Die geplante Stromtrasse ist ein Thema, das die Menschen im Landkreis zur Zeit wohl am meisten bewegt. Nach Ansicht des Bund Naturschutz müsse der Ausbau der Stromnetze dem Ausbau der erneuerbaren Energien folgen und nicht umgekehrt. Ein um Jahre verzögerter Netzausbau führe zu keinen höheren Gesamtkosten. Das Gegenteil sei der Fall: Fehlinvestitionen würden vermieden, wenn der Netzausbau dem Bedarf folge. Das ist die gemeinsame Position des Bund Naturschutz in Bayern (BN) und des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Bereich Windkraft ausklammern

Für die Diskussion scheint es dem BN sinnvoll, sich auf den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschränken und nicht noch das Thema "Windkraft" mit der von Ministerpräsident Horst Seehofer favorisierten 10-H-Regelung hineinzupacken.
Die Bürger seien nicht Opfer der Politik und müssten nicht warten, bis die offenen Fragen entschieden sind. "Wir könnten sofort reagieren,", so Franz Zang, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen, "Denn die Notwendigkeit und die Dimensionierung von Stromtrassen sind abhängig davon, ob die Bayern möglichst bald möglichst viel grünen Strom selbst erzeugen." Der BN setze nach wie vor auf eine dezentrale und verbrauchsnahe Stromerzeugung. Auch werde es Zeit, nicht einseitig auf den Ausbau der Windenergie auf dem Land zu setzen. Der Ausbau der Photovoltaik (PV) vor allem in den Städten und auf den Flachdächern der vielen Industrieanlagen stehe noch zu wenig im Blick.
Die starke Absenkung der Einspeisevergütung habe offenbar bei vielen Menschen die Überzeugung ausgelöst, PV-Anlagen seien nicht mehr rentabel oder sinnvoll. Das Gegenteil sei eher der Fall, erklärt der Bund Naturschutz. Schon 2013 sei die sogenannte "Grid parity" erreicht, eine Tendenz, die sich deutlich fortsetze: Das heißt, dass selbst für kleinere Aufdachanlagen der Gestehungspreis des Solarstroms deutlich unter dem Preis für Haushaltsstrom liegt.

PV-Strom rentabel

Der Eigenverbrauch mache PV-Strom rentabel, das sei die wichtige Nachricht. Großverbraucher und Großinvestoren hätten dies längst erkannt: sie richten ihre PV-Anlagen nicht mehr nur nach Süden aus, die Ausrichtung auch nach Ost- und Westrichtung verstetige das Stromangebot über den Tag und steigere so den Eigenanteil. Dieses Vorgehen nehme auch den Vorbehalten gegen den PV-Strom ihr Gewicht, denn eine veränderte Ausrichtung und eine geringere Neigung der PV-Anlage verteile den Ertrag besser auf den Tag.
Immer wieder würden die fehlenden Stromspeicher als Argument gegen die Erneuerbaren angeführt. Aber man könne ja zusehen, wie schnell sich die Leistungsfähigkeit der Speicher erhöhe und gleichzeitig die Kosten sinken, so der BN. Es gebe bereits die ersten Händler, die mit einer Solaranlage einen Stromspeicher anbieten, der den zum Beispiel in der Mittagszeit im Netz vorhandenen Spitzenstrom kostenlos einspeichert. Damit könnte nicht nur die Überlastung der Netze verhindert, sondern auch der Eigenbedarf auf bis zu 80 Prozent gesteigert werden. Dafür müssten aber einige Rahmenbedingungen erfüllt sein: Eine klare Aussage für die Vorfahrt der erneuerbaren Energien im Netz und es dürfe keine Mengensteuerung bei der Photovoltaik geben, fordert der BN.
Der BN lehne als Umweltverband die geplante Stromtrasse auch aus Gründen des Landschaftsschutzes ab, die den Zielen des Biosphärenreservates widersprechen würden.