Die jüngste Bevölkerungsprognose hat es einmal mehr gezeigt: Der Landkreis Bad Kissingen ist einer der ältesten in Bayern. Auf 49,7 Jahre soll das Durchschnittsalter bis zum Jahr 2034 steigen. Kein Wunder, dass der Landkreis Bad Kissingen ein so genanntes seniorenpolitisches Gesamtkonzept in Auftrag gegeben hat. In einem ersten Schritt wurde der Pflegebedarfsplan aktualisiert, im Sommer 2015 folgte eine repräsentative Seniorenbefragung: 5376 Einwohner der Generation 65plus wurden angeschrieben, 1670 beteiligten sich. Ergebnis: "Es hat sich vieles verbessert, aber die Senioren haben heute einen ganz anderen Anspruch", fasst Diplom-Soziologe Manfred Zehe die Antworten zusammen.
Abgefragt wurde unter anderem, was die Senioren im Bereich Seniorenhilfe vermissen. Dabei waren Mehrfachnennungen möglich: Ein Fünftel (20,3 Prozent) nannten Fahrdienste, 18,4 Prozent Seniorenheime, 14,4 Prozent Betreutes Wohnen, 11,8 Prozent Einkaufsdienste sowie jeweils 10,5 Prozent Tages- und Kurzzeitpflege. Aber auch Seniorentreffs, Mehrgenerationenwohnungen oder Beratungsdienste tauchen auf. Zehe, der auch bereits den Pflegebedarfsplan erarbeitet hatte, verwies darauf, dass es in vielen Bereichen durchaus Verbesserungen gebe, aber: "Es wird mehr getan für Senioren, aber die Senioren sind eben auch kritischer geworden."
Bereits im Jahr 2005 hatte es eine Seniorenbefragung gegeben. Bei der Vorstellung der aktuellen Ergebnisse im Kreisausschuss stellte Zehe gleich mehrfach fest, dass sich etliche Bewertungen verschlechtern: Vor allem im Altlandkreis Bad Brückenau ging es nur in zwei Themenfeldern aufwärts, aber in 24 abwärts. Im Raum Hammelburg blieben elf Beurteilungen gleich, sieben Trends fielen besser, neun schlechter aus. Im Versorgungsbereich Ost, also dem Raum Bad Kissingen und Münnerstadt, gab es 19 Verbesserungen und nur eine Verschlechterung.


Nur Privathaushalte gezählt

Laut der Studie lebten im Sommer 23 575 Menschen ab dem 65. Lebensjahr in Privathaushalten im Landkreis Bad Kissingen. "Die Seniorenheime haben wir vorher herausgerechnet", berichtet Zehe. 758 Männer und 912 Frauen beteiligten sich an der Befragung, davon waren insgesamt 842 zwischen 65 und 74 Jahre alt, 828 waren mindestens 75. Aus dem Altlandkreis Bad Brückenau kamen 331 Fragebögen zurück, aus dem Raum Hammelburg 396 und aus dem Raum Bad Kissingen 943.


Im Schnitt 51 Jahre vor Ort

Nur 22,2 Prozent aller Senioren leben alleine in einem Haushalt, die überwiegende Mehrheit, nämlich 73,1 Prozent, leben mit ihrem Ehepartner oder Lebensgefährten zusammen. Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte geht dabei ab dem 80. Lebensjahr erheblich nach oben. Bei gut der Hälfte der Senioren wohnt ein Kind entweder mit im Haus oder zumindest in der selben Gemeinde.
78 Prozent der Befragten leben schon mindestens 30 Jahre, 43 Prozent sogar schon mindestens 60 Jahre in ihrer Heimatgemeinde. Der Durchschnitt liegt bei 51 Jahren. Rund ein Viertel der Senioren wohnt schon mindestens 50 Jahre in der gleichen Wohnung und 81,9 Prozent gehört diese Wohnung auch selbst. Im Raum Hammelburg leben sogar nur 11,3 Prozent der Senioren zur Miete.

Laut der Seniorenbefragung sind 22,5 Prozent der Generation 65plus ehrenamtlich aktiv. Gerade bei den 70- bis 80-Jährigen engagieren sich vor allem die Männer, vor allem in Vereinen und Verbänden, während Frauen vor allem in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden anpacken. Von denen, die nicht ehrenamtlich aktiv sind, geben immerhin 16 Prozent an, dass sie sich durchaus einbringen würden. Rückläufig gegenüber der Befragung 2005 ist die Zahl der Vereinsmitglieder: 42 Prozent derer, die antworteten, sind in mindestens einem Verein. Spitzenreiter mit 24,4 Prozent sind die Sportvereine gefolgt von den Musikvereinen mit 10,5 Prozent, allerdings jeweils mit rückläufigem Trend.


Radwege und Gaststätten fehlen

Rund die Hälfte aller Senioren nutzen regelmäßig Freizeitangebote außer Haus, 13 Prozent sogar mehrmals in der Woche (siehe Grafik auf der Titelseite). Favoriten sind kirchliche Aktivitäten, Seniorenfahrten, Seniorensport und kulturelle Termine. Drei Viertel aller Vereinsmitglieder nehmen deren Aktivitäten in Anspruch, knapp ein Viertel mehrfach wöchentlich. Nur 46 Prozent beurteilen die Freizeitmöglichkeiten in ihrer Gemeinde als ausreichend. Wobei den meisten Begegnungsstätten (29,1 Prozent) und Möglichkeiten für Seniorensport (18,5 Prozent) fehlen. Besonders negativ kommen - vor allem im Norden des Kreises - Radwege, öffentliche Verkehrsmittel, das Angebot an Gaststätten und Besuchsdienste sowie Bildungsangebote für Ältere weg.