Das Problem bei der Urteilsfindung in dem Prozess eines wegen Hehlerei und Diebstahls angeklagten 26-Jährigen war, dass das Gericht eine Haftstrafe eigentlich verhindern wollte. Nun war der Angeklagte bereits zwei Jahre vorher zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre, verurteilt worden.

Es musste also beim heutigen Prozess eine Gesamtstrafe gebildet werden, was zur Folge hatte, dass das angemessene Strafmaß drei Jahre hätte betragen müssen. Ab zwei Jahren kann eine Strafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.

"Ein Winkelzug" in Form einer Geldstrafe war nötig, wie der vorsitzende Richter des Amtsgerichts Bad Kissingen, Matthias Göbhardt, in seiner Urteilsbegründung sagte. Und so verurteilte das Schöffengericht den Angeklagten zu zwei Jahren und 360 Tagessätzen zu je 50 Euro. Ausgesetzt wurde die Strafe auf fünf Jahre zur Bewährung - die höchstmögliche Zeit. Zusätzlich muss der Angeklagte 3000 Euro für einen gemeinnützigen Zweck bezahlen. "Sie bluten finanziell nicht schlecht", sagte Göbhardt.

Es begann mit den Diebstählen. 20 Fälle legte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zur Last. Der Tatort: das Munitionslager der Infanterieschule in Hammelburg. Über mehrere Monate, von August 2012 bis Januar 2013, haben der Angeklagte (damals Zeitsoldat), sowie ein weiterer Kamerad Munitionshülsen aus dem Lager entwendet, einem dritten, damals ebenfalls Mitglied der Bundeswehr, übergeben, der die Hülsen schließlich verkaufte. Der Messingpreis lag damals bei rund vier Euro pro Kilo. Im Schnitt einmal in der Woche wurden so sieben bis acht Säcke pro Lieferung a 30 Kilogramm aus dem Lager entwendet, die beiden Kameraden bekamen je 60 Euro für eine Lieferung.

"Wir saßen nur herum, hatten nichts zu tun, da muss man ja auf dumme Gedanken kommen", hatte der Angeklagte einen möglichen Grund für die Tat angegeben. Im Januar 2013 war der Angeklagte dann unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen worden - wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Der 26-Jährige hatte nicht nur kein regelmäßiges Einkommen mehr, sondern musste auch die Prämie von mehreren Tausend Euro für eine Weiterverpflichtung zurückzahlen.

Kurzum, der Angeklagte hatte Geldprobleme, als er im April 2013 seinem Kameraden von damals anbot, die gestohlenen Munitionshülsen selbst verkaufen zu wollen - zu einem höheren Preis als der bisherige Hehler. 400 Euro zahlte der Angeklagte pro Lieferung. Zwischen zwölf und 15 Lieferungen sollen so bis zum Juli 2013 erfolgt sein.

Und so kam zu den Diebstählen noch der Tatbestand der Hehlerei dazu; denn: Auch wenn sich der Angeklagte, wie Richter Göbhardt in seiner Urteilsbegründung sagte, nicht wirklich bereichert habe, war ein planbares Vorgehen erkennbar, das auf einen längeren Zeitraum angelegt gewesen war - Merkmale, die den Tatbestand der gewerbsmäßigen Hehlerei erfüllen.

Aufgeflogen waren die Männer im Sommer 2013, weil sie bei einer der Übergaben von einer am Grundstück angebrachten Überwachungskamera gefilmt wurden.

Am 29. Juli 2014 war damals Anklage erhoben worden, seitdem waren vier Verhandlungstermine angesetzt gewesen, dreimal war einer der Zeugen nicht erschienen, einmal war der Angeklagte selbst krank. Auch das, die lange Zeit die inzwischen seit der Tat vergangen war, wurde vom Gericht positiv für den Angeklagten gewertet. Die drei Mittäter sind längst abgeurteilt, der Angeklagte selbst hat inzwischen geheiratet, versucht sich mit einer Geschäftsidee selbstständig zu machen. Eine positive Sozialprognose also. Das und die Tatsache, dass der Angeklagte geständig war, sich an alle Bewährungsauflagen bislang gehalten hatte, eine frühere Geldstrafe anstandslos gezahlt und sich rechtstreu verhalten hatte, waren am Ende Grund genug für das Gericht, ein Urteil zu finden, das noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann - die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert.

Was die Diebstähle angeht, so hat die Bundeswehr nach den Vorfällen in der Lagerhalle die Kontrollen verstärkt, alle Ein- und Abgänge von Munitionshülsen werden seither akribisch und nach dem Vier-Augen-Prinzip erfasst.