In sieben der zwölf Ortsteile hatte Burkardroths Bürgermeister schon seit Dezember seinen Rechenschaftsbericht vorgetragen. Am Freitag setzte Waldemar Bug (ödp) seinen winterlichen Bürgerversammlungsmarathon in Waldfenster fort. Knapp 50 Bürger mit Ortssprecher Frank Gößwein ließen sich über die Ergebnisse des vergangenen Arbeitsjahres und kommende Aktivitäten im Markt Burkardroth informieren.
Sorge bereitet dem Bürgermeister die sinkende Einwohnerzahl. Aktuell seien 7567 Bürger mit Erstwohnsitz im Gemeindebereich gemeldet, davon 754 in Waldfenster. Doch in den vergangenen zehn Jahren sei die Marktgemeinde um 460 Einwohner geschrumpft. "Das ist ein ganzes Dorf." Ursache seien mehr Wegzüge als Zuzüge und mehr Sterbefälle als Geburten. Allerdings lassen die im vergangenen Jahr 63 Neugeborenen den Bürgermeister noch hoffen: "Sie garantieren die Dreizügigkeit unserer Grundschule."

Viel Geld für Kindergärten

Da auch Betreuungsplätze für unter dreijährige "Krabbelkinder" geschaffen werden mussten, wurden in den vergangenen sechs Jahren knapp sechs Millionen Euro in Aus- und Umbau der Kindergärten investiert. Eine knappe Million Euro sei allein in das Montessori-Kinderhaus in Waldfenster gesteckt worden, in dem aktuell 36 Kinder, davon zehn unter drei Jahren, betreut werden.
Eine Konsequenz sinkender Bevölkerungszahlen ist auch, "dass sich nicht jede Gemeinde alles allein leisten kann". Deshalb arbeitet Burkardroth seit 2012 mit den Nachbargemeinden Bad Bocklet, Nüdlingen und Oberthulba in der Kommunalen Allianz "Kissinger Bogen" zusammen. Ein erstes Förderprojekt zur Neubelebung der Ortszentren sei schon umgesetzt, informierte Bug die Waldfensterer, weitere 52 Projektvorschläge warten auf baldige Umsetzung. Am Donnerstag ist der Bescheid über den Eintrag der bisherigen Arbeitsgemeinschaft ins amtliche Vereinsregister eingetroffen, im März wird eine Allianzmanagerin ihre Arbeit aufnehmen. "Ich rufe alle Bürger auf, an Planung und Umsetzung der Projekte aktiv mitzuwirken."
Im Mai 2014 trat die Marktgemeinde Burkardroth dem "Sternenpark Rhön" bei. Hierbei geht es nach Worten des ödp-Umweltpolitikers um die Minderung der "Lichtverschmutzung" und den "Schutz der Nacht". Die Außenbeleuchtung in den Gemeindeteilen soll auf den Gehweg, "wo man sie ja auch braucht", und nicht in den Nachthimmel gerichtet sein. Dies sei auch gesünder für den Menschen, dessen Organismus den Wechsel zwischen Tageslicht und dunkler Nacht benötige, so Bug. "Ich gebe zu, unser Marktplatz ist nicht gerade das beste Beispiel dafür."

Bald kommen die Flüchtlinge

In Waldfenster wurde der Dorfweiher neu gestaltet, die Gasversorgung durch die Stadtwerke Bad Kissingen ausgebaut und die Fahrbahndecke der Bundesstraße erneuert, erinnerte der Bürgermeister. Er begrüßte ausdrücklich die Unterbringung von 15 Asylbewerbern ab Februar in einer Waldfensterer Privatpension und die Hilfsbereitschaft der Dorfbevölkerung: "Diesen Flüchtlingen aus Ländern, wo Menschen abgeschlachtet werden, müssen wir helfen."
Wie alle bisherigen Sachinformationen blieb auch Bugs Aufruf zum Widerstand gegen die Südlink-Stromtrasse 018, die direkt nördlich an der Ortsgrenze von Waldfenster geplant ist, ohne Reaktion aus dem Publikum.
Stattdessen bemängelte ein Zuhörer die unzweckmäßige Aufstellung der neuen Kinderrutsche und die Verschmutzung eines Teiches. Ein Landwirt klagte, die Feldwege seien zu hoch gebaut und ohne seitliche Befestigung, so dass Schäden beim Abfahren mit schweren Fahrzeugen auf den Acker unvermeidlich seien. "Wenn wir uns finanziell beteiligen sollen, müssen auch die Seitenstreifen befestigt sein." Ein anderer Teilnehmer forderte den Ausbau des Gewerbegebiets bei Stralsbach, "um dem demografischen Wandel entgegen zu wirken". Bug: "Wir sind dabei. Planer wurden beauftragt."