Die drei Stufen sind die Albertshäuser viele tausend Male rauf und runter gelaufen. Mit einem Bauernbrot unter dem Arm oder den Wocheneinkäufen im Korb. Sie haben Mulden in der Treppe aus Sandstein hinterlassen. Heute führen die Stufen von der Garage in den Garten. Die neuen Besitzer wollten die Treppe erhalten. So wie "alles, das erhaltenswert ist". Das Ehepaar Aulbach hat das Anwesen neben der Gaststätte mitten im Ort gekauft. Mitsamt seiner Geschichte, dem Kuhstall und dem Sanierungsbedarf.

Wo vor 50 Jahren einmal der Ofen der Bäckerei stand, schläft jetzt das Pärchen, das vor einigen Wochen eingezogen ist. Das Sofa der beiden, steht da, wo einmal die Brötchen über die Ladentheke gereicht wurden. Keller, Lebensmittelgeschäft, Bäcker, wieder Keller - jetzt schmucke Wohnung. Eine von zweien im Haus in der Albertshausener Straße 6, das jetzt in Sonnenblumengelb leuchtet. Die Lieblingsfarbe von Annabell Aulbach. Sie hatte sich verliebt, Albin Markert verkauft.


Hotelier haucht Haus Leben ein

Seit seine Mutter im Jahr 2000 gestorben war, stand das Haus leer. Albin Markert hatte es immer für die Kinder aufgehoben. Er sorgte für das Wesentliche, hielt das Tor zur Straße hin sauber. Die Fassade bröckelte. Ihr war die Lage an der Straße anzusehen. "Es wurde höchste Zeit", sagt Albin Markert. Zuerst wollte er das Haus abreißen und nur das Grundstück zum Verkauf anbieten. Dann die Besichtigung mit den Aulbachs: Noch am Abend rief ihn der Hotelier an. Sie machten einen Termin beim Notar. Das alte Bauernhaus im Ortskern von Albertshausen wurde verkauft und wieder zum Leben erweckt.


Förderungen einfordern

Nicht immer haben die Geschichten um alte Anwesen wie das in Albertshausen ein Happy-End. Cordula Kuhlmann will helfen, dass öfter welche geschrieben werden. Sie ist Regionalmanagerin beim Landratsamt Bad Kissingen. Mit ihrem Team hat sie sämtliche Förderprogramme im Blick und weiß, welches für wen in der jeweiligen Situation das passende ist.

Kommune, Land, Bund: für verschiedene Projekte werden verschiedene Töpfe angezapft. Bei Bürgermeisterdienstbesprechungen und Vor-Ort-Veranstaltungen in den Gemeinden hält sie die Bevölkerung und die Gemeindeoberhäupter immer wieder auf dem Laufenden. Seit 2009 steht das Thema "Ortskernrevitalisierung" verstärkt auf der Agenda. Das gelingt nur, wenn das Bürgermeister und Bewohner gleichermaßen anpacken, meint sie.
"Die Kommune muss dahinterstehen, dann ziehen die Privatleute mit", sagt sie. Sie will ermutigen, aufklären, beraten. Oft ist es nicht so unmöglich, wie es scheint, meint sie. Speziell bei denkmalgeschützten Häusern im Herzen der Ortschaften.

Ein Leerstand kann eine Chance für eine Kommune sein, meint Gotthard Schlereth, Bürgermeister der Gemeinde Oberthulba. Bewohner könnten ihre Grundstücke abrunden, neu zuschneiden. Junge Familien versucht er, den "Charme der Altorte" schmackhaft zu machen. Dafür müssen die Grundlagen passen: eine gute Infrastruktur. Von Wasser bis Wlan. "Man hat auch in kleinen Straßen einen Innenhof-Charakter", sagt er. Und außerdem: Einen Bauplatz, an dem ein Bach vorbeifließt, solle man erst mal finden.


Wen zieht es ins Innere?

Auf die Devise "Altort statt grüne Wiese" lassen sich vor allem diejenigen ein, die eine emotionale Bindung zu einem Haus im Ortskern haben. Marode oder nicht. Ein Dutzend Anträge laufen in der Gemeinde seit dem Startschuss der Förderprojekte vor drei Jahren.

Weitestgehend verschont, nennt Bürgermeister Dieter Muth seine Gemeinde. Hartnäckige Leerstände der vergangenen Jahre haben sich in den letzten Monaten gelöst, ohne dass die Gemeinde aktiv werden musste. Kinder oder Enkel sind eingezogen oder vermieten die Gebäude. "Ich bin froh, dass wir uns darüber noch keine Gedanken machen mussten", sagt Dieter Muth. "Noch sind wir in der glücklichen Lage."

Das Landratsamt fragt derweil die Leerstände in allen Kommunen ab. Noch in diesem Jahr soll eine Börse auf der Kreis-Website abrufbar sein, die diese auflistet.
Albin Markert ist froh, dass sein Elternhaus im Herzen von Albertshausen wieder strahlt. Heizung, Bäder, Leitungen, Böden - alles ist neu. Was jetzt noch fehlt, ist der Garten. Die Treppe aus Sandstein ist schon da. Und die Mulden wollen weitergeschliffen werden.