Die Radfahrer unter den Freitzeitsportlern können sich freuen, vor allem, wenn sie auf längeren Strecken unterwegs sind: Wenn alles nach Plan läuft, können sie eines Tages nach anstrengendem Tagwerk die Nacht in einer Radlerhütte verbringen.
Radlerhütten sind ein Projekt des "Netzwerkes Wald & Holz", das vor einem Jahr gegründet wurde und beim Landratsamt Bad Kissingen angesiedelt ist. In der Absicht, neue Verwendungen und Märkte für heimisches Holz zu erschließen, wurden diese Hütten kreiert. Das sind 25 m² große Fertigteilhäuschen aus Holz, in denen vier Personen komfortabel übernachten können. "Es gibt einen großen Raum mit zwei Stockbetten, Küchenzeile und Sitzgruppe und einen Anbau mit Dusche, WC und Fahrradgarage", sagt Christoph Groetsch, Geschäftsführer des Netzwerkes.

Es gibt schon Interessenten  35 derartige Hütten sind in Unterfranken geplant, 15 davon Im Landkreis Bad Kissingen. Natürlich kann man sie nicht einfach mitten in den Wald stellen, sondern sie werden von privaten Investoren errichtet und betrieben. Mit 30.000 Euro muss man derzeit rechnen. Dabei gibt es die Möglichkeit, über das Brüsseler Leader-Programm eine Förderung von 25 Prozent der Nettokosten zu bekommen. Bei Übernachtungspreisen von 15 bis 20 Euro gehen die Fachleute von einer Amortisationszeit von sieben Jahren aus. Groetsch: "Wir haben schon eine ganze Reihe von Interessenten, und zwar nicht nur aus der Gastronomie, sondern auch aus der Landwirtschaft und von Privatleuten."

Christoph Groetsch freut sich, dass bei diesem Projekt sein Kommunalunternehmen und die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt zusammenarbeiten. Das Modell, das jetzt verwirklicht werden soll, ist das Ergebnis eines Architekturstudentenwettbewerbs am Lehrstuhl von Professor Karl Zankl. 20 Entwürfe wurden eingereicht; die Wahl fiel auf das Modell von Theresa Holl (Essligen) und Dorothe Velde (Werneck).

Völlig neue Materialien
Beim Bau der Hütten sollen völlig neue Materialien und Ideen zum Tragen kommen. So werden die Fertigteile nicht aus Massivholz gefertigt. "Für die Hütten soll ein ganz neues Buchenfurnier-Verbundholz verwendet werden, das noch gar nicht auf dem Markt ist", sagt Groetsch. Es hat die Vorteile, dass es aus heimischen Wäldern stammt und außerordentlich beständig ist.

Falthocker für Schwergewichte
Auch in der Inneneinrichtung sollen neue Wege beschritten werden. Einen Falthocker, den man an die Wand hängen kann, gibt es schon - natürlich auch aus dem neuen Holz: "Auch wenn er gar nicht danach aussieht: 120 Kilo trägt der mühelos" - also mehr als einen Groetsch.


Für Michael Pfaff, den Geschäftsführer der Rhön-Tourismus GmbH in Bad Neustadt, sind die Radlerhütten eine gute, aber vor allem auch wichtige Sache: "Die Rhön ist in der deutschen Spitzengruppe der Auslastung. An Wochenenden und Feiertagen könnten wir sie zweimal verkaufen." Da ist ihm jedes weitere Bett willkommen. Und er freut sich auch, dass das Amt für Landwirtschaft sich nicht mehr nur auf den "Urlaub auf dem Bauernhof" fokussiert, sondern sich mit dieser Idee auch anderen Sparten öffnet.

Pfaff weist allerdings auch darauf hin, dass die Finanzierung der Hütten nicht so ganz einfach ist. "40 Prozent Auslastung wären schon sehr gut. Aber da muss man auch schon mit sehr spitzer Feder rechnen." Deshalb hofft er andererseits , dass sich möglichst viele Interessenten für die Hütten finden, damit sich durch Serienfertigung die Preise reduzieren lassen. Allerings seien Radfahrer "eine kurzfristige Klientel. Die buchen nicht lange im Voraus"

Ein Radweg-Kernstück fehlt noch
Dass angesichts dieser Initiative ausgerechnet eine der wichtigsten Strecken im Vorrhöner Radwegenetz fehlt, nämlich die von Bad Kissingen nach Euerdorf, grämt Michael Pfaff nicht allzu sehr. Aber ärgerlich ist es doch. Und so, wie es aussieht, wird er auch noch länger warten müssen. Im Straßenbauamt Schweinfurt steht der Radweg durchaus auf der Agenda: "Wir haben acht Vorschlagsvarianten", sagt Baurat Matthias Wacker. "Aber wir sind noch nicht dazu gekommen, darüber zu diskutieren und eine Entscheidung zu treffen." Und dann muss der Weg ja auch erst noch gebaut werden.