Vier Papierbänder und 15 Minuten Zeit: das braucht Monika Schmidt um einen Fröbelstern zu falten. Das mag auf den ersten Blick nicht allzu aufregend wirken. Das Besondere daran, wenn sie zusammen mit Annemarie Arnold Fröbelsterne bastelt, ist die Tatsache, dass sie nur über einen voll entwickelten Arm verfügt.
Bereits seit drei Jahren unterstützt Schmidt die 91 jährige "Sternenfrau" im Advent beim Falten der Sterne. "Ich habe sie immer nur bis zu einem gewissen Punkt gekonnt, ab da an kam ich nicht mehr weiter", so Schmidt. Die Lösung bot sich für sie durch Fröbelstern-Unterricht unter der Aufsicht von Annemarie Arnold. "Wir haben uns immer Montag vormittags, von 10 bis 11.30 Uhr getroffen, und haben die Sterne gefaltet", erinnert sich die überregional als "Sternenfrau" bekannte Annemarie Arnold an die Unterrichtseinheiten.

Die Motivation für Monika Schmidt, sich mit nur einem Arm einer derartigen Aufgabe zu stellen, liegt in ihrer Kindheit begründet: "Bereits als Kind wollte ich etwas können, was für mich scheinbar unmöglich ist, zum Beispiel ein Instrument lernen. Meine Kindheit war häufig von einem 'geht nicht' geprägt". Mittlerweile hat Schmidt sogar ihren Kindheitstraum, ein Instrument zu erlernen, verwirklichen können: "Seit zwei Jahren nehme ich Klavier- und Orgelunterricht". Die Noten hierfür werden von ihrem Lehrer extra umgeschrieben, so dass Monika Schmidt diese einhändig spielen kann.
Im Gegensatz zur Musik ist das Falten der Fröbelsterne eine Saisonbeschäftigung. Hierzu haben sich Arnold, Schmidt und ihre Mitstreiter mittlerweile Anleitungen erstellt, um sich den alljährlichen Wiedereinstieg zu erleichtern. Professionell gebunden und mit Farbfotos wird darin Schritt für Schritt das Faltmuster erklärt. Annemarie Arnold kann ihre Bewunderung für Schmidt während des Faltens kaum zurückhalten: "Die sind ja akkurater als meine!", ruft sie lachend aus. Aber auch wenn ein Stern nicht gelingen mag, weiß die Sternenfrau ein Geheimrezept: "Die werden später glattgebügelt, dann passen die." Bei den gerade gebastelten Sternen der beiden muss jedoch nicht nachgebessert werden.

Annemarie Arnold erinnert sich beim Betrachten der beiden Sterne an ihre Erlebnisse während der Nachkriegszeit: "Wollte man die staatliche Anerkennung für die Ausbildung als Erzieherin haben, war es zwingend notwendig Fröbelsterne basteln zu können. Wir haben die damals aus Pergamentpapier gemacht - heute nehmen wir Präsentband in unterschiedlichen Breiten." Auch betont Annemarie Arnold, dass es zunehmend schwieriger sei, "die Sterne an den Mann zu kriegen". Erhältlich sind die Sterne entweder direkt bei Annemarie Arnold, oder aber im Sanitätshaus Weber gegen eine Spende. "Wir würden uns freuen, wenn sich noch weitere Geschäfte in Bad Kissingen der alljährlichen Spendenaktion anschließen" so Arnold.

Auch Monika Schmidt hat ihre Anekdote zu den Fröbelsternen. So faltet sie diese aus Plakaten, die an einem Schneideplotter passgenau zugeschnitten werden. "Es ist wichtig, dass die Streifen so gleich wie möglich sind, ansonsten verhaken sie sich, was das Falten für mich schwieriger macht", so Schmidt. Doch nicht nur beim Basteln sind die Mitstreiter um Annemarie Arnold akribisch: So haben sich im Lauf der letzten 16 Jahre einige Ordner mit Rechnungen und Schriftstücken gefüllt. Darunter befinden sich auch Hefter, die die Erfolge des alljährlichen Engagements Arnolds bezeugen. Die Zahlen sprechen für sich: über 60 000 Sterne ergaben in 16 Jahren mehr als 20 000 Euro an Spenden.
Die erzielte Spendensumme geht jedes Jahr an eine andere gemeinnützige Organisation in Bad Kissingen. Konnte sich in den vergangenen Jahren beispielsweise das Jugendmusikkorps oder das Rote Kreuz über eine Spende freuen, gehen die erzielten Gelder dieses Jahr an "Palliativo Main Saale Rhön GmbH". Hierbei handelt es sich um eine Gesellschaft für spezialisierte ambulante Palliativversorgung in den Städten und Landkreisen Schweinfurt und Bad Kissingen, die sich aktuell im Aufbau befindet. Die Leistungen richten sich an unheilbar schwerkranke Menschen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium. Diesen will man die Möglichkeit bieten, eine ganzheitliche Versorgung im gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Träger der Gesellschaft ist das Leopoldina Krankenhaus und die Kongregation der Schwestern des Erlösers als Träger der St. Josef Krankenhaus in Schweinfurt.
"Auch wenn ich vorhabe Sterne bis zum letzten Atemzug zu machen, will ich auf jeden Fall erleben, dass das richtig läuft", betont Arnold. Durch ihr fortgeschrittenes Alter sei es nicht mehr möglich, vom 28. November bis 6. Januar täglich mehrere Stunden in der Wandelhalle ihre Sterne gegen eine Spende abzugeben. Nichts desto trotz hält das Alter Arnold nicht von neuen Ideen ab: in den letzten Jahren kamen häufig Interessenten mit der Bitte auf sie zu, das Falten der Sterne ihren Kindern oder Enkeln beizubringen. Daher überlegen sie und Schmidt aktuell, wie man das Falten der Sterne auch Kindern näherbringen kann.