Wer würde heute noch 500 Euro für einen Kirchenneubau spenden? Oder sich an den Bauarbeiten beteiligen? Vor nicht allzu langer Zeit, Mitte des 20. Jahrhunderts, war das noch üblich, beispielsweise in Katzenbach.
Dort hatten die Bewohner nur ein zwei Jahrhunderte altes, kleines Kirchlein, das noch nicht einmal zehn Meter lang und etwas über fünf Meter breit war. Deshalb sollte ein neues Gotteshaus gebaut werden. Doch es fehlte das Geld dafür. Denn der 1912 gegründete Kirchenbauverein konnte nur 7000 D-Mark vorweisen. Sein in den Jahrzehnten zuvor gesammeltes Vermögen fiel zunächst der Deutschen Inflation zwischen 1914 und 1923 und später der Währungsreform 1948 zum Opfer.


Mit Liste von Haus zu Haus

Zu Beginn der 1950-er Jahre schafften es die Katzenbacher aber, binnen kürzester Zeit rund 26 000 D-Mark für einen Kirchenneubau zu sammeln. "Pfarrer Gerhard, Bürgermeister Wilhelm Schramm und Kirchenpfleger Engelbert Metz gingen dann mit einer Zeichnungsliste von Haus zu Haus", schreibt der bereits verstorbene Robert Metz in der Festschrift "30 Jahre Neue Kirche Katzenbach" von 1986. Ursprünglich sollten pro Haushalt 500 D-Mark eingesammelt werden, was sich aber nicht jede Familie leisten konnte. Doch dank einiger "hochherziger Spender" kam trotzdem genügend Geld zusammen.
Zudem hatte die katholische Landjugendgruppe Theater gespielt und konnte Einnahmen in Höhe von 2000 D-Mark beisteuern. Somit wuchs das Startkapital des Kirchenbauvereins auf 35 000 D-Mark an. Und es folgten weitere, heutzutage unvorstellbare Spendenaktionen.
So erbettelte Bürgermeister Wilhelm Schramm unter anderem bei den Nachbargemeinden Lauter, Stralsbach, Zahlbach, Burkardroth, Schlimpfhof, Hassenbach und Oberthulba sowie privaten Waldbesitzern das nötige Bauholz. Beim Staatsforst handelte das Ortsoberhaupt einen günstigen Kaufpreis aus. Schließlich organisierte er in Frankfurt am Main auch noch ein Treffen gebürtiger Katzenbacher. Heute würde man Sponsorentreffen dazu sagen. "Auch sie spendeten reichlich", so der Chronist.
Im Oktober 1955 wurde schließlich das alte Kirchlein abgerissen, und die Bauarbeiten für den 20 Meter langen und knapp zwölf Meter breiten Kirchenneubau konnten starten. Dabei packten die meisten der 287 Einwohner kräftig mit an. Sie verrichteten beispielsweise beim Erdaushub für die Fundamente oder beim Fußbodenbau im Kirchenschiff "Frondienste", schildert Robert Metz. Auch die Treppe zur Empore und der Aufgang zum Turm wurden in Eigenleistung erstellt. Etliche Handwerker, wie etwa der Fliesenleger Alfons Geis oder der Schreiner Isidor Fehr arbeiteten für "Gotteslohn", ist nachzulesen.


Damals ein großes Fest

Bereits am 15. August 1956 konnte das neue Katzenbacher Gotteshaus vom Generalvikar, Johannes Fuchs, eingeweiht werden. Es wurde ein großes Dorffest gefeiert, von dem in der Museumsscheune von Heinrich Muth noch einige Fotografien zu sehen sind.
Nun, zum 60. Geburtstag der Kirche, haben die Verantwortlichen des Pfarrgemeinderates und der Kirchenverwaltung ein kleines Fest geplant. "Wir veranstalten am Sonntag einen Familiennachmittag", erklärt Kirchenpfleger Ewald Metz. Die Feierlichkeiten beginnen um 10 Uhr mit einem Dankgottesdienst. Anschließend ziehen alle zum Vereinsheim. Hier ist für Essen und Trinken gesorgt.