Vor zwei Jahren beschloss eine kirchliche Stiftung, die sich für Menschen mit Behinderung einsetzt, eine Abteilung in Bad Brückenau zu eröffnen. Seitdem war das Dominikus-Ringeisen-Werk (Münnerstadt) auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie für eine Förderstätte. Nun hat sie sie gefunden: Die Post in der Altstadt.

Zwei Etagen sollen Raum für die Förderung von 30 Menschen mit Behinderung bieten. Das Gebäude ist keine 500 Meter vom neuen Haus Waldenfels entfernt. Dort wird neben Seniorenwohnungen auch eine Wohngruppe für 24 Menschen mit Behinderung entstehen, die von der Stiftung, dem Dominikus-Ringeisen-Werk, betrieben wird.


Glück bei der Suche

Wegen der überraschenden Wende auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie spricht Manuela Drescher, die Abteilungsleiterin der Stiftung, von einer "göttlichen Fügung".

"Das hat sich alles wunderbar ergeben", sagt auch die Vermieterin der Immobilie, Petra Schumm. Vor drei Jahren haben sie und ihr Mann, der eine Schreinerei in Riedenberg betreibt, das Gebäude gekauft. Es sei zwar von Anfang an das Ziel gewesen, mit dem Haus Waldenfels zusammenzuarbeiten, doch da die Post das untere Stockwerk angemietet hatte, waren die restlichen Räumlichkeiten zu klein für eine Förderstätte. So musste die Stiftung weitersuchen. Viele Gebäude waren im Gespräch, keines schien optimal.


Förderung der Selbständigkeit

Überraschend beschloss die Post dann Anfang des Winters, in einen nahegelegenen Supermarkt umzuziehen. Vermieterin Schumm und die Stiftung wurden sich schnell einig. Nun sind die Verträge unterschrieben und die Arbeit in der Förderstätte kann laut Plan schon im Herbst beginnen.

Ähnlich wie in einer Behinderten-Werkstatt werden den Menschen in einer Förderstätte handwerkliche Aufgaben gegeben. "Jeder hat ein Recht auf einen Mehrwert und die Erfüllung, die eine Arbeit mit sich bringt", sagt Anne Hilpert, die künftige Leiterin. "Anders als in einer Werkstatt ist unsere Arbeit aber niederschwellig." Das bedeutet, dass die Menschen dort keine festen Stückzahlen produzieren müssen, keinen Lohn erhalten und neben ihrer Werktätigkeit umfassend gefördert werden. So sollen sie etwa Hilfe beim Kochen und beim Einkaufen bekommen.

"Ziel ist, dass die Menschen soweit wie möglich selbständig leben können", sagt Hilpert. Um das zu erreichen, ist auch mehr Personal nötig: Zehn Mitarbeiter des Hilfswerks werden sich um die 30 Geförderten kümmern.


Vorteile des Standortes

Auch Menschen mit Behinderung aus anderen Gemeinden werden zur Förderung nach Bad Brückenau kommen. Der Großteil wird jedoch im Haus Waldenfels wohnen. "Die Stadt Bad Brückenau hat viele Vorteile", meint Anne Hilpert. So ist die Förderstätte nur ein paar hundert Meter vom Haus Waldenfels entfernt. Außerdem sind Altstadt und Kurpark bequem zu Fuß zu erreichen, "und die Wege sind barrierefrei", so Bürgermeisterin Brigitte Meyerdirks (CSU).


Nahe Wege

"Frau Meyerdierks hat sich von Anfang an für uns stark gemacht und darum gekümmert, dass wir hier gut aufgenommen werden", sagt die Abteilungsleiterin der Stiftung, Manuela Drescher. Meyerdierks lobt daraufhin die Bad Brückenauer für ihre Offenheit: "Hier wird das gut funktionieren. Man hört auch von Bewohnern der Entzugsklinik, dass sie in Bad Brückenau nicht auf Vorurteile stoßen, sondern behandelt werden wie jeder andere auch", sagt sie.

Der häufig verwendete Begriff "Inklusion" bedeutet, dass Menschen mit Behinderung so gut es geht am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Wegen der nahen Wege wird es bald zum Alltagsbild in Bad Brückenau gehören, dass die Bewohner des Hauses Waldenfels auf dem Weg zur Förderstätte und zurück in der Mitte der Stadt unterwegs sind.


Wie die anderen auch

Und von der Terrasse, die aus dem jetzigen Eingang der Post entsteht, "können sie dann die Leute beobachten und tratschen", sagt Meyerdierks mit einem Zwinkern. Wie die anderen eben auch.