Was hatte Konrad Adenauer mit der europäischen Integration zu tun? Näheres erfährt der Interessent momentan durch die gleichnamige Ausstellung in der Stadtbibliothek Hammelburg, die am Montag vom Kreisverband der Europa-Union eröffnet wurde und bis zum Freitag, 7. Juni, andauert. Dieter Galm, Leiter des Arbeitskreises Politik und Gesellschaft (APG) der Europa-Union im Landkreis Hammelburg, moderierte durch die Eröffnungsveranstaltung. Galm erinnerte an den großen Staatsmann und Europäer Adenauer: "Es war ein Mann mit präziser klarer Sprache - unzweideutig. Adenauers Geist lebt weiter in Europa".

"Unser Ziel ist die Einigung Europas für Frieden und Freiheit", stellte der Ehrenvorsitzende des EU-Kreisverbandes Edgar Hirt die Kontinuität des föderalistischen Europa-Gedankens bis zum heutigen Tag ganz oben hin. Als Gründervater aus deutscher Sicht gelte der 1967 verstorbene Altbundeskanzler Konrad Adenauer, der Seite an Seite mit dem französischen General Charles de Gaulle das gemeinsame Europa nach einem entsetzlichen Krieg in den 50-er und 60-er Jahren auf den Weg brachte.

"Wer hätte damals gedacht, dass dieses Europa einmal 27 Nationen umfassen wird?", zeigte Hirt die Entwicklung von mehr als einem halben Jahrhundert auf. Ohne die Eingliederung des Saarlandes 1957 und die Aussöhnung mit Frankreich, die vor 50 Jahren am 22. Januar 1963 im Elysée-Palast in Paris per Freundschaftsvertrag dokumentiert wurde, sei diese rasante Entwicklung Europas wohl kaum denkbar, wies Hirt auf die Hinweise der Ausstellung hin.

Plakativ zeigt die Ausstellung "Konrad Adenauer und die Europäische Integration" die geschichtlichen Meilensteine auf. Dazu gehören der Schumann-Plan und die Montanunion genau so wie die Römischen Verträge, die den späteren Durchbruch für die gemeinsame Marktpolitik EWG ermöglichten. Neue Säulen für das europäische Haus entstanden in den späten 60-er Jahren mit dem Europa-Parlament, dem Ministerrat, der Europäischen Kommission und dem Europäischen Gerichtshof.

Konrad Adenauer (* 5. Januar 1876; + 19. April 1967) hielt seinem Wohnort Rhöndorf (bei Bad Honnef) die Treue. An die Staatsbeerdigung konnte sich Zeitzeuge Ulrich Feldmann erinnern. Er war damals als junger Oberleutnant aus dem Wach-Bataillon beauftragt worden, die militärische Begleitung des Trauerzuges zu leiten. Vom Kölner Dom bis nach Rhöndorf über den Rhein (per Schnellboot der Marine) ging dieser Trauerzug, zeigte Feldmann anhand der alten Schwarzweißfotos in seinem Album auf. "Tausende nahmen daran teil und trauerten um ihren Adenauer aus vollem Herzen", erinnerte sich Feldmann an eine nicht mehr zu überschauende Menge. "Ich bin auch ein Stück Adenauer", identifizierte sich Feldmann jetzt mit diesem historischen Ereignis.

Meilensteine der Geschichte

Peter Klaje aus dem CSU-Seniorenkreis Hammelburg: "Der Bund Europäische Jugend wurde 1953 gegründet und damals hatten wir uns schon mit der Politik beschäftigt", erinnerte er sich an solche "Meilensteine der damaligen Zeit wie den Elysée-Vertrag". Nur 18 Jahre nach dem Kriegsende habe sich diese deutsch-französische Freundschaft zur umfassenden politischen Zusammenarbeit angebahnt: Regelmäßige Konsultationen beider Länder sowie die kulturelle und militärische Zusammenarbeit seien bis heute Tradition. Anhand eines Fotos vom "Bruderkuss" zwischen de Gaulle und Adenauer stellte Klaje fest: "Damals musste man diesen Bruderkuss nach dem Jawort zur politischen Ehe noch üben".

Historische Betrachtungen über Adenauer gab es auch vom Zeitzeugen Reinhold Knecht (EU), der auf den von Adenauer angeführten Ellwanger Kreis der Heimatvertriebenen Bezug nahm. "Im Kurhotel Bad Brückenau tagte dieser Kreis 1948 ausnahmsweise einmal nicht in Ellwangen (an der Jagst)", so der 1941 gebürtige Ellwanger Knecht. "Adenauer hatte uns Mut gemacht", erinnerte sich Knecht jetzt. Aufgrund Adenauers Einsatzes seien noch bis zur Mitte der 50er Jahre deutsche Kriegsgefangene zurückgekehrt.

"Trotz aller Unterschiede müssen wir ein ganzheitliches Europa sein", betonte Bürgermeister Ernst Stross (SPD). Besonders die junge Generation sollte sich als Teil dieses Ganzen sehen und Gemeinsamkeiten pflegen. So zum Beispiel durch Schulaustausch oder Auslandsbesuche "nicht nur als Touristen". Adenauer habe hierzu einen maßgeblichen Teil geleistet, so Stross weiter.
An ihre persönliche Begegnung mit Adenauer konnte sich Christa Hannawacker erinnern: "In Bad Neuenahr besuchte ich meinen Mann, der dort zur Kur war", erzählte Hannawacker auch von einem Kirchenbesuch. "Adenauer kam auf uns zu und begrüßte ganz herzlich auch unsere damals sechsjährige Tochter Sabine sehr nett mit Handschlag", so Hannawacker und fügte hinzu: "Das hatte uns sehr beeindruckt". An Adenauers Rheinüberquerung konnte sich EU-Kreisgeschäftsführer Rudolf Romanczyk noch erinnern: "Damals hatten meine Eltern gerade ihre Wohnung renoviert".