Allerdings sind schon eine ganze Reihe von uns (18) nicht mehr am Leben. 34 stellten sich damals der Reifeprüfung und alle 34 schafften das Abitur 1951. Zurückblickend müssen wir feststellen, dass sich in den folgenden 65 Jahren doch sehr Vieles verändert hat.

Wir lernten noch das Einmaleins auswendig und multiplizierten oder teilten noch mit Kopf und Hand umständlich auf einem Schmierzettel und rechneten mit der Logarithmentafel. Dann kam der Rechenschieber und es folgte der Taschenrechner, der heute in jedem Smartphone enthalten ist.

Schlechte, oft kaum leserliche "Vervielfältigungen" mussten damals noch mit Hilfe von Spiritus getränkten Matritzen hergestellt werden. Daraus bestanden vielfach unsere entnazifizierten Lernunterlagen. In der immer als gut beschriebenen alten Zeit fuhr man mit der Eisenbahn, dem Bus oder dem Drahtesel oder ging zu Fuß.
Die medizinische Versorgung war nach dem Krieg auch noch eine andere: So starben damals an der Oberschule noch zwei Mitschüler an Blinddarmentzündung, einer an Gehirnhautentzündung und einer an Tuberkulose. Letzteres war aber viel häufiger als öffentlich zugegeben.


Fahrschüler aus der Umgebung

Zum Telefonieren musste man sich eine Telefonzelle suchen und dann dort oft lange anstehen. Fahrschüler: gab es damals auch schon. Es waren aber nicht mehr die Schweinfurter, deren Schulen zerbombt waren, sondern die Kinder vieler Familien, die nach dem Krieg in den Dörfern des Landkreises eine neue Heimat gefunden hatten. Dazu kamen die Realschüler aus Hammelburg, die für zwei Jahre nach Bad Kissingen fahren mussten, um das Aitur an der Oberrealschule machen zu können. Im Amtsjargon hießen sie "Auswärtige", für uns waren es die Fahrschüler, die den Lehrern die Strafe des Nachsitzens vermasselten, weil sie an Fahrpläne gebunden waren.

Aus dem Jahresbericht 1950/51 des Realgymnasiums Bad Kissingen kann man noch einiges mehr herauslesen: Die Schülerzahl im Schuljahrgang 1950/51 betrug insgesamt 40, davon 14 "Ostflüchtlinge". Letztere machten somit 35 Prozent der Gesamtschülerzahl aus , was einem Bevölkerungszuwachs um 53,8 Prozent entsprach.Es waren damals keine Flüchtlinge, sondern Vertriebene aus deutschsprachigen Gebieten mit der gleichen Bildung und Religion. Viele von Ihnen waren alsbald unsere Lehrer, auch an den höheren Schulen. Von ihnen kamen etwa 18 Prozent aus den heute polnischen Gebieten Schlesiens und Ostpreußens, und rund sechs Prozent aus dem heute tschechischen Sudetenland.


Die Vertriebenen aufgenommen

Wir haben es 1945/1946 also geschafft", 53,8 Prozent mehr Menschen in unserem ausgebluteten und kleiner gewordenen deutschen Land aufzunehmen und unterzubringen. Zusammen mit ihnen gelang der Wiederaufbau des Landes. Viele Vertriebene gingen Ehen mit Einheimischen ein.

Alle von uns Abiturienten haben es zu etwas gebracht. Viele studierten. Wegen des sehr guten Mathematik- und Physikunterrichts durch Studienrat Heermann entschieden sich eine ganze Reihe der Jungs in ihrem späteren Beruf für ein technisches Fach.

Nachzutragen ist: Von den noch lebenden Abiturienten kamen zu diesem Jubiläumstreffen im "Bayerischen Hof" in Bad Kissingen: neun Abiturienten, vier Ehefrauen und eine Witwe. Die Zahl der Jahre fordert ihren Tribut. Das Reisen ist vielen zu beschwerlich geworden. Einem, er ist ein emeritierter Professor in New York, war verständlicherweise der Weg zu weit.

Und noch etwas ist vielleicht interessant: Nur acht der übrigen 22 Abiturienten haben es fertig gebracht, auf die Kommunikation mit dem Computer umzusteigen.