So intensiv wie in den vergangenen 20 Wochen war Moritz Hüfner aus Untererthal noch nie mit den Berufswelt in Kontakt gekommen: Als Jobblogger im Auftrag des Landratsamtes jobbte der 19-jährige Abiturient seit Anfang Juni in 20 Unternehmen verschiedener Branchen und Gewerke. Anschließend berichtete er in einem Internet-Blog und auf Instagram über seine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen.

Lkw-Fahrer ist nichts für ihn

"Manche Berufe kennt man als Jugendlicher gar nicht oder man hat ein völlig falsches Bild." Dies musste auch Moritz Hüfner erkennen, als er in einem weltweit tätigen Versandhaus für Dentallaborbedarf den Dienst antrat. "Kaufmann für E-Commerce - das hatte ich noch nie gehört." Eine interessante Erfahrung machte er beim Einsatz in einer Spedition. "Das Trucker-Leben scheint cool, aber ich möchte nie im Leben als Lkw-Fahrer arbeiten."

Lange Arbeitszeiten und "ständig weg von daheim" seien für ihn nicht das Richtige, gibt er im Pressegespräch zu. Nachhaltige Eindrücke gewann er im Bestattungsunternehmen. "Den Tod nimmt man wohl wahr, aber man denkt nicht darüber nach." Schließlich umfasst dieser Beruf auch andere Aufgaben, "ohne Tote anfassen zu müssen", wie Dekoration, Seelsorge und Verwaltung. Eines wollte Hüfner aber unbedingt ausprobieren: "Ich habe mich in einen Sarg gelegt. Es war megaweich, ein wunderschönes Gefühl."

Zwar waren es in den 20 Wochen "nur" 20 Firmen, aber insgesamt 32 verschiedene Berufe, von denen sich Hüfner sein eigenes Bild machen durfte. Auch der Beruf des Bäckereifachverkäufers sei keineswegs anspruchslos, wie der Abiturient zuvor geglaubt hatte. Denn es reicht nicht, das vielfältige Produktangebot zu kennen und zu verkaufen, hat der 19-Jährige lernen müssen: "Du bist im Kundenkontakt das Aushängeschild der Firma. Wenn du nicht gut bist, wechselt der Kunde schnell den Bäcker."

Erfolgreiche Idee

Diese und andere Erfahrungen schildert Hüfner in seinen Blogs und Videoclips, die auf Instagram schon 640 Follower haben. "Der Jobblogger ist eine Idee aus unserer Standortkampagne", erinnerte Landrat Thomas Bold (CSU). Bereits 2018 hatte es einen ersten Einsatz gegeben, "der super gelaufen ist" und nicht nur bei der Zielgruppe der Jugendlichen gut ankam, sondern auch die teilnehmenden Firmen begeisterte. Dies sei die richtige Art, zielgerichtet die Schulabsolventen und Berufsanfänger anzusprechen, war die einhellige Meinung. Musste Projektleiterin Cordula Kuhlmann als Regionalmanagerin des Landkreises im Vorjahr noch Firmen suchen, meldeten sich beim diesjährigen Aufruf viele Unternehmen von allein. Nicht alle konnten genommen werden, da Kuhlmann und ihr Team auch andere Berufe als jene aus 2018 auswählen wollten, um die ganze Bandbreite der Berufsvielfalt aufzeigen zu können. Auch Freizeit- und Ehrenamtsaktivitäten vom Rhönradturnen bis zum Jugendtheater, vom Eine-Welt-Verein bis zur Betreuung von Menschen mit Behinderungen bei der Lebenshilfe standen auf dem Arbeitsplan des jugendlichen Jobbloggers.

"Jeder Beruf kann interessant sein, wenn man die eigene Begabung einbringen kann", hat Moritz Hüfner für sich selbst herausgefunden. Zimmerer sei zum Beispiel gar nichts für ihn, auch wenn der Handwerksbetrieb den Abiturienten sofort einstellen wollte. Doch Hüfner sieht sich eher als kreativen Menschen. Deshalb will er nach einem Praktikum Architektur studieren - am liebsten in Würzburg - und später im Heimatlandkreis arbeiten. Als Voraussetzung für die richtige Berufswahl hat Moritz Hüfner bei seinem 20-wöchigen Einsatz jedenfalls erkannt: "Der Beruf kann und muss Spaß machen."

Die Blogs von Moritz Hüfner sind im Internet auf der Bloggerseite www.jobblogger-kg.de und auf Instagram unter www.instagram.com/jobblogger zu finden.