Als erfolgreichster Jahrgang aller Zeiten wurden am Freitag die 118 Absolventen des Lehrgangs OEB 12 (OEB steht für Oerlenbach) im Beisein ihrer Angehörigen nach zweieinhalb Jahren aus dem Ausbildungszentrum in den aktiven Dienst bei der Bundespolizei entlassen. Als frischgebackene Polizeimeister werden die 30 Damen und 88 Herren ab Montag als Beamte auf Probe bei den Direktionen München, Stuttgart und Frankfurt-Flughafen sowie bei der Bundesbereitschaftspolizeidirektion Fuldatal eingesetzt.

Humorvoll blickten Robert Giancola und Vartan Ter-Akopow, von Gelächter und Applaus unterbrochen, auf ihre 30-monatige Ausbildung zurück. 10 000 Stunden voller Konzentration, 200 000 Minuten Einsatzbereitschaft und Hingabe für den Beruf habe dies für die Teilnehmer bedeutet, aber auch Millionen Sekunden verzweifelten Stöhnens: "Brauchen wir das wirklich in der Praxis?"

Problem des Selbstverständnises

Die größte Enttäuschung sei gewesen, wenn man in schicker Uniform und mit stolz geschwellter Brust nach dem ersten Ausgang den Schlagbaum wieder passieren wollte und die innere Stimme zuflüsterte: "Jaaaa, du bist ein Cop, ein Stück Exekutive", der Wachmann dies aber überhaupt nicht erkannte und den jungen Anwärter respektlos anmaulte: "Dei Auddo kannst fei do net steh los, musst dei Auddo wegfahr, weil sonst musste drauße bark."

Die ersehnte Anerkennung und viel Lob für alle Absolventen gab es dafür bei der Abschlussfeier in Anwesenheit der Angehörigen. Erstmals hätten alle Teilnehmer eines Lehrgangs ihre Ausbildung bestanden, hob Erster Polizeihauptkommissar Bodo Pahl hervor. Diesem Lob schloss sich Polizeidirektor Thomas Lehmann in seiner Festansprache an. Die Prüfungsanspannung sei überstanden, las Lehmann aus seinem Redemanuskript, jetzt könne gefeiert werden, korrigierte sich aber gleich selbst unter dem Gelächter der Absolventen: "Ich hab gehört, manche haben schon ziemlich gefeiert."

Trotz des freudigen Anlasses vergaß Lehmann nicht, auch auf eine ernste Seite des Polizeiberufs hinzuweisen - die massive Bedrohung durch den Terrorismus, vor allem in der Interntionalisierung der letzten Zeit. "Seien Sie stets wachsam", rief er den jungen Polizeimeisterinnen und Polizeimeistern zu. Hier sei die Bundespolizei "eine tragende Säule der Sicherheitsarchitektur in Deutschland".

Wandel der Aufgaben

Das vielfältige Aufgabenspektrum der Bundespolizei habe sich seit 1951, dem Gründungsjahr des Bundesgrenzschutzes, erheblich gewandelt. Einen immer größer werdenden Bereich bilden heute die Auslandseinsätze und die Bearbeitung der Migrationsströme mit Schleusungen sowie unerlaubten Einreisen und Aufenthalten. Lehmann warnte: "Routine kann hinderlich, wenn nicht sogar gefährlich sein."