognosen für die einzelnen Gemeinden der Brückenauer Rhönallianz vor. Diese Ergebnisse sollen den jeweiligen Bürgermeistern und Gemeinderäten nach und nach präsentiert werden. Den Anfang wird dabei die Gemeinde Oberleichtersbach machen.