"Es ist nicht Aufgabe unseres Vereins, für Ferienbetreuung zu sorgen, sondern es ist unser aller Aufgabe", betonte gleich zu Beginn Vorstandsmitglied Christine Müller. "Aber es ist mir eine Herzensangelegenheit." In den vergangenen zwei Jahren hat sie eine zweiwöchige Betreuung in den Sommerferien unter Aufsicht von Erziehern organisiert. Dank großzügiger Unterstützung von Sponsoren konnte der Elternbeitrag mit 40 Euro pro Woche niedrig gehalten werden. Auch heuer will Müller eine solche Betreuung ein drittes, aber letztes Mal organisieren. Dies sei aber noch nicht gesichert, bat sie um Sponsoring.

Doch wie soll es weitergehen? Schulkinder haben insgesamt 13 Wochen Ferien im Jahr, alleinerziehende Mütter oder Väter nur sechs Wochen Urlaub. "Früher gab es funktionierende Nachbarschafts- oder Verwandtschaftsbeziehungen", legte Vereinsvorsitzende Ebba-Karina Sander den Finger in die Wunde. "Heute ist es eine immer drängender werdende Bürde für den Staat." Das in vielen Gemeinden angebotene Ferienprogramm sei keine Alternative, da deren Programme nur sporadisch angeboten würden und keine ganztägige Beaufsichtigung während der Arbeitszeit der Eltern garantierten. "Als Alleinerziehende fühlt man sich allein gelassen", klagte eine junge Mutter. "Meine Kinder sind nicht das Problem", ergänzte ein Vater. "Wir reden hier über die Zukunft unseres Landkreises."

Manche Arbeitgeber versuchen zu helfen: In Haßfurt bietet das Mehrgenerationenhaus unter Federführung des Roten Kreuzes ganztägige Ferienbetreuung an. "Wir zahlen dort für die Kinder unserer Mitarbeiter", erklärte Martin Thürmer, Personalleiter beim Unternehmen Uponor. "Arbeitgeber müssen heute am Arbeitsmarkt attraktiv sein, um qualifizierte Fachkräfte zu bekommen." Dies sei keine Frage der Firmengröße.


Nüdlingen plant Betreuung

Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (CSU) beschrieb die Vorgehensweise im Markt Burkardroth, wo der Premicher Kindergarten Ferienbetreuung anbietet. Auch er sah die Notwendigkeit, den ländlichen Wirtschaftsraum für Arbeitnehmer mit Kindern attraktiver zu gestalten. Nüdlingens neuer Bürgermeister Harald Hofmann plant deshalb für den Sommer eine von der Gemeinde finanzierte, für Eltern kostenfreie Betreuung. "Das ziehen wir durch, das kriegen wir hin!"

Schon seit ein paar Jahren gibt es ein von Gemeinde und Eltern finanziertes Angebot in Kleinrinderfeld (Landkreis Würzburg). "Wir machen das einfach", sagte Bürgermeisterin Eva Linsenbreder, wusste aber auch, dass dies in größeren Städten schwieriger sein könne.

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) verwies auf die von der Kreisstadt trotz knappen Haushalts für den ganzen Landkreis vorzuhaltende Infrastruktur wie Schwimmbad oder Eishalle. "Wenn wir für Ferienbetreuung auch noch zahlen sollen, müssen wir woanders sparen." Blankenburg sah Ferienbetreuung deshalb eher als "gesamtstaatliche Verpflichtung".

Dem stimmte Landtagsabgeordneter Günther Felbinger (Freie Wähler) zu. "Es gibt noch nicht den Königsweg", meinte er. Jeder Ort arbeite heute noch mit eigenem Modell. "Wir brauchen vom Freistaat eine Lösung, dann können alle mitmachen." Seine Kollegin Kathi Petersen (SPD) verkündete, ihre Fraktion bereite gerade einen entsprechenden Antrag für den Landtag vor.