David Groß wartet. Auf eine Antwort aus dem Burkardrother Rathaus. Mitte Juli hatte der 32-Jährige gemeinsam mit seiner Frau Eva ein Schreiben an die Verwaltung geschickt. Darin erheben die beiden Neu-Stralsbacher Einspruch gegen den geplanten Austausch des Wasserzählers in ihrem Haus am Müllerweg, das ihnen seit 2015 gehört. Dieser war erst 2012 vom Vorbesitzer eingebaut worden und kann laut aktueller EU-Eichverordnung bis 31. Dezember 2018 betrieben werden. "Weshalb also sollte ich etwas, was noch funktioniert, vorzeitig austauschen und wegwerfen lassen? Meiner Meinung nach wird so unnötiger Müll produziert", sagt Groß. Doch das ist für ihn nicht das einzige Problem.


Daten für Verbraucherprofile

Der angehende Gymnasiallehrer hat auch große Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Denn die neuen Wasseruhren zeichnen mit ihrer Funk-Ultraschall-Technik mehr auf als nur den Wasserverbrauch am Jahresende. "Sie speichern extrem viel", weiß der gebürtige Nüdlinger. "Damit können ganz konkrete Verbraucherprofile erstellt werden, unter anderem, welcher Haushalt wann wieviel Wasser verbraucht." Zudem werden alle 16 Sekunden Funksignale mit den ermittelten Daten abgegeben, hat er herausgefunden. "Jeder, der ein entsprechendes Auslesegerät zur Verfügung hat, kann diese Informationen dann auslesen", so Groß.

Ihn ärgert in diesem Zusammenhang besonders, dass diese Risiken in den Informationen über den Austausch der Wasserzähler im Gemeindeblatt "Ortsschelle" nicht benannt wurden. Die Gemeinde habe vielmehr nur die Vorteile des Austausches dargestellt. "Die Tatsache, dass die erhobenen Daten nicht sicher sind, verbietet dem gesunden Menschenverstand, derartige Zähler zu verbauen", schreiben David und Eva Groß in ihrem Einspruch an die Gemeindeverwaltung. Außerdem berufen sie sich auf das geltende Prinzip der Datensparsamkeit. Dieses besagt, dass nur die Angaben erhoben werden, die auch wirklich gebraucht werden.


Anfrage beim Datenschützer

Um Klarheit vor allem hinsichtlich der rechtlichen Grundlage für den "Zwangsumtausch" der Wasseruhren zu bekommen, hat sich der Neu-Stralsbacher an Dr. Thomas Petri gewandt, den Bayerischen Landesbeauftragten für Datenschutz. Schließlich ist das Vorgehen im Markt Burkardroth kein Einzelfall. "Auch in anderen Regionen Bayerns setzen sich Bewohner kritisch mit den neuen Funk-Ultraschall-Wasseruhren auseinander", hat Groß herausgefunden. Innerhalb von sechs Tagen lag eine Antwort von der Behörde in seinem Briefkasten. Darin bestätigt Petris Stellvertreter Anton Stammel, dass der Einsatz von "intelligenten" Wasserzählern in das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung eingreife. "Diese gibt jedem Einzelnen die Befugnis, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen", schreibt er.

Auch bestätigt der Datenschützer, dass es keine rechtliche Grundlage für die Zulässigkeit der Vorgehensweise des Marktes Burkardroth gibt. "Umgekehrt wird man keine gesonderte gesetzliche Rechtsgrundlage verlangen müssen - so dass eine Satzungsregelung vor Ort ausreicht -, wenn der Einsatz beim Betroffenen freiwillig erfolgt."


Gemeinde will Einheitlichkeit

Doch wie freiwillig verläuft der Austausch im Markt Burkardroth? Können die Bürger diesen verweigern? Gibt es Alternativen? Auf Nachfrage im Rathaus antwortet der 2. Bürgermeister Daniel Wehner (CSU): "Wir möchten keine anderen Modelle im System. Zudem ist es für uns wirtschaftlicher, alle Wasseruhren auf einmal auszutauschen." Auch berichtet er davon, dass die Gemeinderäte bei der Entscheidungsfindung einen mechanisch funktionierenden Wasserzähler in Betracht gezogen hätten. Da dieser jedoch ein stetes Klackern von sich gibt, hätten sie sich dagegen und für das Ultraschall-Funk-Modell entschieden.


Ablesung einmal im Jahr

Datenschutzrechtliche Bedenken teilt er nicht. "Der Zählerstand wird nur einmal im Jahr vom Wasserwart abgelesen", versichert Wehner, der Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) momentan urlaubsbedingt vertritt. Dabei würden auch nur der verschlüsselte Tagesstand sowie der Zählerstand vom letzten Tag des vorherigen Monats erfasst, alle anderen Daten nicht.

Wenn jedoch ein Hauseigentümer mehr über seinen Wasserverbrauch erfahren möchte, könne er ein detaillierteres Verbraucherprofil vom Wasserwart auslesen lassen.

Bisher wurden von den örtlichen Gas- und Wasserinstallateuren 1150 Wasserzähler in den Ortsteilen Burkardroth, Wollbach, Zahlbach, Frauenroth, Stralsbach und Oehrberg ausgetauscht. In allen anderen Gemeindeteilen bis auf Premich soll der Wechsel so bald wie möglich abgeschlossen sein. Die Kosten für den Tausch trägt die Gemeinde, die diese dann auf die Wassergebühren umlegt, die sie von den Bürgern erhebt. Schließlich kauft der Markt Burkardroth das Wasser vom Versorger Rhön-Maintal-Gruppe und gibt es an seine Bewohner außer in Premich weiter. Lediglich dort, wo die für den Wasserzähler vorgeschriebenen Bügel mit dem Rückflussverhinderer fehlen, müssen Hauseigentümer die Kosten für den Austausch selbst tragen.