Rein rechnerisch hat nur rund jeder 1430ste Mensch an einem 29. Februar Geburtstag. In der Stadt Bad Kissingen mit rund 22 000 Einwohnern können am Montag gerade einmal acht Bürger feiern, in Bad Bocklet mit rund 4500 Einwohnern immerhin vier. Eine davon ist die Aschacher Gemeinderätin Simone Götz: 44 Jahre wird sie am 29. Februar 2016 alt. Und mit ihr noch mindestens zwei weitere Frauen aus dem Landkreis.


Verbindung zu Urgroßvater

"An einem 29. Februar rufen viele an, die sich in den anderen drei Jahren nicht melden", berichtet Simone Götz. Das Datum sei einfach etwas besonderes, immer wieder werde sie darauf angesprochen. So geht es auch Mariola Zorzytzky aus Römershag: Sie wurde vor 44 Jahren im schlesischen Hindenburg geboren. 1989 kam sie nach Deutschland, erst nach Oberwildflecken, später nach Bad Brückenau. "Es gibt immer wieder schöne Begegnungen, Menschen sprechen mich manchmal nach 20 Jahren wieder an, dass ich doch am 29. Februar Geburtstag habe."
In der Familie von Mariola Zorzytzky gibt es zudem eine Besonderheit: "Mein Urgroßvater hatte auch am 29. Februar Geburtstag, aber ich habe ihn nicht mehr kennen gelernt." Trotzdem fühlt sie sich ihm verbunden. Die gelernte Bürokauffrau, die auf dem Volkersberg die Rezeption leitet, feiert in Nicht-Schaltjahren immer schon am 28. Februar: "Ich bin im Februar geboren, mit dem März kann ich nichts anfangen", sagt sie. Glückwünsche bekomme sie aber meist auf 28. Februar und 1. März verteilt.
Auch Simone Götz feiert seit jeher am 28. Februar vor - mit einem Ärgernis: "An meinem 18. Geburtstag habe ich meinen Führerschein nicht bekommen, laut Gesetz durfte ich erst ab 1. März fahren." Meistens hat sie aber schöne und lustige Erinnerungen: "Zum 24. Geburtstag haben mir Freunde eine Schultüte geschenkt, weil ich ja erst meinen sechsten Geburtstag hatte", berichtet sie lachend, und: "Als Kind habe ich immer gar nicht verstanden, weshalb mein Geburtstag nicht im Kalender stand, wir haben ihn dann einfach mit Kugelschreiber eingetragen."


Auf den 1. März gewechselt

"Als Kind haben wir immer am 28. Februar gefeiert, aber in den letzten Jahren lege ich den Geburtstag eher auf den 1. März", berichtet Heike Lell aus Hammelburg, die heute ebenfalls 44 wird. Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass sich den Geburtstag am Schalttag viel mehr Menschen merken: "Wenn es einen 29. Februar gibt, melden sich selbst aus meiner alten Schulklasse noch welche." Lustige Erlebnisse hatte auch sie schon: Zum 40. Geburtstag etwa hängten Freunde Bilder von ihr mit einer großen 10 auf.
Im Landratsamt Bad Kissingen gibt es aktuell keinen Mitarbeiter, der heute Geburtstag hat, allerdings gab es schon Fälle. Die Frage, an welchem Tag in Nicht-Schaltjahren der übliche halbe freie Tag zum Geburtstag gewährt wird, entscheide dann der Abteilungsleiter in Absprache mit dem Personalrat. Einmal auf 28. Februar oder 1. März festgelegt, bleibe es aber verbindlich dabei, betont Pressesprecherin Melanie Hofmann.

Astronomie Während die Erde die Sonne umrundet, dreht sie sich genau 365,24219 Mal um sich selbst. Ein Jahr im Sonnenkalender müsste somit eigentlich 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 20 Sekunden lang sein.

Ausgleich Bereits die Ägypter fügten alle vier Jahre einen zusätzlichen Tag ein, um die Verschiebung der Sonnenstände und Jahreszeiten zu kompensieren. Die Römer übernahmen diese Lösung in den so genannten julianischen Kalender. Die Jahre waren damit im Schnitt 356,25 Tage lang. Trotzdem verschob sich der Kalender alle 128 Jahre um einen Tag. Papst Gregor XIII. ließ deshalb zum Ausgleich im Jahr 1582 auf den 4. Oktober den 15. Oktober folgen und führte den gregorianischen Kalender ein: Schalttage gibt es seitdem in jedem vierten Jahr, aber nicht in den Jahren die zwar durch 100, aber nicht durch 400 teilbar sind. Seitdem beträgt der Fehler nur noch 27 Sekunden, also ein Tag in 3231 Jahren.