In den Patientenzimmern ist zu spüren, wie die Gesellschaft altert. Chefarzt Tobias Goebel leitet die altersmedizinische Abteilung in der Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau. Die Geriatriepatienten, die auf der Station behandelt werden, sind im Durchschnitt 81 Jahre alt. Mehr als jeder Dritte leidet an Demenz. Sie kommen wegen internistischen und neurologischen Erkrankungen, urologischen Problemen, Sturzverletzungen. "Es gibt kein spezielles Krankheitsbild. Voraussetzung für eine geriatrische Behandlung sind Funktionsstörungen", erklärt der Arzt. Die Patienten können lebenswichtige Dinge nicht mehr erledigen. "Teilhabedefizit", nennt er das.


Demenzforum für den Landkreis?

Immer mehr Menschen sind auf eine altersmedizinische Versorgung angewiesen. "Das Durchschnittsalter aller Patienten, die zu uns kommen, liegt bei 65 Jahren", sagt Sabine Hein, Verwaltungsdirektorin der Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau. Das hohe Alter macht sich bemerkbar: In der Geriatrie sind die Fallzahlen in den letzten vier Jahren um 25 Prozent gestiegen. "Die demografische Entwicklung bleibt nicht aus. Wir sind auf dem Land noch mehr betroffen", sagt Hein. Die Klinik müsse dementsprechend weiter entwickelt werden, etwa indem sie Demenz sensibel ausgerichtet wird. Das Personal wird geschult, in den Gängen sind spezielle Bilder zur Orientierung angebracht. "Wir testen außerdem Patientenidentifikationsbänder", sagt Hein.

Die Franz von Prümmer Klinik nimmt beim Demenzforum Fulda teil. Dort setzen unterstützt von dem hessischen Landkreis, vor allem Pflegeeinrichtungen und Sozialverbände für eine bessere Demenzversorgung ein. Laut Chefarzt Goebel strebt die Klinik an, nach dem Vorbild ein Demenzforum im Kreis Bad Kissingen zu initiieren. "Hier gibt es erste Überlegungen", sagt er.

Im St. Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen sind die Patienten im Schnitt ähnlich alt wie in der Bad Brückenauer Klinik: 64,8 Jahre, ohne dass die Kinderheilkunde miteingerechnet wird. Angesichts der Altersstruktur am Standort hat die Klinikleitung unlängst angekündigt, ab Oktober eine Abteilung für Akutgeriatrie aufzubauen.
Ein notwendiger Schritt, zumindest wenn die Erwartungen der AOK zutriffen. Der Krankenkasse zufolge wird der Bedarf an akutgeriatrischen Angeboten in bayerischen Krankenhäusern in den nächsten Jahren steigen. "Schon 2020 ist mit 545.000 Patienten in dieser Altersgruppe (80 Jahre und älter, Anm. d. Red.) zu rechnen", verweist eine Sprecherin auf Anfrage auf eine Hochrechnung. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren bayernweit 336.000 Krankenhauspatienten über 80 Jahre. Nach Einschätzung der AOK decken die akutgeriatrischen Kapazitäten in Bayern momentan den Bedarf, auch in ländlichen Regionen. "Im Gegensatz zu anderen Bundesländern haben wir in Bayern bereits frühzeitig auf die besonderen Versorgungsbedürfnisse der Zukunft reagiert", heißt es.

Der Bad Brückenauer Chefgeriater Goebel sieht das etwas kritischer. Im Vergleich etwa zu Hessen werde der Ausbau von Akutgeriatrien in Bayern erst seit relativ kurzer Zeit fokussiert und müsse noch weiter vorangetrieben werden. Dennoch gibt es hier Erfolge: Laut AOK haben sich die Bettenkapazitäten innerhalb von sieben Jahren versechsfacht.

Die Lage ist anders bei Einrichtungen mit geriatrischer Reha, in denen die Patienten im Anschluss behandelt werden. Hier werden keine neuen Betten geschaffen, obwohl die Auslastung nach wie vor hoch ist. Harald Barlage, Geschäftsführer im Rehazentrum Bad Bocklet, macht die Finanzierung verantwortlich. "Rehageriatrie ist unterfinanziert", sagt er. Im Akutsegment sei die Fallpauschale besser. Barlage kritisiert, dass dem Reha-Fachbereich geschadet wird. Es sei nicht verwunderlich, wenn Rehakliniken aus der Altersmedizin aussteigen.