Die Vorfreude lässt sich regelrecht mit Händen greifen, wenn der Förderkreis Europäische Städtepartnerschaften seine Reise ins französische Ancenis plant. Und ein bisschen Nervosität ist auch dabei, denn schließlich ist es kein gewöhnlicher Austauschbesuch wie sonst. Im vergangenen Jahr feierte die Partnerschaft zwischen den Städten 30. Geburtstag. Wegen des hiesigen Stadtjubiläums wurden die Feierlichkeiten auf das Wochenende vom 25. und 26. August verschoben. Die Vorbereitungen für das Fest laufen - in beiden Städten - auf Hochtouren.

Wiedersehen mit der Gastfamilie

"Natürlich müssen wir etwas singen", wirft Helga Weißenberger in die Runde der Reiselustigen und erinnert daran, wie bei einem der vergangenen Besuche ein Ständchen quasi aus dem Stegreif hervorgezaubert werden musste. Das soll in diesem Jahr nicht wieder vorkommen. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) schlägt spontan das Franken- und das Kreuzberglied vor. Ein Glück, dass die Reisegruppe große musikalische Unterstützung von den Georgibläsern bekommt. Zum letzten Mal fährt Andreas Kleinhenz mit seiner Truppe mit. Der langjährige Dirigent der Georgis wird sein letztes Konzert am Ufer der Loire geben.
Laura Ziegler aus Eckarts freut sich ganz besonders auf die Reise nach Frankreich. "Dann sehe ich meine Gastfamilie wieder. Die sind damals ganz spontan bei uns gelandet", erzählt die Schülerin des Franz-Miltenberger-Gymnasiums. Vor zwei Jahren reichten ihre Französischkenntnisse gerade einmal aus, um das Nötigste auszudrücken. Aber es war genug, um sich mit den Kindern der Austauschfamilie zu verständigen. Ganz kurzfristig waren die nämlich bei Laura zuhause eingezogen, wenn auch nur für ein paar Tage. Der Kontakt aber ist geblieben. Diesmal wird Laura bei "ihrer" Familie Mercier-Lequeux wohnen und so ein Stück der französischen Kultur kennenlernen.

Zeremonie am Kriegerdenkmal

Mit von der Partie sind auch Lauras Großeltern Franz und Anneliese Jäger. Helga Weißenberger beschreibt die beiden als "Leute, die den europäischen Gedanken seit mehr als 30 Jahren leben". Als es darum ging, wer in Ancenis einen Kranz niederlegt, fiel die Wahl aus eben diesem Grund auf Franz Jäger. Auf dem Rathausplatz in der französischen Partnerstadt erinnert ein Denkmal an die Soldaten, die im Krieg gefallen sind. Dass jetzt seit Jahrzehnten Frieden zwischen den Ländern herrscht, auch dass soll in der Zeremonie gefeiert werden.
Als Dankeschön an die Gastgeber hat sich Brigitte Meyerdierks ein symbolträchtiges Geschenk ausgedacht. In diesen Tagen malt Konrad Albert aus Hammelburg den Brunnen auf dem Marktplatz. "Im Gespräch" lautet das Motto, unter dem das Wahrzeichen der Stadt steht. Zu sehen sind zwei Männer und eine Frau. "Das ist ein Bild für die drei Bürgermeister der drei Partnerstädte", erklärt Meyerdierks. Denn das englische Kirkham pflegt ebenso zu beiden Städten eine langjährige Partnerschaft. So wird die Idee der "europäischen Triangel" ein Stück Wirklichkeit.
Gegen Ende des Vorbereitungstreffens rückt noch ein wichtiger Punkt auf die Tagesordnung: Die klassischen Fettnäpfchen. "Denkt daran, dass die Franzosen sich sehr viel Zeit beim Essen lassen", rät Weißenberger. Außerdem ist es dort jetzt Pflicht, einen Alkoholtest im Auto mitzuführen. Auch an die Küsschen zur Begrüßung müssen sich einige erst gewöhnen. Aber: "So wirklich etwas falsch machen, kann man wohl nicht. Ein nettes Lächeln, dann ist alles wieder gut" beruhigt Hubert Töpfer die Gemüter.